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Foto: Privat
Mag. (FH) Julia Horvath Leitung QS-Koordination, ÖQM® & CIRS, ÖQMed-Österreichische Ges. für Qualitätssicherung & Qualitätsmanagement in der Medizin GmbH
 
Praxis 25. Jänner 2011

Sicher im Krankenhaus

CIRSmedical.at zur Unterstützung von effektivem Risikomanagement. Mag. Julia Horvath

Der praktikable Umgang mit neuen Risikomanagement-Systemen ist Thema der Jahrestagung des Primarärzteverbandes. Mag. (FH) Julia Horvath wird über das Critical Incident Reporting System (CIRSmedical.at) zur Unterstützung von effektivem Risikomanagement im Krankenhaus referieren – hier die wichtigsten Punkte.

 

CIRSmedical.at ist ein nationales Fehlerberichts- und Lernsystem, in welches überregional interessante risikogeneigte Ereignisse anonym berichtet werden können. Eingehende Berichte werden gegebenenfalls anonymisiert und danach zur Einschätzung des Lernpotenzials bzw. zur Erstellung von Lösungsvorschlägen an ausgewiesene Experten im Bereich des Risikomanagements weitergeleitet. Nach Prozesskontrolle durch das Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen (BIQG) werden die Berichte auf www.cirsmedical.at veröffentlicht und können als Grundlage für einen nachhaltigen ständigen Verbesserungsprozess herangezogen werden. CIRSmedical ist somit ein Instrument des Risikomanagements, welches die Entstehung einer besseren Sicherheitskultur, in welcher Fehler akzeptiert und als Wegweiser für Verbesserungspotenziale begriffen werden, fördert. In einer solchen Sicherheitskultur kann über Risiken angstfrei gesprochen werden, da es kein Fehlergedächtnis gibt und es zu keinen Schuldzuweisungen kommt.

Persönlicher Erkenntnisgewinn

CIRSmedical.at wird von der ÖQMed im Auftrag der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) operativ betrieben und vom BIQG im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) evaluiert. Am 6. November 2009 in Betrieb genommen, beinhaltet es bereits über 100 veröffentlichte Berichte und eine Fülle an Expertenstellungnahmen und Leserkommentaren.

Die benutzerfreundliche Handhabung des Systems und das zeitnahe Feedback durch Expertenstellungnahmen in Form von ergänzenden Lösungsvorschlägen ermöglichen die optimale Nutzung der Lernplattform.

Zur Förderung des persönlichen Erkenntnisgewinns wird es zukünftig möglich sein, nach dem Lesen von Berichten über ein E-Learning-Tool fallspezifische Fragen zu beantworten, welche mit der Vergabe von Fortbildungspunkten versehen sind.

Ziele von CIRSmedical.at

Wichtige Ziele von CIRSmedical.at sind z. B. die Enttabuisierung von Fehlern, da sie durch das anonyme Berichten indirekt öffentlich und damit ansprechbar gemacht werden, die Kompetenzentwicklung im Umgang mit Fehlern und der organisationsübergreifende Erfahrungsaustausch.

Das bloße Vorhandensein von CIRS-Systemen bringt keine Erhöhung der Patientensicherheit mit sich, jedoch kann das Bearbeiten von Berichten in Fortbildungsveranstaltungen oder Qualitätszirkeln sowie die Nutzung der Lerninhalte für Struktur- und Prozessoptimierungen (Risikoprävention) zum organisationalen Lernen im Sinne einer kontinuierlichen Verbesserung beitragen.

Nach über einem Jahr Betrieb von CIRSmedical.at konnten etwa 80 Prozent der eingegangenen Berichte verwendet werden und lediglich 20 Prozent wurden gelöscht (wenn dieser nicht vollständig, nicht relevant oder nicht qualifiziert und somit kein Lerneffekt gegeben ist).

Die Zahl der veröffentlichten Berichte hat unsere Erwartungen, welche sich aus Hochrechnungen im internationalen Vergleich ergaben, übertroffen. Trotzdem wünschen wir uns noch weitaus mehr Berichte aus allen Bereichen des Gesundheitswesens.

Seit Inbetriebnahme des Systems wurden 113 Berichte gemäß unserem Regelwerk veröffentlicht. Dieses wurde von einer strukturgebenden Gruppe, in welcher z. B. Vertreter der Patienteninteressen, der ÖÄK, des BIQG und des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbands vertreten waren, erstellt. Im Vergleich dazu wurden im deutschen System CIRSmedical.de seit dem Jahr 2005 394 Berichte zum Lesen und Lernen freigegeben.

Die hohe aktive Nutzung des Systems zeigen auch die 32.446 Zugriffe auf die Homepage und die 58 Leserkommentare, welche zu veröffentlichten Berichten abgegeben wurden. Eine redaktionelle Anonymisierung durch eine in dieser Tätigkeit weisungsfreie Mitarbeiterin musste lediglich in etwa 12 Prozent der eingegangen Fälle durchgeführt werden.

Da in den meisten Fehlerberichts- und Lernsystemen mehr Angehörige der Pflegeberufe als Ärzte berichten, hat die Teilnahmebereitschaft der Ärzte an CIRSmedical.at (66 Prozent der Berichte!) einen besonderen Stellenwert für uns.

Fazit

CIRSmedical.at stellt eine Ergänzung zu internen Fehlerberichts- und Lernsystemen von Einrichtungen des Gesundheitswesens dar, es fördert den organisationsübergreifenden Erfahrungs- und Wissensaustausch und trägt zur Erhöhung der Sicherheitskultur bei. Die Lernplattform lebt durch Ihre wertvollen Beiträge – darum machen Sie’s sicher auf www.cirsmedical.at.

Info-Kasten
Risikomanagement im Krankenhaus – Jahrestagung des Verbands der Ärztlichen Direktoren & Primarärzte Österreichs

29. Jänner 2011, 8:30 – 16:00 Uhr
Schloss Mauerbach, Herzog Friedrich-Platz 1, 3001 Mauerbach
Für den Besuch werden 6 DFP-Punkte für „Freie Fortbildung“ vergeben.

Nähere Infos:
www.leitendekrankenhausaerzte.at Anmeldung vor Ort

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