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Praxis 26. Mai 2011

Tipp: Qualitätsmanagement zum Nulltarif

Die Österreichische Ärztekammer hat für den niedergelassenen Bereich ein Qualitätsmanagementsystem entwickelt, das allen Medizinern ab sofort online kostenfrei zur Verfügung steht.

Am Anfang war der Wunsch: Weg von sinnlosen Qualitätsvorgaben und  hin zu einem Qualitätsmanagement für den niedergelassenen Bereich, das sich in einer kleinen Praxis genauso integrieren lässt wie in einer großen Gruppenordination.  Seit vergangener Woche kann sich jeder Mediziner diesen Wunsch mit ÖQM zum Nulltarif erfüllen.

Von Ärzten für Ärzte

ÖQM steht für Österreichisches Qualitätsmanagement Med, das von Ärzten für Ärzte entwickelt wurde. „Das war kein einfaches Projekt“, erklärt Dr. Otto Pjeta, der von Seiten der Österreichischen Ärztekammer die Finanzierung über die Kammerumlage vornahm, „da die Anforderungen im niedergelassenen Bereich so unterschiedlich sind.“

Deshalb hieß es, zuerst die mannigfaltigen Qualitätskriterien zu evaluieren und die Grundsätze gemeinsam mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger festzulegen. „Über20.000 Kolleginnen und Kollegen gaben hier ein positives Signal.“

Nach ein paar Jahren harter Arbeit und zum Teil harten Verhandlungen mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger ist daraus ein modulares System geworden, das jeden Mediziner dort abholt, wo er Unterstützung braucht: Von der verpflichtenden Qualitätssicherung wie Hygiene, Gerätewartung oder Patientendokumentation bis hin zum  freiwilligen Qualitätsmanagement, zusätzlich Praxis-Bereiche wie Mitarbeiterführung, Wartezeiten in der Ordination oder den eigenen Finanzplan betreffen.

Online abrufbar

Das System bietet acht Module. Eines davon betrifft zum Beispiel das Thema Sicherheit. Innerhalb dieses Moduls gibt es Dokumente zum Downloaden: Was ist Praxissicherheit? Was bedeutet Datensicherheit? Wie ist die Medikamentensicherheit gewährleistet?  Es wurden Checklisten für die Praxis erarbeitet, die eine genaue Dokumentation in der Ordination ermöglichen. Zusätzliche Services wie weiterführende Literatur oder Fortbildungen der Landesärztekammern ergänzen das Angebot.

Mehraufwand, der sich lohnt

Eine, die sich in der Pilotphase durch alle Module gearbeitet hat ist die Kärntner Allgemeinmedizinerin Dr. Eldrid Moser-Rapf „Der Zeitaufwand ist natürlich größer, mich hat aber das Thema Praxismanagement schon immer sehr interessiert“, so ihr erstes Feedback. „Ich kann nicht nur meine Ordination in allen Bereichen durchleuchten, auch mein Team und meine Patienten profitieren davon.“  Workflows wurden verbessert, Checklisten stehen zur Verfügung, wo eventuell keiner weiter weiß. Und auch die Patienten wurden von ihr aufgeklärt: „Wir dokumentieren zertifiziert“,  lautet ihre Botschaft, „damit wir im Ernstfall auch für ihre Sicherheit garantieren können.“

Leistbare Zertifizierung

Zertifizierungen waren bis jetzt mit hohen Kosten verbunden, die ein Allgemeinmedizinerin wie Dr. Moser-Rapf nicht so einfach nebenbei finanzieren konnte. Um möglichst viele Kollegen zum Mitmachen zu motivieren, steht das ÖQM allen online kostenfrei zur Verfügung. Wer dann tatsächlich die Zertifizierung anstrebt, muss nur das Audit zahlen. Die Kosten für ein ÖQM Audit betragen 800,-- €, dazu kommen noch die Fahrtspesen und die Umsatzsteuer.

Mediziner zertifizieren ihre Kollegen

Dass in dem auf Freiwilligkeit basierenden System Ärzte ihre eigenen Standeskollegen begutachten, ist für den Wiener Patientenanwalt Konrad Brustbauer eher ein Vorteil als ein Nachteil: „Ich empfehle Patienten, die mit Problemen zu mir kommen, ja auch, sich einen anderen Arzt als Experten zu suchen. Und keinen Architekten.“ Innerhalb einer Standes-Kollegenschaft sei die Kontrolle zumeist härter als durch fachfremde Personen.

Webtipp

www.öqm.at

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