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Kosten runter, Transparenz rauf – Grundvoraussetzung, wenn Fondspolizzen zur Altersvorsorge taugen sollen.

 
Praxis 23. Februar 2011

Kosten fressen Erträge

In heimische Fondsversicherungen sind mehr als drei Milliarden Euro veranlagt. Die Anbieter verdienen damit gutes Geld, den Anlegern bleiben magere Renditen.

Ein wichtiges Verkaufsargument für Fondspolizzen ist, dass sie einen höheren Ertrag ermöglichen, als bei der Veranlagung einer Lebensversicherung erwirtschaftet werden kann. Durch die neue Wertpapiersteuer und die Entwicklungen in der klassischen Lebensversicherung (Stichwort: Solvency II) wird ihre Beliebtheit voraussichtlich weiter steigen.

 

Zuletzt haben sich Fondspolizzen nicht immer so entwickelt wie erhofft. Ein Beispiel gefällig? Ein Konsument zahlte im Jahr 2000 umgerechnet 36.300 Euro ein und bekam nach zehn Jahren nicht einmal die Hälfte (18.100 Euro) heraus. „Grund dafür ist aber weniger die vielzitierte Finanzkrise. Vielmehr sind es hohe Kosten, die an den Erträgen nagen“, analysiert Walter Hager, Versicherungsexperte beim Verein für Konsumenteninformation (VKI). „Bei Fondspolizzen fallen nicht nur hohe Versicherungskosten an, womit lediglich rund 85 Prozent der eingezahlten Prämie tatsächlich veranlagt werden. Darüber hinaus mindern auch zusätzliche, oft nicht kommunizierte Fondskosten die Rendite.“ Einen weiteren Grund für magere Erträge ortet Hager bei der Fondsauswahl: „Wir haben den Eindruck gewonnen, dass Versicherer vorrangig Fonds aus dem Dunstkreis des eigenen Hauses anbieten, die hinsichtlich Rendite womöglich nicht immer erste Wahl sind.“

Grundsätzlich sei das Konzept der fondsgebundenen Lebensversicherung sinnvoll. „Bei den derzeit angebotenen Produkten gibt es allerdings noch erhebliches Verbesserungspotenzial“, resümiert VKI-Geschäftsführer Franz Floss. „Kosten runter – Transparenz rauf: Das wäre eine Grundvoraussetzung, wenn Fondspolizzen jemals als Instrument zur Altersvorsorge taugen sollen. Darunter verstehen wir Transparenz im Sinne von Klarheit hinsichtlich Kosten, Risiko und Informationen während der Laufzeit. Nur wenn die Kosten offengelegt werden, führt dies zu echtem Wettbewerb und womöglich sinkenden Kosten für Konsumenten.“

20 Prozent Kostensenkungspotenzial

Laut Branchenexperten könnten die Kosten für fondsgebundene Lebensversicherungen auf nur ein Fünftel des aktuellen Niveaus gesenkt werden. Ein Teil der Kosten entfällt auf Versicherungskosten: Dazu zählen Abschlusskosten, Vertriebskosten, Verwaltungskosten und die Versicherungssteuer. „Eine Verteilung der Versicherungskosten auf die Gesamtlaufzeit (ungezillmerter Vertrag) würde zu höheren Ablaufleistungen führen. Das hätte zur Folge, dass der Anreiz für den Vertrieb wegfällt, immer wieder Verträge zu kündigen und neu abzuschließen“, so Hager. Weiteres Verbesserungspotenzial stecke im Bereich der Kick-back-Zahlungen. Das sind Provisionen, die Versicherer von Fondsgesellschaften dafür erhalten, dass sie bestimmte Fonds im Portfolio haben. „Würden diese dem Fondsvermögen zugerechnet, hätte das auch eine höhere Rendite zur Folge. Nur wenige Anbieter, wie Allianz oder die Österreichische Beamtenversicherung, handhaben das seit Kurzem so“, so Hager.

Mangelnde Transparenz

Noch höher als die Versicherungskosten sind die fondsinternen Kosten. Darunter fallen Managementgebühren und laufende Kosten im Fonds, wie etwa Transaktionskosten bei Käufen und Verkäufen sowie Veranlagungskosten. Diese werden nicht den Prämienzahlungen, sondern direkt dem Fondsvermögen entnommen – und das mindert den Ertrag. Die Fondskosten kommen in den Modellrechnungen der Anbieter in der Regel aber nicht vor. „Solange die Fondskosten verschwiegen werden, sind die Produkte für Konsumenten nicht vergleichbar“, kritisiert Hager. Hier könne nur ein einheitlicher Berechnungsmodus Abhilfe schaffen. Auch die Informationen während der Laufzeit – die sogenannten Wertstandsmitteilungen – müssten noch wesentlich klarer, verständlicher und umfangreicher werden. Derzeit geben Versicherer nur den aktuellen Wert der Veranlagung an. Das bisher eingezahlte Kapital bleibt ausgeblendet. „Damit Konsumenten abschätzen können, wie der aktuelle Wert in Relation zu bisherigen Einzahlungen steht, müssen sie derzeit selbst mühsam den Überblick behalten“, betont Hager.

Verluste vermeiden – aber wie?

Wenn der Ertrag bei Vertragsablauf unter den Erwartungen liegt, haben Konsumenten zwei Möglichkeiten, Verluste auszusitzen: Einerseits ist es möglich, den Fonds auf ein normales Wertpapierdepot einer Bank zu übertragen. Hier gibt es bei den Übertragungskosten große Unterschiede: Während etwa Donau, Skandia, s-Versicherung oder Zürich nichts verlangen, fallen bei BAWAG PSK-Versicherung und Generali bis zu 140 Euro an.

Außerdem kann man eine Verlängerung der Vertragslaufzeit vereinbaren. Ob es im speziellen Fall sinnvoll ist, weiterhin Prämien zu zahlen, hängt davon ab, wie sich das Produkt bisher entwickelt hat. Bei Zahlung weiterer Prämien fallen zudem erneut Abschlusskosten und Versicherungssteuer an. Im Falle einer Verlängerung gilt: Gute Produkte sind flexibel und erlauben in der Verlängerungsphase jederzeit einen Ausstieg.

Voraussetzung für beide Optionen ist, dass kein unmittelbarer Kapitalbedarf besteht und davon ausgegangen werden kann, dass sich die Kapitalmärkte weiterhin erholen. Überdies ist es notwendig, die Versicherung oder den Berater mindestens drei Monate vor Ablauf des Vertrages hinsichtlich einer möglichen Verlängerung zu kontaktieren.

Von Mag. Michael Strausz, Ärzte Woche 8 /2011

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