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Foto: VKI
 
Praxis 18. Jänner 2011

Nepp beim Goldverkauf

Bei einem Goldverkaufstest des Vereins für Konsumenteninformation lagen zwischen dem besten und schlechtesten Angebot 1.174 Euro.

„Bestpreis für Altgold“, „Bargeld für Schmuck“ – kaum ein Haushalt blieb in letzter Zeit von derartigen Werbebotschaften verschont. Die dahinter stehende Botschaft: Beim derzeitigen Goldpreis könne man Schmuck und Münzen gewinnbringend verkaufen. Der Verein für Konsumenteninformation hat bei 16 Ankaufsstellen (Juweliere, Scheideanstalten, Altwarenhändler, Bruchgoldankäufer, Münzhändler und „fliegende Händler“) im Großraum Wien erhoben, was sich Konsumenten beim Verkauf von Goldmünzen, Gold sowie Schmuck erwarten dürfen.

 

Die beiden Tester vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) boten insgesamt zwölf Schmuckstücke mit unterschiedlichem Feingehalt, eine 1/10 Unze Australian Nugget mit 999,9 Goldfeingehalt und eine österreichische 500-Schilling-Münze Rudolf II (8,11 Gramm, 986 Feingehalt) zum Verkauf an. Deren Gesamtwert betrug im Zeitraum der Erhebung (2. September bis 2. Oktober 2010), ermittelt nach den Ankaufspreisen im ORF-Teletext und auf der Homepage der Münze Österreich, rund 1.900 Euro. Das Ergebnis fiel teilweise wenig glänzend aus. Die Höfinger KG Gold-Silber-Recycling-Company stellte rund 1.930 Euro in Aussicht. Eine ebenfalls „sehr gute Performance“ lieferte der Juwelier Bagani. Das geringste Offert legte mit 748 Euro die Helvetia-International Susanne Forstinger GesmbH, gefolgt vom „fliegenden Händler“ Bürstlein mit 875 Euro – eine Differenz von mehr als 1.000  Euro zum Bestbieter.

Grund für die stark schwankenden Ankaufspreise war u.a. „Unachtsamkeit“ beim Abwiegen der Wertsachen. So unterschieden einige Ankäufer nicht zwischen 14 und 18 Karat oder irrten sich beim Gewicht des Schmucks zu Ungunsten des Kunden. Bei drei Viertel der Betriebe wurde zudem die Gewichtskontrolle erschwert, da das Display der Waage nicht einsehbar war. „Wer dem erstbesten Anbieter blindlings vertraut und nicht mehrere Angebote einholt, verschenkt unter Umständen eine schöne Stange Geld“, warnt VKI-Geschäftsführer Ing. Franz Floss vor einem vorschnellen Verkauf. Besonders bei den Online-Anbietern sei es im Nachhinein schwierig, gegen einen möglichen Betrug vorzugehen, weil der Kunde nach dem Verkauf nichts mehr in der Hand habe. Außerdem zeige der Test, dass ein garantierter hoher Goldkurs nicht automatisch einen hohen Verkaufspreis bedeutet.

Gravierende fachliche Mängel

Neben dem Ankaufspreis wurde erhoben, ob die Begutachtung von Schmuck und Münzen gesondert erfolgt und der Ankäufer nach Feingehalt unterscheidet. Diese Trennung ist für eine korrekte Berechnung des Bruchgoldwertes Voraussetzung. Beim Münzhändler „Schatzkisterl“ kamen Schmuck und Münzen gemeinsam auf die Waage, auch der fliegende Händler „Bürstlein“ nahm die Trennung nicht so genau. Zwar stellt Bürstlein auf der Postwurfsendung für Feingold bis zu 32 Euro in Aussicht, für die australische Feingoldmünze mit einem maximalen Feingehalt von 999,9 erhielten die Tester dennoch nur enttäuschende 24 Euro pro Gramm. Bei drei Viertel der getesteten Firmen war die Gewichtsanzeige nicht einsehbar. Beim Juwelier Helvetia International arbeitete die Begutachterin gar mit dem Rücken zum Kunden, wodurch eine Kontrolle völlig unmöglich war. Ein weiterer fliegender Händler „S. Hoffmann und Reinhardt“ irrte sich nicht nur zum eigenen Vorteil beim Abwiegen, sondern die Münzen wurden fälschlicherweise zum 18-karätigen Bruchgold dazugerechnet, was den Ankaufswert weiter reduzierte.

Die Testergebnisse

Betriebe, die weniger als zwei Drittel (1.270 Euro) des Tageskurses von rund 1.900 Euro anboten, wurden mit einem „nicht zufriedenstellend“ bewertet. Dies war bei den Anbietern Bürstlein, Helvetia International Susanne Forstinger GesmbH, Schatzkisterl Robert Königshofer und S. Hoffmann & Reinhardt der Fall. Bestbieter waren die Höfinger KG und Bagani. Preislich lag auch die drittgereihte Ögussa im Spitzenfeld, allerdings wurde ein 18-karätiges Schmuckstück dem 14-karätigen Stück zugeordnet und folglich falsch berechnet. Als bester „fliegender Händler“ erwies sich im Übrigen „Aurifer Edelmetallrecycling GmbH Gold Party“, der auf der Messe „La Donna“ mit der besten Abwicklung punkten konnte. Gesamt wurden zwei „sehr Gut“, acht „gut“, zwei „durchschnittlich“ und vier „nicht zufriedenstellend“ vergeben.

Experten-Tipps für den Goldverkauf
• Selbst begutachten: Vorab den Wert von Schmuck und Münzen errechnen; z.B. bei Schmuckstücken mittels Punze und aktuellem Tageskurs auf der Ögussa-Homepage.
• Mehrere Firmen aufsuchen: Wertgegenstände nicht dem erstbesten Anbieter überlassen. Mehrere Angebote einholen.
Fliegende Händler: Betriebe, die ohne festen Firmensitz und lediglich mit einer Telefonnummer auf einer Postwurfsendung auftreten, besser meiden.
• Schriftliche Bestätigung des Verkaufs: Den Kauf vom Ankäufer schriftlich bestätigen lassen. Darin sollten Adresse des Käufers, Benennung und Auflistung der Schmuckstücke und Münzen, deren Gewicht und der ausbezahlte Preis enthalten sein.
• Anfechtung: Ein Ankaufsangebot sollte den errechneten Wert um höchstens fünf Prozent unterschreiten. Erhält man weniger als die Hälfte des Marktpreises, besteht grundsätzlich die Möglichkeit einer Anfechtung. Allerdings kann die Rückabwicklung eines abgeschlossenen Goldverkaufs schwierig sein, da sich nicht immer beweisen lässt, wie schwer das Schmuckstück war und wie viel Feingehalt bzw. Karat es hatte.

Von Mag. Michael Strausz, Ärzte Woche 3 /2011

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