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Foto: Wilke

Bernhard Matuschak, VKI-Experte

 
Praxis 25. Mai 2011

Künstliche Bräune

Solarien können die Gesundheit gefährden. Vor allem Jugendliche und Personen mit heller Haut sollten diese meiden.

Für unter 18-Jährige und sonnenbrandgefährdete Personen sollten Sonnenstudios tabu sein, doch die meisten Anbieter halten sich nicht an die gesetzlichen Vorgaben und spielen mit der Gesundheit ihrer Kunden.

 

Dies ist das ernüchternde Fazit einer Studie des Vereins für Konsumenteninformation. „Sehr helle oder junge Haut reagiert besonders empfindlich auf UV-Strahlen. Wer in der Jugendzeit häufig einen Sonnenbrand erleidet oder sich regelmäßig ins Solarium begibt, trägt ein deutlich erhöhtes Risiko, im Lauf seines Lebens an Hautkrebs zu erkranken“, warnt VKI-Experte Bernhard Matuschak.

Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche, deren Haut dünner als die von Erwachsenen ist und der die Fähigkeit fehlt, Hornhaut zu bilden. Daher hat der Gesetzgeber den Forderungen von Ärzten und Verbraucherschützern nachgegeben und mit 1. September 2010 Minderjährigen die Benutzung von Solarien verboten. Bei Zuwiderhandeln drohen den Betreibern Strafen bis zu 2.180 Euro. Die Überprüfung hat mittels Ausweiskontrolle oder elektronischen Zutrittssystemen zu erfolgen. Aber selbst für Erwachsene ist laut WHO die Benutzung von Solarien auf die höchste Risikostufe für eine Krebserkrankung zu setzen. Bei einem Überschreiten der persönlichen Sonnendosis kommt es zu schmerzhaften Hautrötungen über Blasenbildung und Pigmentverschiebungen bis hin zu Lichtdermatosen (Hautveränderungen). Hohe UV-Doen führen zu vorzeitiger Hautalterung und erhöhen das Hautkrebs-Risiko. Besonders gefährdet sind Personen des Hauttyps 1 und 2 mit heller Haut und Haaren und vielen Sommersprossen. Aufgrund gesundheitlicher Gefahren sollten auch diese Menschen keine Solarien aufsuchen.

Wie wurde getestet?

Es wurde getestet, ob die Jugendschutzbestimmungen eingehalten werden, wie seriös die Studios ihre Dienstleistungen anbieten (gesetzliche Vorgaben, Gefahrenhinweise, Vorhandensein von Schutzbrillen, Kennzeichnung der Geräte…), und wie es um die Hygiene und schließlich die Freundlichkeit des Personals bestellt ist. Insgesamt wurden 15 Sonnenstudios in Wien einem Test unterzogen. Das Ergebnis muss als ernüchternd bezeichnet werden. In sechs Solarien wurden die Jugendschutzbestimmungen missachtet, der minderjährigen Testperson der Zutritt nicht verwehrt. Bei der zweiten Testperson vom Hauttyp 1 war bei neun Anbietern die gemessene Strahlendosis zu hoch, in einer Sonnenbank war die Strahlung stärker als jene der Äquatorsonne (!!). In sechs Fällen erreichte die Bestrahlungsintensität äquatoriale Bedingungen. Nur in zwei Studios wurde der Testperson aufgrund des hellen Hauttyps eine Bestrahlung verwehrt. Beim eindeutigen Testsieger wurden als einzigem Studio die Jugendschutzbestimmungen eingehalten und die erwachsene Person mit Hauttyp 1 abgewiesen. Auch die Aufklärung in den meisten Solarien war mehr als verbesserungswürdig: bei fast allen wurden die Testpersonen nicht explizit über gesundheitliche Risikofaktoren aufgeklärt. Über Gefahren in Zusammenhang mit Medikamenteneinnahme oder das Tragen von Kosmetika wurde in keinem Studio informiert. Die vorgesehene Schutzbrille wurde nur in vier Studios ausgehändigt. Die Hygienezustände waren ebenfalls nicht überragend, in zwei Fällen fehlten sogar die vorgeschriebenen Duschen.

Pecunia non olet …

Als im Vorjahr darüber diskutiert wurde, Jugendlichen per Gesetz den Zutritt zu Solarien zu verbieten, sprachen die Betreiber von „staatlicher Bevormundung“ und „wirtschaftlichem Ruin“. Und sie führten die positiven Aspekte der künstlichen Bräune und die Selbstverantwortung der Kunden ins Treffen.

In den Werbebotschaften wurde von „Fürsorge“ und „kompetenter Beratung“ gesprochen. „Unser Test entlarvt die schönen Worte als pure Hülsen. Ohne mit der Wimper zu zucken, werden Gesundheit der Kunden und Jugendschutz dem schnöden Mammon geopfert“, kritisiert Matuschak. Ein Beispiel: In einem Studio wurde nach dem Alter gefragt. Als die Testperson sich als minderjährig outete, wurde augenzwinkernd – es müsse ja nicht jeder davon wissen – die Zugangskontrolle mit falscher e-Card umgangen.

Top und Flops
Die Top 4
• Sonnentreff das Solarium, Endresstraße 112, 1230 Wien; Bewertung 77/100
• Fitinn Sun Gasometer, Guglgasse 14/Top D11, Gasometer, 1110 Wien; Bewertung 55/100
• Therme Wien, Kurbadstraße 10-16, 1100 Wien; Bewertung 53/100
• Sonnenkönig, Fasangasse 24, 1030 Wien; Bewertung 44/100

Flop 6: 0/100 Punkte:
• Holmes Place Kaiserwasser, Wagramerstr. 17-19, 1220 Wien
• NO LIMIT, Esslinger Hauptstraße 120, 1220 Wien
• Sonnenstudio Funky Sun, Panikengasse 38, 1160 Wien
• Studio Welcome, Linzerstraße 403, 1140 Wien
• Sun Club, Lassallestraße 36, 1020 Wien
• Sunfactory, Edergasse 2, 1210 Wien

Von Mag. Michael Strausz, Ärzte Woche 21 /2011

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