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Foto: Wiener Börse
Dr. Heinrich Schaller, Dr. Michael Buhl Börsevorstände
 
Praxis 16. März 2011

Privatisierungspotenzial

Die Wiener Börse erwartet 2011 bis zu fünf IPO´s (neue Börsenotierungen) und Kapitalerhöhungen.

Laut einer Studie des Economica Instituts für Wirtschaftsforschung besteht in Österreich für bis zu 15 Unternehmen ein hohes Privatisierungspotenzial.

 

Vor allem auf Bundesebene gibt es zahlreiche (Staats-)Unternehmen, die über die Börse privatisiert werden und zur Belebung des Kapitalmarkts beitragen könnten. Auf Länderebene im Energiebereich sind dies beispielsweise die BEWAG (Burgenländische Elektrizitätswirtschaft), Energie Oberösterreich, KELAG (Kärntner Energiewirtschaft), Salzburg AG, TIWAG (Tiroler Wasserkraft), Vorarlberger Illwerke und Wien Energie. Im Verkehrsbereich besteht Potenzial bei den Flughäfen Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz und Salzburg. Zusätzlich gelten auf Bundesebene die Münze Österreich und die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) als Privatisierungskanditaten.

Eine Teilprivatisierung dieser Unternehmen – mit einem verbleibenden Staatsanteil von 25 Prozent + 1 Aktie (Sperrminorität) – könnte dem heimischen Kapitalmarkt ein IPO-Volumen von 20 Milliarden Euro bringen. Weiters besteht Potenzial durch Secondary Public Offerings (SPO bzw. Kapitalerhöhungen) in Höhe von rund vier Milliarden Euro. „Wir schätzen das aktuelle Marktumfeld sehr positiv ein und rechnen mit bis zu fünf Börsegängen in diesem Jahr – davon ein bis zwei im 1. Halbjahr“, so die Börsevorstände Dr. Michael Buhl und Dr. Heinrich Schaller, die aber keine Namen nennen wollen. „Dennoch wünschen wir uns auch von der Politik positive Signale, wie etwa eine künftige aktive Privatisierungsstrategie“, meint Buhl. „Die Teil-Privatisierungen der letzten beiden Jahrzehnte (Anmerkung: voest alpine, OMV, Böhler-Uddeholm, EVN, Verbund, Telekom Austria..) waren sehr erfolgreich und haben den heimischen Kapitalmarkt für (internationale) Investoren und andere Emittenten attraktiver gemacht.“

Privatisierungen bringen nicht nur zusätzliches Kapital an die Börse und erhöhen damit die Liquidität, sondern bedeuten auch Vorteile für die gesamte Volkswirtschaft. Allen voran profitieren Unternehmen aufgrund einer größeren betriebswirtschaftlichen Effizienz und einer besseren internationalen Konkurrenzfähigkeit. Sie erhalten mehr Aufmerksamkeit bei Privatanlegern und institutionellen Investoren. Die Markterfolge spiegeln sich in der Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen und im steigenden Wirtschaftswachstum wider.

Keine Vollprivatisierungen

„In Österreich besteht ein erhebliches Privatisierungspotenzial mittels Börsegang. Erstens können privatisierungsfähige Firmen, die derzeit nicht an der Börse notieren, privatisiert werden, zweitens können die Beteiligungen der öffentlichen Hand an bereits teilprivatisierten, börsenotierten Unternehmen weiter reduziert werden“, so Schaller. Dabei fordere die Wiener Börse keine Vollprivatisierung, da man der Ansicht sei, dass der Staat bei den privatisierten Unternehmen als Kernaktionär erhalten bleiben sollte. Durch die Privatisierungen könnte der Staatshaushalt durch eine Zinsersparnis von bis zu einer Milliarde Euro im Jahr nachhaltig entlastet werden.

Ausverkauf von Staatseigentum?

Der Wert eines Unternehmens für die Volkswirtschaft richtet sich nach seiner Wertschöpfung, seiner Rolle als Nachfrager für Zulieferleistungen und als Arbeitgeber. Ein unternehmerisch gewinnorientierter Eigentümer spielt dabei eine maßgebliche Rolle. Eine professionell abgewickelte Privatisierung ist stets zum Wohl und Gewinn für den Staat als Verkäufer als auch für die neuen Eigentümer sowie die betroffenen Unternehmen. Die Erfahrungen zeigen, dass der Einstieg privater Investoren immer einen Schub an zusätzlichem Know-how und Technologie bringt. Ein Privater ist daran interessiert, die Effizienz des Unternehmens zu steigern, damit sich sein Investment rechnet. Ist ein Unternehmen erfolgreich, so hebt dies den Unternehmenswert. Es passiert also genau das Gegenteil eines „Ausverkaufs“. Maschinen und Grundstücke verbleiben im Land, neues Kapital strömt herein und neue Arbeitsplätze werden geschaffen, wodurch die Produktivität des Unternehmens steigt – die Volkswirtschaft wächst.

Von Mag. Michael Strausz, Ärzte Woche 11 /2011

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