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Georg Mentschl Leiter des Europäischen Verbraucherzentrums

 
Praxis 13. April 2011

„Finger weg von Online-Pillen!“

Eine Studie des Vereins für Konsumenteninformation zeigt: Viele Internet-Apotheken halten sich nicht an die Gesetze und sind obendrein teuer.

Die illegale Einfuhr von Arzneimitteln verzeichnet im Internet-Zeitalter hohe Zuwächse. Allein 2009 wurden von den österreichischen Behörden mehr als 27.000 Medikamentenverpackungen beschlagnahmt. Dabei handelt es sich am häufigsten um Potenzmittel, gefolgt von Haarwuchspräparaten und Diätmitteln. Der Verein für Konsumenteninformation hat in Kooperation mit dem Europäischen Verbraucherzentrum untersucht, ob sich reguläre Versandapotheken im EU-Ausland an das österreichische Arzneiwareneinfuhrgesetz halten.

 

Auch reguläre Versandapotheken bieten ihre Produkte im Internet an und verstoßen dabei häufig gegen das verschärfte heimische Arzneimitteleinfuhrgesetz. Dieses ist im August 2010 in Kraft getreten und regelt, dass ausschließlich rezeptfreie Präparate für den persönlichen Bedarf (maximal drei Packungen) eingeführt werden dürfen. Die Zollorgane sind verpflichtet, Medikamentenlieferungen, die gegen dieses Gesetz verstoßen, zu beschlagnahmen und zu vernichten. „Die Kosten dafür trägt der Käufer – und im Wiederholungsfall drohen saftige Verwaltungsstrafen von bis zu 7.260 Euro“, verlautet aus dem Finanzministerium. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat in einer Studie 16 Online-Apotheken in Deutschland, Großbritannien, Tschechien und den Niederlanden unter die Lupe genommen. Speziell ging es um die Frage, ob diese die österreichische Gesetzeslage befolgen. „Da Konsumenten im Vorfeld einer Bestellung kaum überprüfen können, ob die Präparate über eine österreichische Zulassung verfügen, ist eine Online-Bestellung im Ausland riskant. Wir raten daher davon ab“, warnt Georg Mentschl, Leiter des Europäischen Verbraucherzentrums.

Rezept- und Beratungspflicht oft missachtet

Beim Testkauf wurden vom VKI Schmerzmittel, fiebersenkende Präparate und Abführmittel bestellt, die in den Herkunftsländern rezeptfrei sind, aber in Österreich teilweise der Rezeptpflicht unterliegen.

Weiters sollte überprüft werden, ob schriftliche Informationen zur korrekten Anwendung mitgeschickt wurden. Das Ergebnis: Nur sechs Apotheken hielten sich an das heimische Arzneimitteleinfuhrgesetz, fünf davon verweigerten einen Versand nach Österreich aus rechtlichen Gründen. Die Tschechische „VfG Cosmian s.r.o.Apotheke“ versandte nur Medikamente mit österreichischer Zulassungsnummer, und dies innerhalb von vier Tagen. Die zehn anderen Apotheken lieferten in Österreich nicht zugelassene oder rezeptpflichtige Medikamente, häufig in ungesetzlichen hohen Mengen.

Unkalkulierbare gesundheitliche Risiken

Ausländische Online-Apotheken halten sich häufig nicht an die Gesetzeslage in den Empfängerländern. Auch eine Beratung findet im Internet kaum statt, lediglich die britischen Anbieter boten Angaben wie Nebenwirkungen, Symptome und Beschwerden, allerdings in englischer Sprache. „Ein Medikamentenkauf per Internet kann daher mit unkalkulierbaren gesundheitlichen Risiken verbunden sein“, warnt VKI-Gesundheitsexpertin Angela Tichy.

Irritierend sind auch die teilweise beträchtlichen Preisunterschiede. Die Versandkosten lagen zwischen 2,90 bis 30 Euro, bei der 100-Stück-Packung Dulcolax lagen die Preise zwischen 11,88 und 14,85 Euro. Für eine Sendung im vergleichbaren Umfang waren zwischen rund 33 und 81 Euro zu bezahlen. In heimischen Apotheken wären dagegen rund 45 Euro berechnet worden. „Mit ein Grund sind die hohen Versandkosten“, erklärt Tichy.

Liste der Online-Apotheken mit illegaler Lieferung
Altstadt Apotheke (D) www.gefion.de
Apotheke Buxtehude (D) www.meinpharmaversand.de
Fidelis Apotheke (D) www.arzneicom.de
Ipill Versandapotheke (D) www.ipill.de
Lampertus Apotheke (D) www.euroapo24.de
Löwen Apotheke (D) www.mediversand.com
Chemist Direct (UK) www.chemisdirect.co.uk
Express Chemist (UK) www.expresschemist.co.uk
Natcol.com Pharmacy (UK) www.natcol.co.uk
One Click Pharmacy (UK) www.oneclickpharmacy.co.uk

Von Mag. Michael Strausz, Ärzte Woche 15 /2011

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