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Foto: Privat
Prof. Dr. Markus Lehner Dekan der Fakultät für Gesundheit und Soziales Linz
 
Praxis 25. Jänner 2011

Angst vor e-Health?

Seriöse Information zum Zukunftsthema e-Health.

Die nun monatlich erscheinende Kolumne „e-Health aktuell“ will über aktuelle Entwicklungen und Projekte in diesem Gesundheitsbereich informieren.

 

In vielen Lebensbereichen hat die Unterstützung durch elektronische Informationssysteme Einzug gehalten. Es ist inzwischen selbstverständlich, tägliche Bankgeschäfte über e-Banking zu erledigen, für den Behördenverkehr e-Government-Anwendungen zu nutzen und Geschenke bequem über e-Business-Anbieter zu kaufen.

Das Thema e-Health stößt jedoch nach wie vor auf viele Vorbehalte, gerade bei beruflich im Gesundheitswesen Tätigen. In der österreichischen Ärzteschaft mag dies in den ambivalenten Erfahrungen mit der Einführung der e-Card und der kontroversen Debatte über die Elektronische Gesundheitsakte ELGA begründet sein.

Was ist e-Health?

Der Terminus e-Health reicht allerdings viel weiter. Es geht „nicht nur um eine technische Entwicklung, sondern auch um ein Bewusstsein, eine Denkweise, eine Haltung und eine Verpflichtung für ein vernetztes und globales Denken, das die Gesundheitsversorgung mithilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien lokal, regional und weltweit verbessern will“, so Gunther Eysenbach, Herausgeber des Journal of Medical Internet Research in einer seit 2001 geläufigen Definition. e-Health-Anwendungen zielen auf die Bereitstellung von Informationen, auf den Austausch von Informationen zwischen Gesundheitsdiensten mit dem Ziel einer besseren Qualität der Versorgung, schließlich auch auf die Integration der patientenbezogenen Gesundheitsdaten.

Die FH OÖ ist mit über 4.700 Studierenden und 50 Bachelor- und Masterstudiengängen die größte in Österreich und setzt auch in der Angewandten Forschung Akzente. An der FH OÖ forschen und entwickeln rund 300 ProfessorInnen und wissenschaftliche MitarbeiterInnen. Derzeit werden 200 Forschungsprojekte in 13 Themenschwerpunkten abgewickelt – praxisorientiert in Kooperation mit Unternehmen und Institutionen aus Wirtschaft und Gesellschaft. Dabei spielt auch das Zukunftsthema e-Health eine wichtige Rolle.

Erfahrungen in Projekten zeigen, dass gerade in dieser Thematik ein interdisziplinärer Ansatz notwendig ist. Technische Innovationen können nur in Verbindung mit sozialwissenschaftlicher und wirtschaftswissenschaftlicher Forschung nutzbringend umgesetzt werden: Sozialwissenschaftliche, um den Bedarf der Beteiligten im Versorgungssystem zu erkennen und die Nutzerfreundlichkeit der Technik zu gewährleisten, Wirtschaftswissenschaftliche, um brauchbare Geschäftsmodelle zu entwickeln sowie hohe Versorgungsqualität bei möglichst geringem Ressourcenverbrauch sicherstellen zu können.

Die Kolumne e-Health aktuell

Auf diesem Hintergrund wurde das Konzept für die Kolumne „e-Health aktuell“ entwickelt. Sie wird monatlich über technische Entwicklungen, aktuelle Projekte auf nationaler und internationaler Ebene sowie zu Fragen der Datensicherheit und des Datenschutzes informieren. Die Redaktion besteht aus einem interdisziplinären Team von Professoren der FH OÖ unter meiner Leitung: Prof. (FH) Mag. Dr. Josef Altmann und Prof. (FH) DI Dr. Herwig Mayr, beide Professur für Medizininformatik an der Fakultät für Informatik, Kommunikation und Medien Hagenberg, Dr. med. Gerhard Halmerbauer, Leiter des Studiengangs Prozessmanagement Gesundheit und Vizedekan für Lehre und Internationales an der Fakultät für Management Steyr sowie Dr. Johannes Kriegel MBA MPH, Professur für Gesundheitsmanagement an der Fakultät für Gesundheit und Soziales Linz. Weiteres werden Experten aus dem In- und Ausland zu aktuellen Themen eingeladen.

Der Fokus der Beiträge wird auf dem Nutzen für das Gesundheitswesen allgemein, insbesondere aber für Ärzte und Patienten liegen. Die Inhalte werden unabhängig von Interessen der öffentlichen Gesundheitspolitik, von berufsständischen Interessen und geschäftlichen Interessen gestaltet.

Die Herausforderung

In einer aktuell vom OÖ Gesundheitsfonds beauftragten Expertenbefragung zur Akzeptanz von e-Health unter niedergelassenen Ärzten formulierte einer der Befragten die Situation folgendermaßen: „Für die Kolleginnen und Kollegen, glaube ich, ist die Information nicht gut. Zum einen, weil viele Details sehr fachlich sind, wenn es z. B. um Schnittstellen geht, um IHE Standards oder dergleichen mit vielen nicht verständliche Abkürzungen, und zum anderen, weil niedergelassene Ärzte in der Vergangenheit keine gute Erfahrung mit e-Health gemacht haben. Meistens waren die Kosten und der zusätzliche Aufwand hoch und die versprochene Zeitersparnis nicht in dem Ausmaß gegeben.“

Die Kolumne „e-Health aktuell“ will diesem Informationsdefizit begegnen und eine realistische Diskussion über die Entwicklungen in dieser Zukunftsthematik anstoßen, bei der Chancen und Grenzen der Informationstechnologien im Gesundheitsbereich zur Sprache kommen sollen. Bei jedem Beitrag wird auch die Email-Adresse der Autoren für Fragen und Kommentare angegeben. Es geht um eine offene Diskussion über eine Zukunftsfrage des Gesundheitssystems, deren Beantwortung letztlich uns allen zu Gute kommen soll.

 

Von Prof. Dr. Markus Lehner , Ärzte Woche 4 /2011

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