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Tina Ortner Linz

Isabella Reischl Bad Ischl

 
Praxis 7. Juni 2011

Online-Plattform zur Demenz

EU-gefördertes Forschungsprojekt für Demenzkranke und ihre Angehörigen.

Die Forschungsabteilung der FH Oberösterreich am Standort Linz und Promente Oberösterreich entwickeln in Kooperation mit Partnern aus vier weiteren Regionen der EU eine Online-Plattform mit relevanten Informationen und praktischen Hilfestellungen zum Thema Demenz.

 

In Österreich sind 23 Prozent, also fast ein Viertel der Bevölkerung, 60 Jahre und älter. Laut Österreichischem Demenzbericht leiden derzeit 100.000 Personen an einer Form von Demenz. Im Jahr 2050 wird sich die Zahl auf 250.000 Erkrankte erhöhen.

In der Europäischen Union sind Schätzungen zufolge etwa 7,3 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Millionen von Pflegern, in vielen Fällen Familienangehörige oder ebenfalls nicht mehr junge Lebenspartner, betreuen die Patienten. Die Pflege findet in vielen Fällen, sofern es die Möglichkeiten zulassen, im gewohnten Umfeld der Betroffenen zuhause statt. Die staatlichen Unterstützungen variieren in der Europäischen Union sehr stark von Land zu Land.

Das EU-geförderte „Innovation 4 Welfare“-Projekt mit dem Titel „Mnemosyne“, benannt nach der griechischen Göttin der Erinnerung, unterstützt den Austausch und die Kooperation fünf europäischer Regionen zu diesem Thema. Im spanischen Katalonien, der italienischen Lombardei, dem niederländischen Nordbrabant, dem estnischen Tartu und in Oberösterreich entwickeln Experten und Wissenschaftler eine Online-Plattform, die eine Vielfalt relevanter Informationen zum Thema Demenz, vor allem aber praktische Hilfestellung für Betroffene und Pflegende bieten wird. Durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher europäischer Regionen werden die Potenziale und bereits vorhandenen Innovationen der Projektpartner ausgetauscht und optimal genutzt. Die FH Oberösterreich arbeitet im Rahmen dieses Projekts eng mit Promente Oberösterreich zusammen. Diese Organisation betreibt seit mehr als acht Jahren das Tagestherapiezentrum „Tandem“ für Demenzkranke in Bad Ischl. Durch das gezielt eingesetzte Therapieangebot in der Einrichtung werden eine Verzögerung des Krankheitsverlaufes sowie eine Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen und Angehörigen erreicht. Dies ermöglicht einen längeren Verbleib der betroffenen Menschen im gewohnten familiären Umfeld. Die Online-Plattform soll mit ihren vielfältigen Inhalten, besonders für pflegende Angehörige, zusätzlich eine wichtige Informationsquelle und hilfreiche Unterstützung darstellen.

Information, Austausch und Vernetzung

Die Plattform wird umfassende Informationen über Erkrankung, Diagnose und Therapiemöglichkeiten für Demenzkranke, Angehörige und Pflegende bereitstellen. Da ein Großteil der Pflegeleistungen nach wie vor in den Familien erbracht wird, liegt ein weiterer Informationsschwerpunkt auf der Pflege zuhause, dem Umgang mit den Erkrankten und der Erinnerungsarbeit. Im Sinne einer vorbeugenden Medizin wird die Prävention zum Thema gemacht und Übungen zur Aktivierung kognitiver Fähigkeiten zur Verfügung gestellt.

Darüber hinaus ist vorgesehen, dass betroffene Personen, Familienangehörige und Interessierte individuelle Fragen direkt per Mail an Demenzexperten richten können. Erfahrungen in der Pflege und Betreuung von Personen mit dementiellen Erkrankungen können in einem Online-Forum ausgetauscht werden.

Vernetzung ist nicht nur ein Paradigma in der Entwicklungs- und Forschungsarbeit, sondern soll in Zukunft auch in der praktischen Arbeit im Gesundheitsbereich stärker verankert werden. Dazu bietet die Online-Plattform einen fundierten Überblick regionaler Gesundheits-, Betreuungs- und Beratungseinrichtungen zum Thema Demenz.

Pilottest in Spanien

Zu Beginn des Projektes „Mnemosyne“ wurden die Bedürfnisse von Patienten und Angehörigen sowie der aktuelle Stand der Informations- und Kommunikationstechnologien in den einzelnen Regionen erhoben und für die Entwicklung des Inhalts und Aufbaus der Online-Plattform genutzt. Die erarbeiteten Inhalte werden in den nächsten Monaten mit demenzkranken Personen und deren Angehörigen in Spanien getestet. Anhand dieser Erfahrungen und Erkenntnisse wird schließlich eine praxistaugliche Version (in Englisch) konzipiert. Zu Projektende (Oktober 2011) ist ein Bericht geplant, der politischen Entscheidungsträgern, Gesundheitsbehörden und sozialen Einrichtungen Empfehlungen mit auf den Weg geben soll, wie webbasierte Lösungen zu mehr Lebensqualität für von Demenz betroffene Personen und deren Angehörige führen können.

 

 Nähere Informationen zur „Innovation 4 Welfare“ – Initiative und den Projekten gibt es im Internet unter http://www.innovation4welfare.eu.

 

Kontakt: und

Von Mag. (FH) Tina Ortner und Isabella Reischl , Ärzte Woche 23 /2011

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