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Praxis 17. Mai 2011

Rettungstransporte

Bei welchen Rettungseinsätzen muss ein Notarzt mitfahren?

Im Rettungswesen kommen drei verschiedene Rettungsfahrzeuge zum Einsatz: der Rettungstransportwagen, das Notarzteinsatzfahrzeug und der Notarztwagen.

Wird eine Erkrankung, ein Verkehrsunfall, eine Vergiftung oder eine Verletzung mit lebensbedrohlichen Ausmaßen gemeldet, kann – sofern verfügbar – sofort ein Notarztwagen entsandt werden, der mit einem Notarzt und Notfallsanitätern besetzt zu sein hat. Zu seiner Ausstattung zählen unter anderem wichtige Notfallgeräte, alle notwendigen Medikamente sowie Rettungsgeräte für die Bergung Verunfallter sowie die Schienung und Fixierung verletzter Körperteile.

Rettungstransportwägen, die generell nicht mit einem Notarzt besetzt sind, werden dagegen zu Einsätzen geschickt, bei denen vermutlich kein Notarzt erforderlich ist, bei welchen daher mit keiner Gefährdung lebensbedrohlichen Ausmaßes gerechnet werden muss und die Mitwirkung eines Arztes nicht erforderlich erscheint. Die Patienten werden vom Rettungstransportwagen zur Erstversorgung ins Krankenhaus eingeliefert. Erkennen die Sanitäter vor Ort allerdings, dass ihr Wissen und ihre Erfahrung nicht ausreichen oder die Gesundheitsbeeinträchtigung des Patienten so gravierend ist, dass ein Arzt gebraucht wird, haben sie sofort einen Notarzt anzufordern.

Häufig werden Rettungstransportwägen auch zu Notarzteinsätzen vorausgeschickt, weil sie in der Regel schneller vor Ort sind. Der Notarzt folgt in diesem Fall in einem Notarzteinsatzfahrzeug zum Einsatzort nach. Ein Rettungstransportwagen muss so ausgestattet sein, dass sämtliche spezielleren Geräte, die in einem Notarzteinsatzwagen mitgeführt werden, bei Bedarf im Rettungstransportwagen angeschlossen werden können.

Das Notarzteinsatzfahrzeug selbst ist lediglich ein kleiner PKW. Falls notwendig, steigt der Notarzt mit sämtlichen erforderlichen Geräten aus dem Notarzteinsatzfahrzeug in den Rettungstransportwagen um und begleitet den Patienten ins Krankenhaus.

Die Erstentscheidung, welches dieser Fahrzeuge zum Einsatzort geschickt wird, liegt primär bei der Leitstelle. Diese entscheidet aufgrund der Angaben des Anrufers, welches Fahrzeug und welche Besatzung erforderlich sind. Stellt sich die Situation vor Ort anders dar als angenommen, liegt die Entscheidung bei den Sanitätern, ob sie einen Notarzt anfordern.

Müssen lebensrettende Sofortmaßnahmen durchgeführt werden, ist von den Sanitätern in jedem Fall ein Notarzt und, falls dieser nicht verfügbar ist, ein zur selbstständigen Berufsausübung berechtigter Arzt angefordert werden. Zu den lebensrettenden Sofortmaßnahmen zählen gemäß Sanitätergesetz die Beurteilung, Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Körperfunktion, die Defibrillation mit halbautomatischen Geräten und die Herstellung der Transportfähigkeit sowie die sanitätsdienstliche Durchführung des Transports.

Notfallsanitäter haben – die entsprechende Ausbildung vorausgesetzt – mehr Kompetenzen als Rettungssanitäter. Sie sind berechtigt, den Arzt bei notfallmedizinischen Maßnahmen zu unterstützen und den Notfallpatienten zu betreuen, freigegebene Arzneimittel zu verabreichen, Venenzugänge zu legen und Infusionen zu verabreichen sowie Beatmung und Intubation durchzuführen. Bedingung dieser Notfallkompetenzen ist die Anweisung eines anwesenden Arztes oder, falls dieser nicht zur Stelle ist, die vorangegangene Verständigung eines Notarztes.

Diese Übertragung ärztlicher Aufgaben beruht auf §49 (3) ÄrzteG, wonach ein Arzt im Einzelfall berechtigt ist, ärztliche Tätigkeiten an Angehörige anderer Gesundheitsberufe oder in Ausbildung zu einem Gesundheitsberuf stehende Personen zu übertragen, sofern diese vom Tätigkeitsbereich des entsprechenden Gesundheitsberufes umfasst sind. Der Arzt trägt die Verantwortung für die Anordnung. Die ärztliche Aufsicht entfällt jedoch, sofern die Regelungen der entsprechenden Gesundheitsberufe bei der Durchführung übertragener ärztlicher Tätigkeiten keine ärztliche Aufsicht vorsehen.

Wird schuldhaft von den Sanitätern vor Ort kein Notarzt angefordert und kommt es dadurch zu einem Schaden, der durch die Anwesenheit eines Notarztes verhindert hätte werden können, kann dieses schuldhafte oder fahrlässige Verhalten des verantwortlichen Sanitäters zu einem zivilrechtlichen Schadenersatzanspruch führen, unter Umständen ist sogar eine strafrechtliche Haftung die Folge.

Den Notarzt selbst kann ebenso eine zivilrechtliche Inanspruchnahme und strafrechtliche Verfolgung treffen, wenn ihm im Zuge der Behandlung schuldhaft Fehler unterlaufen, oder er die vorwerfbare Fehlentscheidung trifft, dass seine Anwesenheit im Rettungstransportwagen nicht notwendig ist.

Zur Person
Mag. Daniela Olbrich














Die Autorin des Beitrages ist Rechtsanwältin bei der Wiener Kanzlei PHH Prochaska Heine Havranek Rechtsanwälte OG und hauptsächlich in den Bereichen M&A, Gesellschafts- und Unternehmensrecht, Liegenschaftsrecht und Stiftungsrecht tätig. Die Mitautorin, Sonja Schirmer, ist juristische Mitarbeiterin bei PHH.

PHH Rechtsanwälte GmbH Julius-Raab-Platz 4 / Eingang Franz-Josefs-Kai 1 1010 Wien Tel.: +43 1 714 24 40 Email: Web: www.phh.at
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