zur Navigation zum Inhalt
Foto: Privat
Lutz Bürgel ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung Bürgel & Partner BDU, mit Sitz in Wien und Berlin
 
Praxis 5. März 2009

Wer zuhause auch arbeiten muss, kann finanziell einiges rausholen

Ein Arbeitszimmer sollte kaum „Privatcharakter“ besitzen.

Es ist schon eine schöne Sache, wenn man die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer steuerlich geltend machen kann – aber der Fiskus muss auch mitspielen! Grundsätzlich tut sich die Finanz schwer damit, die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer als Absetzposten anzuerkennen.

 

Da die Rechtslage nicht immer ganz eindeutig ist, muss im Rechtsstreit zwischen Steuerzahler und Finanzamt der Verwaltungsgerichtshof sehr häufig entscheiden. Schließlich hat er über die Gesetzmäßigkeit der gesamten öffentlichen Verwaltung zu wachen, also auch über die Bescheide der Finanz (Artikel 129 der Österreichischen Bundesverfassung). Eines hat sich bei der Rechtsprechung herauskristallisiert: Je mehr ein Arbeitszimmer „Privatcharakter“ hat, umso geringer ist die Chance auf steuerliche Anerkennung.

Ist das Arbeitszimmer für die speziellen beruflichen Zwecke ausgestattet, etwa als Büroraum, in dem ein Mitarbeiter tätig ist, oder als Behandlungraum, ist die Sachlage eindeutig geklärt. Da braucht man mit dem Finanzamt sicher nicht zu diskutieren. Schwieriger wird es jedoch, wenn man einen Job in einem Büro ausübt und nebenbei ein häusliches Arbeitszimmer für berufliche Zwecke reklamiert. Der Fiskus stellt dabei immer die Frage, ob der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit typischerweise im Arbeitszimmer liegt oder nicht.

Es gibt da eine lange Liste, die typische Berufe aufzählt, die ein häusliches Arbeitszimmer steuerlich anerkannt bekommen, z.B. Komponist, Schriftsteller oder Dichter. Aber so vollzählig und eindeutig ist die Aufzählung nicht, als dass der Verwaltungsgerichtshof nicht doch fallweise tätig werden muss.

Arbeit nach Feierabend

Das nachfolgende Beispiel soll dies verdeutlichen: Der Prokurist einer Firma, verantwortlich für zehn Mitarbeiter, ist gleichzeitig journalistisch in einem bestimmten Fachbereich tätig, für den er regelmäßig Dokumentationen und Berichte schreibt bzw. Gutachten erstellt. Diese Arbeiten erledigt er in seinem Arbeitszimmer nach Feierabend und am Wochenende mit erheblichem zeitlichen Engagement. Er begründet es damit, dass er während des Betriebsablaufs in seiner Firma keine Zeit dafür hat, weil ihn seine Leitungsaufgaben im Büro voll in Anspruch nehmen. Dieser Argumentation ist das Finanzamt gefolgt.

Es lohnt sich also darüber nachzudenken, wie man die Notwendigkeit eines häuslichen Arbeitszimmers der Finanz gegenüber begründen kann. Schließlich ist es kein Pappenstiel, den man sich an Steuern erspart, da die anteiligen Gesamtkosten – neben der Miete sind das auch sämtliche Betriebskosten, Versicherungen und Erhaltungskosten (Berechnungsgrundlage ist die Raumgröße) – dem häuslichen Arbeitszimmer zugerechnet werden können.

Foto: Privat

Lutz Bürgel ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung Bürgel & Partner BDU, mit Sitz in Wien und Berlin

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben