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Bilder erleichtern die Kommunkation über Beschwerden und Symptome.
 
Praxis 12. März 2009

Aufklären, nicht verwirren!

Sprach- und Kulturhürden erschweren die ärztliche Aufklärung von Patienten mit Migrationshintergrund.

Das Arzt-Patienten-Gespräch ist schon auf der Basis derselben Muttersprache mit vielen Hürden verbunden: Verständnisprobleme, Scham und unterschiedliche Grundinformationen sind nur einige der Faktoren, die ein Gelingen der Kommunikation erschweren. Um wie viel schwieriger gestaltet sich dieses Gespräch erst, wenn der Patient aus einem anderen Kulturkreis kommt und sich in der Landessprache nicht gut ausdrücken kann! Um dem Arzt in solchen Fällen ein Werkzeug zur Verfügung zu stellen, entwickelte ein Team um die deutsche Urologin Christina Heiligensetzer die reich illustrierte Übersetzungshilfe Tip doc in Türkisch, Russisch und Deutsch.

 

Gerade in den Bereichen Körper, Gesundheit, Befinden und Sexualität sind die Deutschkenntnisse bei Menschen mit Migrationshintergrund immer wieder unzureichend bzw. lückenhaft. Dazu kommt, dass Hinweise und Informationen zu Gesundheitsleistungen häufig schwer verständlich für diesen Personenkreis verfasst sind. So kann das ärztliche Aufklärungsgespräch zum ärztlichen Verwirrungsgespräch werden.

Der Schwerpunktbericht „Migration und Gesundheit“ über türkische und deutsche Krankenhauspatientinnen, den das Robert Koch-Institut in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Bundesamt 2008 veröffentlichte, zeigte, dass gerade die türkischen Patientinnen die Informationen zu Diagnose und Therapie vielfach nicht verstanden hatten. Das Aufklärungsgespräch führte – im Gegenteil – zu einem Informationsverlust: Gaben vor der „Aufklärung“ 62 Prozent der 262 türkischen Patientinnen die Diagnose und 71 Prozent die Therapie richtig an, so reduzierte sich dieser Anteil nach dem Gespräch auf 55 Prozent korrekt verstandene Diagnosen und 66 Prozent richtig wiedergegebene Therapien. Bei den deutschen Patientinnen (n = 317) wurde ein solcher Effekt nicht festgestellt.

Migranten schlechter versorgt

Die Sprachproblematik ist auch neben Unfreundlichkeit, Diskriminierung, schlechter ärztlicher Aufklärung und erfolgloser Behandlung einer der Gründe, warum Frauen mit Migrationshintergrund in der ambulanten Versorgung häufig den Arzt wechseln.Die Einbeziehung von mehrsprachigen Mitarbeitern, ausländischen Raumpflegerinnen oder Familienangehörigen stellt ohne Zweifel keine optimale Maßnahme dar, da Fragen bezüglich Scham, Schweigepflicht und richtiger Übersetzung völlig offen bleiben. Für die bessere Gesundheitsversorgung von Patienten mit Migrationshintergrund sollten daher andere Lösungsansätze gesucht werden. Visuelle, zielgruppenorientierte, praktische Übersetzungshilfen fehlten bisher. Ein Problem der Sprachbarriere ist jedenfalls die bis heute schlechtere Gesundheitsversorgung von Patienten aus anderen Herkunftsländern: Höhere Müttersterblichkeit, geringere Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen und an Impfprogrammen, schlechtere Compliance bei chronischen Krankheiten und eine wesentlich schlechtere Zahngesundheit bereits im Kindesalter sind die Folge.

Ein Sprach- und Kulturleitfaden

Diese Sprach- und Kulturbarrieren soll Tip doc überwinden helfen. Ein Team aus unterschiedlichen Fachärzten mit und ohne Migrationshintergrund, darunter fremdsprachige Gesundheitsmediatoren und eine Pädagogin, führt in einfachen Worten und anschaulichen Bildern die wichtigsten Arzt-Patient-Situationen in Deutsch, Türkisch und Russisch an. Von der Terminvereinbarung bis zur Untersuchung und der Behandlung. Abgedeckt werden die hausärztliche Praxis sowie die Fächer Kinder- und Frauenheilkunde, Urologie, Orthopädie und Zahnheilkunde.

Bilder erleichtern die Kommunkation über Beschwerden und Symptome.

Untersuchungen können erklärt werden – auch wie der Patient mithelfen kann.

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