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Foto: foto andi bruckner / www.andibruckner.com
Günther Artner Erste Bank-Aktienanalyst
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Alexander Adrian Schoellerbank-Portfolio-Manager

 
Praxis 8. März 2011

Im Visier der Dividendenjäger

Die „Dividendenkaiser“ sind auch für konservative Anleger interessant, denn die aktuellen Renditen sind oft höher als die Zinsen zehnjähriger Staatsanleihen.

Für Anleger mit Vorbehalten gegenüber Aktien, die aber dennoch hohe Renditen lukrieren wollen, sind Aktien von Versorgern, Telekomanbietern, aber auch Pharmafirmen eine Überlegung wert. Diese bringen wesentlich höhere Dividendenrenditen als normale Anleihen. Welche dieser Aktien empfehlenswert sind und was dabei steuerlich zu beachten ist, lesen Sie im folgenden Artikel.

 

„Im Umfeld von langsamerem Wirtschaftswachstum gewinnen Aktiendividenden für die Gesamtperformance an Bedeutung“, betont Erste-Bank-Aktienanalyst Günther Artner. Für 2011 rechnet der Experte mit einer durchschnittlichen Dividendenrendite von 3,2 Prozent für die ATX-Werte, für 2012 gehen gar von 3,7 Prozent. Die heimischen Top-Dividendentitel sind heuer die Post mit 6,7, gefolgt von Telekom Austria mit 6,68 und Flughafen Wien mit 5,64 Prozent. Im Vergleich dazu beträgt die Rendite der 10-jährigen österreichischen Staatsanleihe derzeit 3,61 Prozent – mit dem deutschen Pendant lassen sich gerade einmal 3,16 Prozent erzielen.

Dividenden-Strategien

In amerikanischen Finanzkreisen werden Aktien mit hoher Dividendenrendite als „dogs“ (Hunde) bezeichnet. Vor 20 Jahren publizierte der Vermögensverwalter Michael O`Higgins die „Dogs of Dow“-Strategie, nach der lediglich die Höhe der Dividendenrendite entscheidend sei. Dabei wird nicht die prognostizierte, sondern die aktuelle Dividendenrendite des Dow Jones-Index herangezogen. Diese Strategie lässt sich auch auf andere Börsenindizes übertragen. Dabei kauft der Anleger am ersten Börsetag eines Jahres aus dem jeweiligen Index jene zehn Aktien, welche die höchste Dividendenrendite aufweisen. Die gekauften Aktien werden ein Jahr lang gehalten und danach umgeschichtet. Jene Aktien, die nicht mehr zu den zehn Dividendenkaisern gehören, werden verkauft und durch die neuen Top-Titel ersetzt. Zum nächsten Stichtag wird erneut umgeschichtet. „Wer dieses Spiel auf die Spitze treiben möchte, wird an der sogenannten Low-Five-Strategie Gefallen finden. Hierbei wählt man aus den zehn Dividendentiteln jene fünf Aktien mit dem niedrigsten Schlusskurs am letzten Börsetag des Jahres“, erklärt Schoellerbank-Portfolio-Manager Alexander Adrian. Da sich das Risiko nun auf lediglich fünf Titel verteilt, ist diese „verschärfte“ Strategie nur für sehr spekulative Anleger geeignet.

Bei der „Dogs of the ATX“-Strategie werden zu Jahresbeginn die fünf ATX-Titel mit der höchsten Dividende erworben und ein Jahr im Depot behalten. Diese Strategie ist in den letzten fünf Jahren voll aufgegangen. Hätte man Anfang 2006 eine Summe von 5.000 Euro investiert und jedes Jahr am Stichtag umgeschichtet, wären am ersten Börsetag 2011 8.200 Euro im Depot gelegen, eine jährliche Rendite von 12 Prozent. Besonders im Krisenjahr 2007 hat sich diese Vorgehensweise bezahlt gemacht: Während der Gesamtmarkt um fast 60 Prozent einbrach, bilanzierten die fünf Dividendenkaiser mit einem Verlust von 29 Prozent.

Eine weitere Strategie für kurzfristig orientierte Anleger ist, Dividenden-Titel ein bis zwei Monate vor dem Ex-Tag (Tag, an dem man die Aktien halten muss, um Dividendenanspruch zu erwerben) zu kaufen und die Dividende zu kassieren, um die Aktien bald danach wieder abzustoßen. Wenn andere Anleger ebenfalls diese Taktik verfolgen, ist von steigenden Kursen vor dem Ausschüttungstermin auszugehen, allerdings besteht die Gefahr, dass die Aktie danach erheblich sinkt und zu einem Kurs verkauft werden muss, der unter dem Kaufpreis liegt.

Hochprozentige Branchen

Weltweit gelten Unternehmen aus den Bereichen Telekommunikation, Energieversorger und Pharmatitel als besonders großzügige Dividendenauszahler. So schießt der australische Mobilfunkspezialist Telstra mit einer zweistelligen Dividendenrendite von 14,3 Prozent (2010) und 10,04 Prozent für heuer den Vogel ab. In Frankreich liegt die France Telecom mit jeweils 8,52 Prozent im Spitzenfeld. Auch die Deutsche Telekom steht mit einer Dividendenrendite von fast acht Prozent dem französischen Mitbewerber um nichts nach. Die spanische Telefónica und die Telecom Italia kommen noch immerhin auf eine Rendite von sieben Prozent und liegen damit um 100 Prozent über der österreichischen Bundesanleihe. Unter den Pharmatiteln liegt GlaxoSmithKline mit 6,18 Prozent Rendite vor Ely Lilly mit 5,53 und Bristol-Myers Squibb mit 5,22 Prozent. Mehr als vier Prozent zahlen Merck (4,49%), Roche (4,23%), Pfizer (4,22%) und Novartis (4,1%).

Allerdings warnt Adrian davor, Aktien ausschließlich aus Dividendengesichtspunkten zu erwerben. Auch auf eine geringe Abhängigkeit von Wirtschaftszyklen, eine marktbeherrschende Position, ein ausgewähltes Produktsortiment, bewährtes Management, konsequente Expansionspolitik und nachhaltiges Gewinn- und Umsatzwachstum solle bei der Kaufentscheidung geachtet werden.

Vorsicht Steuer

Bei heimischen Aktien beträgt die Dividendenbesteuerung 25 Prozent. Ebenso viel verlangt der Fiskus für Papiere aus den USA, Brasilien und Großbritannien. Wesentlich höher sind die Steuern in Frankreich (35%), Deutschland und Italien (37%), Schweden (40%) und der Schweiz (45%). Die Differenz können sich die Anleger über das Finanzamt aber wieder zurückholen. An der Spitze liegt Japan mit 79 Prozent Steuer, was ein Investment aus Dividendengesichtspunkten völlig sinnlos macht. Bei vielen Schwellenländern, die eine hohe Besteuerung aufweisen, kommen die Anleger um einen guten Steuerberater nicht herum, um die Steuerbelastung zu senken.

Berechnung der Dividenden-Rendite
Die Berechnung erfolgt nach der Formel: Dividendenrendite = Dividende : Aktienkurs.
Ein Beispiel: Ein Unternehmen mit einem Aktienkurs von 55 Euro zahlt drei Euro Dividenden. Daraus errechnet sich eine Rendite von 5,45 Prozent. Die veröffentlichte Dividendenrendite bezieht sich auf die zuletzt an die Aktionäre ausbezahlte Dividende und den aktuellen Kurs. Die persönliche Rendite kann für den Investor höher sein, wenn er die Aktie billiger als zum aktuellen Kurs gekauft hat. Beträgt der Kaufpreis im obigen Fall nur 40 Euro, erhöht sich die Rendite auf 7,5 Prozent.
Die Höhe der Dividende wird vom Vorstand vorgeschlagen und von der Hauptversammlung mit einfacher Mehrheit beschlossen. Die Dividendenzahlung erfolgt meist am Tag nach der Hauptversammlung.

Von Mag. Michael Strausz, Ärzte Woche 10 /2011

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