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Foto: Privat
 
Praxis 8. Februar 2011

Der neue SVA-Vertrag und die Folgen

Herzstück der Vereinbarung zwischen Ärztekammer und Gewerbetreibenden ist das Patienten-Vorsorgemodell, das 2012 mit dem neuen Gesamtvertrag in Kraft treten soll.

Am 10. Juni 2010 einigten sich die Vertreter der Ärztekammer und der Sozialversicherung der Gewerbetreibenden (SVA) auf einen neuen Vertrag und beendeten damit den mehrere Tage andauernden vertragsfreien Zustand. Der Durchbruch in dem fast einjährigen Verhandlungspoker gelang nach sieben Stunden Verhandlung bei einem Wiener Heurigen. Der neue Honorarvertrag trat rückwirkend mit 1. Juni 2010 in Kraft. Die Tariferhöhung beträgt rund 4 Prozent, ausgenommen sind nur die Bereiche Großlabor und Radiologie-Unkosten, wobei im Laborbereich eine Absenkung um 22 Prozent erfolgte. In den Gesamtvertrag werden Gruppenpraxen ebenso wie die e-card-Regelung aufgenommen. Außerdem soll die Tarifabrechnung ab 2011 monatlich statt pro Quartal vorgenommen werden. Maßnahmen der Prävention sollen verstärkt ausgebaut werden.

Die Änderungen ab 2012

Das Herzstück des neuen Vertrages ist jedoch das Patienten-Vorsorgemodell. Dieses soll 2012 mit dem neuen Gesamtvertrag in Kraft treten. Damit soll der Hausarzt zum Gesundheitscoach des Selbständigen werden. Beim Hausarzt laufen alle Fäden zusammen. Er ist erster Ansprechpartner seiner Patienten, er berät und koordiniert. Der Arzt schlägt dem Versicherten Vorsorgemaßnahmen vor und legt gemeinsam mit ihm Gesundheitsziele fest.

Um die Motivation auf Seiten des Versicherten zu steigern, wird es ein Belohnungssystem geben. Bei Erreichung eines der vereinbarten Gesundheitsziele wird dem Versicherten die Hälfte seines 20-prozentigen Selbstbehalts erlassen. Ein großflächig angelegter Pilotversuch startet noch heuer.

Für chronisch Kranke soll der Vertrauensarzt als Lotse fungieren und den Patienten durch das Versicherungsangebot führen. Der Versicherte meldet sich dazu beim Arzt seines Vertrauens an. Der Vertrauensarzt kann ein praktischer Arzt oder ein Facharzt sein. Der Arzt navigiert danach seinen Patienten durch das System, um so unnütze Doppeluntersuchungen zu vermeiden. Zusätzlich soll der Arzt ein Disease-Management-Programm (DMP – systematisches Behandlungprogramm für chronisch Kranke) umsetzen. Für alle Selbständigen sollen zudem mit der Einführung eines speziellen Terminsystems die Wartezeiten entfallen.

Das Honorar ab 2013

All diese Neuerungen werden auch Einfluss auf die Honorierung der Ärzte haben. Diese soll sich ab 2013 am Vorarlberger Modell orientieren. Im Klartext heißt das, die Referenzbudgets werden jährlich den durchschnittlichen Tariferhöhungen der Krankenversicherungsträger angepasst werden. Genau hier liegt für einige der Haken, denn wenn sich die Behandlungsqualität in der Entlohnung widerspiegeln soll, könnte das zu einem finanziellen Risiko für den behandelnden Arzt werden, wenn sich etwa bei einem chronisch Kranken trotz Behandlung keine Besserungen einstellen. Auch dass Versicherungsleistungen abhängig vom Lebensstil gemacht werden, betrachten einige als Schritt weg vom solidarisch geführten Gesundheitssystem.

Umsetzung des Hausarztmodells

Das Hausarztmodell ist nichts Neues, sondern steht schon seit Jahren in den Regierungsvorlagen.

Bereits im Vorfeld hat die SVA Modelle in der Schweiz, Großbritannien, Skandinavien und Deutschland untersucht. Das Ergebnis: Das Hausarztmodell ist besonders bei chronisch Kranken erfolgreich. Eine Umfrage des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger ergab zudem, dass sich die Hälfte der Befragten eine gemeinsame Entscheidungsfindung mit dem Arzt wünscht.

Zur Person
Mag. Hermann Hansmann









Der Autor des Beitrages ist als Jurist bei der Wiener Kanzlei PHH Prochaska Heine Havranek Rechtsanwälte OG hauptsächlich im öffentlichen Recht sowie im Umwelt- und Anlagenrecht tätig. Ebenso zählt Life Sciences (insbesondere Apotheken- und Gesundheitsrecht) zu seinen Spezialgebieten. Die Mitautorin, Mag. Jelena Iljic, ist juristische Mitarbeiterin bei PHH.

PHH Rechtsanwälte OG Julius-Raab-Platz 4 / Eingang Franz-Josefs-Kai 1, 1010 Wien Tel.: +43 1 714 24 40 Email: Web: www.phh.at

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