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Foto: Vinzenz Gruppe
v.l.n.r.: Prof. Dr. Reinhard Krepler; Dr. Margarete Schramböck; BM Alois Stöger; Dr. Michael Heinisch; Dr. Christian Böhmer.
 
Praxis 7. Juni 2011

Ruf nach mehr Zusammenarbeit

Expertenrunde ist sich einig: Herausforderungen können mit mehr Zusammenarbeit besser bewältigt werden.

Kostensenkung ohne Qualitätsverlust im Gesundheitswesen ist möglich – die Lösung dafür heißt intensive Kooperation zwischen den Gesundheitseinrichtungen. Zu diesem Ergebnis kam eine prominente Expertenrunde bei einer Diskussion der Vinzenz Gruppe über das Potenzial von „Health Cooperation“, der Kooperation im Gesundheitswesen.

 

Nach Auffassung der Experten senkt mehr Zusammenarbeit der Spitäler die Kosten und macht die Leistungen für die Patienten besser und sicherer. Voraussetzung für mehr Kooperationen sind bessere rechtliche Rahmenbedingungen, Anreize für medizinisches Personal und Patienten sowie die Einbindung der Mitarbeiter.

Wenn es um die Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens geht, dann dreht sich die Diskussion zumeist um die Schließung von Standorten und um andere Leistungskürzungen. Nicht so bei der Diskussion „Gesundheit im Fokus“ der Vinzenz Gruppe in Wien: Mehr Zusammenarbeit der Spitäler und der anderen Einrichtungen könnte wesentlich zur „finanziellen Gesundung“ des gesamten Sektors beitragen, waren sich die Teilnehmer einig.

Welchen Stellenwert das Modell der „Health Cooperation“ in Österreich hat und welche Chancen und Hindernisse bestehen – mit diesen Fragen beschäftigten sich unter der Leitung von Dr. Christian Böhmer, Kurier: Alois Stöger, Bundesminister für Gesundheit, Dr. Margarete Schramböck, Vice President Germany & Austria NextiraOne, Prof. Dr. Reinhard Krepler, Ärztlicher Direktor des AKH Wien, Dr. Peter Gausmann, Geschäftsführer der GRB Gesellschaft für Risikoberatung, sowie Dr. Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe.

Zusammenarbeit muss sein

Für Stöger liegt der Schlüssel zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens in einer verstärkten Zusammenarbeit aller Einrichtungen. „Es führt kein Weg an Kooperation vorbei. Krankenhäuser, die kooperieren, bieten auch bessere Qualität für Patienten“, so Stöger. Reinhard Krepler, AKH-Wien: „Wir arbeiten eng mit den niedergelassenen Ärzten zusammen und stehen am Start von mehr Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen.“

Von den bisherigen Erfahrungen mit Kooperationsprojekten der Vinzenz Gruppe berichtete ihr Geschäftsführer Michael Heinisch. Die seit zehn Jahren laufende Partnerschaft zwischen den Krankenhäusern Barmherzige Schwestern und Barmherzige Brüder in Linz bringt Einsparungen von fünf Millionen Euro im Jahr. Gleichzeitig konnte die Qualität des Angebots verbessert werden. Heinisch plädierte für eine sektorenübergreifende Zusammenarbeit, etwa im Bereich der Pflege: „Patienten zahlen für einen Tag im Krankenhaus zehn Euro Selbstbehalt. Für einen Tag in der Pflegeeinrichtung etwa 120 Euro. Das verhindert den Wechsel in die Pflege. Der gesetzliche Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen Spital und Pflege muss verbessert werden.“ In die gleiche Kerbe schlug Krepler: Alles, was man im Akut-Krankenhaus nicht benötigt, sollte in einer anderen Einrichtung stattfinden. Es müsste aber für die Patienten finanzierbar sein.

Peter Gausmann, Geschäftsführer der GRB Gesellschaft für Risiko-Beratung, wies auf die Notwendigkeit von Kooperation und Vernetzung für mehr Patientensicherheit hin. Besonders der Informationsfluss zwischen den Ärzten bei der Therapie und Medikation müsse intensiver werden: „Nur mit einer engen Vernetzung ist ausreichend Patientensicherheit möglich.“

Mehr Kommunikation

Mehr Kooperation bedeutet auch mehr Kommunikation – und dafür müssen die technischen Voraussetzungen geschaffen werden. Margarete Schramböck von NextiraOne schloss aus der Praxis der IT-Branche auf das Gesundheitswesen: „Die neue Generation ist es gewohnt, mit Videokonferenzen und anderen Kommunikations-Tools zu arbeiten. Solche Instrumente erwarten sie auch als Mitarbeiter eines Krankenhauses.“ Eine besondere Chance für mehr Effizienz und bessere Leistung sieht sie in der Steuerung von Patientenströmen.

Heinisch wies darauf hin, dass Kooperationen für die Mitarbeiter immer Veränderungen bedeuten, was zu Verunsicherungen führen kann. „Daher liegt ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg eines Kooperationsprojektes in der Einbindung der Mitarbeiter“, betonte Heinisch.

Elektronische Hilfsmittel wie der elektronische Gesundheitsakt, ELGA, werden von den Experten als wichtige Instrumente zur Vernetzung zwischen den Gesundheitseinrichtungen gesehen. Damit könne auch die Patientenleistung verbessert werden.

Heinisch ortet viel Potenzial durch mehr Zusammenarbeit: „Wir müssen Kooperation als zentrales Thema positionieren und anhand von Pilotprojekten zeigen, dass sie etwas bringt.“ Für Krepler besteht ein Anreiz in den sichtbaren Erfolgen von Kooperation: „Nichtkooperieren erkennt man daran, dass es nicht wirtschaftlich ist.“ Bundesminister Stöger sieht Planung, Finanzierung und Steuerung in einer Verantwortung: „Das solidarische Gesundheitssystem muss erhalten bleiben. Kooperationen zur Steigerung der Transparenz machen gute Systeme vergleichbar.“

The Skills Group GmbH/FH

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