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Die Österreicher planen, 2011 im Schnitt 5.460 Euro anzusparen, ein Drittel plant größere Anschaffungen, 15 Prozent mittels Kredit.
 
Praxis 23. März 2011

Knausrige Bausparkassen

Die Einstiegszinsen der heimischen Bausparkassen hören sich verlockend an, die Zinsentwicklung hält jedoch nicht, was die Online-Ansparrechner versprechen.

Eine Erhebung des Vereins für Konsumenteninformation zeigt, dass die hohen Einstiegszinsen der Bausparkassen lediglich für das erste Jahr gelten, danach sinkt der Zins auf ein deutlich bescheideneres Niveau. Über diese Entwicklung werden die Anleger nicht immer eindeutig informiert.

 

Bausparkassen arbeiten zum Teil mit geschönten Angeboten. Auf allen Anbieter-Websites gibt es sogenannte Ansparrechner, mit denen Kunden den zu erwartenden Betrag errechnen können. Raiffeisen und s-Bausparkasse rechnen hier mit einem (Einstiegs)-Zinssatz von 2,75 bzw. drei Prozent für die vollen sechs Jahre. Und das, obwohl der Zinssatz nach dem ersten Jahr sinken würde. Das von den beiden Bausparkassen prognostizierte Endguthaben ist damit um fast 400 Euro höher als die vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) errechnete, derzeit realistische Minimalvariante. Außerdem wurde bei ABV und Wüstenrot „vergessen“, die KESt zu berücksichtigen. Die Angebotsrechner von ABV, s-Bausparkasse und Wüstenrot berücksichtigen wiederum die Kontoführungsgebühren nicht. Auch in den auf Anfrage zugesendeten Verkaufsprospekten fanden sich geschönte Modelle – mit Ausnahme von Wüstenrot. Hier blieb die anonyme Anfrage gar unbeantwortet. „Alles in allem wäre hier ein Mehr an Kostenwahrheit seitens der Bausparkassen durchaus wünschenswert“, kritisiert VKI-Experte Walter Hager.

Milchmädchen(be)rechnung

Rechnet man die Verträge auf Basis des aktuellen Zinsniveaus durch, würden Konsumenten bei derzeit abgeschlossenen Verträgen mit variabler Verzinsung und monatlicher Zahlung von 100 Euro nach sechs Jahren nur eine Nettorendite von 1,27 Prozent (Raiffeisen) bis 1,69 Prozent (Wüstenrot) erhalten – die staatliche Prämie hinzugerechnet. Statt den berechneten 7.860 Euro würde man etwa bei Raiffeisen lediglich 7.480 Euro erhalten. Bei den Fixzinstarifen (Wüstenrot, s-Bausparkasse) würde sich eine Rendite von rund 2,30 Prozent ergeben, was in etwa dem Inflationswert entspricht. „Das ist wahrlich kein herausragendes Geschäft, wenn man sein Geld auf sechs Jahre verleiht“, so Hager. Bei kleineren Einzahlungen würden sich noch zusätzlich die hohen jährlichen Kontoführungsgebühren – 4,71 (Raiffeisen) bis 6,36 Euro (ABV) – äußerst negativ auswirken. „Auch wer vorzeitig aussteigt, zahlt drauf. Denn dann wird der staatliche Zuschuss rückverrechnet und ein Verwaltungskostenbeitrag fällig. Im Endeffekt sind die Kündigungskosten oft höher als der Zinsertrag.“

Onlineabschluss erhöht Ertrag

Eine Möglichkeit, die Rendite ein wenig zu erhöhen, ist, den Vertrag online abzuschließen. Anstelle des sonst üblichen Werbegeschenkes gibt es dann einen 40-Euro-Bonus, durch den sich in der Modellrechnung die Rendite von 1,7 auf 1,9 Prozent erhöht. „Ein gewisser Bonus ergibt sich auch, wenn der Jahresbeitrag einmalig zu Beginn des Jahres und nicht monatlich eingezahlt wird“, so Hager. „Generell lässt sich sagen, dass Bausparen derzeit nur für Vollsparer bis zu 1.200 Euro jährlich (bzw. knapp darunter) oder bei Einmalerlag von 7.200 Euro einigermaßen sinnvoll ist.“ Von der Sicherheit vergleichbare Anlagealternativen zum Bausparen sind gebundene Sparformen mit variabler Verzinsung. Hier werden die Zinssätze quartalsweise oder manchmal sofort angepasst und nicht wie beim Bausparen einmal jährlich.

Eine Anlagealternative wäre das auf fünf Jahre gebundene Sparkonto „easy bonus“ der easybank mit 2,75 Prozent variablen Zinsen (Rendite nach KESt rund 2%) bzw. das mit 2,5 Prozent variabel verzinste 5-Jahres-Sparbuch der Vakif-Bank (Rendite nach KESt: 1,9%). Bei beiden sind laufende Einzahlungen möglich.

1 Million Neuabschlüsse

Bausparen liegt trotz der bescheidenen Verzinsung in der Gunst der heimischen Sparer und Anleger hinter dem Sparbuchsparen an zweiter Stelle. Allein im Jahr 2010 wurden eine Million Neu-Verträge abgeschlossen – trotz der derzeit niedrigen Verzinsung. Demnach wollen knapp zwei Drittel der Österreicher mittels Sparbuch, 58 Prozent mittels Bausparvertrag und 40 Prozent mittels Lebensversicherung ihr Geld ansparen. Dies geht aus einer aktuellen Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts „Integral“ im Auftrag der Erste Bank hervor. Im Schnitt planen die Österreicher, 2011 5.460 Euro anzusparen (Abb.). „Geld zur Seite zu legen, in welcher Form auch immer, ist den Österreichern traditionell wichtig“, so Peter Bosek, Privat- und Firmenkundenvorstand der Erste Bank. Dabei sind Einmalbeträge aus Geldgeschenken, Abfertigungen oder Erbschaften genauso berücksichtigt wie das, was am Monatsende übrig bleibt. Rund ein Drittel der Befragten plant heuer größere Anschaffungen wie z.B. eine eigene Wohnung oder ein neues Auto. 15 Prozent davon wollen sich das mittels Kredit finanzieren und dafür durchschnittlich 70.200 Euro aufnehmen.

Um den Zustand der europäischen Gemeinschaftswährung macht sich die Mehrheit (2/3) der Österreicher keine Sorgen. Die Leitzinsen werden noch bis zum 4. Quartal niedrig bleiben, was für Kreditnehmer weiter positiv ist, am Sparbuch wird es allerdings bis dahin auch keine großen Sprünge nach oben geben. „Die niedrigen Zinsen sollten heuer noch die eine oder andere Investition beflügeln“, meint Bosek. Da die Zinsen in den nächsten Jahren sicher wieder steigen werden, sollte man sich das aktuell niedrige Niveau beispielsweise mit einer Fixzinsvereinbarung auf die nächsten Jahre unbedingt absichern. Den Sparern rät Bosek, „sich jetzt genau zu überlegen, wie man sich am besten für die Zeit steigender Renditen aufstellt. Alles nur am Sparbuch zu belassen, ist bei diesem Zinsniveau sicher nicht die ertragreichste Möglichkeit.“

Von Mag. Michael Strausz, Ärzte Woche 12 /2011

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