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Gudrun Egger Erste-Group-Zinsexpertin

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Hans Engel Erste-Bank-Analyst für internationale Aktienmärkte

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Peter Brezinschek Chefanalyst von Raiffeisen Research

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Brigitte Kuras RCB-Chefanalystin

 
Praxis 10. Mai 2011

Interessante Finanzmärkte

Zweites Quartal bietet Chancen für risikobereite Investoren.

Die Analysten von Raiffeisen Bank und Erste Group erwarten, dass sich der positive Trend auf den Aktienmärkten in Zentral- und Osteuropa im zweiten Quartal 2011 fortsetzen wird.

 

Die interessantesten Märkte während der kommenden Monate und des gesamten Jahres werden in jenen CEE-Ländern sein, die bisher der regionalen Erholung hinterherhinkten. „Ungarn und Rumänien sollten aus der Schwächephase herauskommen, während aus Kroatien bisher kaum Anzeichen für ein Anspringen der Konjunktur kam. Die anderen Länder sollten im Wesentlichen ihre Wachstumsraten des Vorjahres halten können“, prognostiziert Erste-Group-Zinsexpertin Gudrun Egger. Für die Zins- und Währungsmärkte in der Region zeichnen sich keine stärkeren Bewegungen ab. Globale Ereignisse könnten daran jederzeit etwas ändern, wobei die Auswirkungen der Krise in Libyen und des Erdbebens in Japan auf die CEE-Finanzmärkte sehr gering waren. Dies liege daran, dass seit der Krise 2008/09 die Leistungsbilanzdefizite massiv abgebaut wurden. Außerdem wurden Schritte zur Reduktion der Haushaltsdefizite in den meisten Ländern bereits gesetzt. Ausnahmen in dieser Hinsicht bilden Polen und die Türkei, die unter Kontrolle gebracht werden müssen. „Die allgemein positivere Entwicklung der Weltwirtschaft und die reichliche Liquiditätsversorgung sollten gute Voraussetzungen für einen Kursanstieg der Aktien an den mittel- und osteuropäischen Börsen um weitere 6-11 Prozent bieten“, erwartet Peter Brezinschek, Chefanalyst von Raiffeisen Research.

Positives ATX-Marktumfeld

Der heimische Aktienmarkt war in den vergangenen Monaten starken Schwankungen unterworfen. Nach einem zufriedenstellenden Jahresbeginn und einem Überschreiten der 3.000 Punkte-Marke bewirkten die Entwicklungen in der arabischen Welt und die Umwelt- und Atomkatastrophe in Japan einen starken Anstieg der Risikoaversion der Anleger. Im Gegensatz zu den meisten Indices im CEE-Raum verzeichnete der österreichische Leitindex ATX eine bisher klar negative Performance. Dennoch scheinen die Bedingungen für einen Gewinnanstieg intakt zu bleiben, da kein Ende der Erholung in den CEE-Ländern erkennbar ist. „Infolge der geänderten Zusammensetzung des ATX seit 21. März sollte das Gewinnwachstum bei etwa 34 Prozent liegen, deutlich höher als bei der alten Indexzusammensetzung mit 22“, prognostiziert RCB-Chefanalystin Brigitte Kuras. Sie erwartet für Ende Juni einen Indexstand von 3.100 Punkten und bis zum Jahresende 3.300. Auf der RCB-Empfehlungsliste stehen die Erste Bank, Immofinanz, OMV, Verbund, Wienerberger, Zumtobel und EVN.

Internationale Finanzmärkte

„Das Umfeld an den internationalen Finanzmärkten wird auch im 2. Quartal fragil bleiben“, betont Brezinschek. Nicht nur die schwer einschätzbare Situation in Japan, auch die hohen Staatsverschuldungen, ansteigende Rohstoffpreise und Inflationsängste sorgten für Herausforderungen. „Ein selektives Vorgehen in den einzelnen Märkten und Anlageklassen erscheint daher ratsam“, so der Analyst. Insgesamt ergeben sich infolge des Niedrigzinsumfeldes Chancen in ausgewählten Aktienmärkten wie USA und Emerging CEE sowie bei risikoreicheren Anlageformen (z.B. EUR-Corporate Bonds High Yield). Aber auch tschechische Staatsanleihen (4,2% Rendite) und ungarische Staatsanleihen (7%) sind für risikofreudige Anleger eine interessante Investment-Alternative. Aus Renditegesichtspunkten sollten Zentraleuropäische Aktien in einem globalen Portfolio untergewichtet, osteuropäische Aktien hingegen übergewichtet werden. „Weiters erwarten wir eine Outperformance von US-Aktien und empfehlen, diesen Markt im 2. Quartal überzugewichten“, so Hans Engel, Erste-Bank-Analyst für internationale Aktienmärkte. Die günstige Bewertung japanischer Aktien biete dem Aktienmarkt weiterhin eine wichtige Stütze. „Wir rechnen somit mit einer Performance der japanischen Leitindices im Einklang mit den etablierten Aktienmärkten und empfehlen daher eine neutrale Gewichtung japanischer Aktien.“ Die RCB empfiehlt in diesem Umfeld Aktien von Gazprom, Globe Trade Center, MOL, Petrom, CEZ und die Finanztitel PKO BP und Getin Holding.

EZB dreht an der Zinsschraube

Trotz des moderaten Wirtschaftswachstums ist die Inflation in Europa bereits stärker als erwartet angestiegen: „Wir erwarten vorübergehend ein höheres Inflationsrisiko, wobei die Verbraucherpreise im gesamten CEE-Raum 2011 voraussichtlich um 6,9 und in Österreich um 2,6 Prozent steigen werden“, so Brezinschek. Dies sei überwiegend auf die Erhöhung der Energie- und Nahrungsmittelpreise zurückzuführen. „Nachdem wir langsame Zinsschritte von maximal 25 Basispunkten pro Quartal prognostizieren, rechnen wir im 2. Quartal mit nur leicht schwächeren Renditenmärkten“, so Egger. Die US-Notenbank FED bezeichnet den jüngsten Anstieg der Inflationsraten als vorübergehend und sieht derzeit keinen Handlungsbedarf für eine Zinsanpassung. Dieser wird erst Ende 2011 erwartet.

Von Mag. Michael Strausz, Ärzte Woche 19 /2011

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