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Foto: Vinzenz Gruppe
Dr. Michael Heinisch Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe Krankenhausbeteiligungs- und Management GmbH
 
Praxis 11. Jänner 2011

Schlechte Qualität kostet

Podiumsdiskussion: „Kostendruck versus Patientenorientierung“.

Die Qualität der österreichischen Gesundheitsleistungen müsse endlich transparent, messbar und damit vergleichbar gemacht werden, forderten Experten bei einer Veranstaltung der Vinzenz Gruppe Anfang Dezember in Wien.

 

„Wir müssen Qualität messbar machen, um die hohen Ausgaben für das Gesundheitswesen zu legitimieren und sinnvoll zu steuern“, erklärte Mag.a Sonja Wehsely, Stadträtin für Gesundheit und Soziales in Wien, bei der Podiumsdiskussion „Kostendruck versus Patientenorientierung – wo bleibt die Qualität?“, zu der die Vinzenz Gruppe Anfang Dezember in den Wiener Ringturm geladen hatte.

Neben Wehsely waren Dr. Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit der Wirtschaftskammer Österreich und stv. Obmann der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft, Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte Österreichs, Dr. Helene Karmasin, Motivforscherin, und Dr. Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe Krankenhausbeteiligungs- und Management GmbH, gekommen. Sie waren sich darin einig: Wesentlich für die Qualitätsmessung sind einheitliche Richtlinien, auf die sich alle Partner im Gesundheitswesen verständigen müssten. Diese Transparenz zählt neben einem einfachen Zugang zum Gesundheitssystem und der Begegnung zwischen Arzt und Patienten auf gleicher Augenhöhe zu den wesentlichen vertrauensbildenden Maßnahmen. Es ist sehr wohl möglich, Qualität mit Effizienz zu verbinden, etwa durch Kooperationen zwischen kleinen und großen Kliniken oder die Bildung abteilungsübergreifender medizinischer Zentren. Schlechte Qualität kostet jedenfalls ein Vermögen. Wettbewerb im Gesundheitswesen soll gefördert werden, allerdings nicht als freies Spiel der Kräfte, sondern unter ganz klaren Rahmenbedingungen.

Ein klares Bekenntnis zur Vergleichbarkeit von Gesundheitsleistungen legte Wehsely ab: „Wir sollten uns gemeinsam darüber verständigen, dass wir Qualität messbar machen, denn wir brauchen einen Vergleich nicht zu scheuen. Die Patienten müssen wissen, was mit dem Geld geschieht, das in unser Gesundheitssystem fließt.“ Sie betonte zudem, dass Qualität im Gesundheitswesen die Kosten senke. Daher sprach sie sich dafür aus, die Qualitätsmessung durch die Entwicklung einheitlicher Parameter mitzugestalten und sie nicht anderen zu überlassen.

Informationen über die Qualität

Ein Plädoyer für die Qualität als zentralen Faktor im Gesundheitswesen kam von Bachinger: „Studien bestätigen, dass Patienten mehr Informationen über die Qualität der Leistungen und mehr Mitentscheidungsmöglichkeiten wollen. Wir aber haben keine Qualitätstransparenz, daher kann man die Frage nach dem bestgeeigneten Krankenhaus für jemanden nicht beantworten.“

Infarkt abzuwenden

„Wenn man auf Qualitätssicherung im Gesundheitsbereich verzichtet, droht irgendwann der Infarkt“, warnte Heinisch. Die einzige Therapie, um diesen abzuwenden: „Qualität regelmäßig messen, Ergebnisse veröffentlichen und entschlossen handeln.“ Neben dem offenen Umgang mit Qualitätszahlen und der zwischenmenschlichen Begegnung ortet Heinisch auch in der externen Prozessprüfung in Krankenhäusern vertrauensbildendes Potenzial: „Der Patient wird sich zunehmend darauf verlassen, dass jemand stellvertretend für ihn eine Prüfung durchführt, etwa im Rahmen von Qualitätszertifizierungen von Spitälern. Um solche Zertifizierungen werden wir im Gesundheitssystem nicht herumkommen.“

Ähnlich wie Bachinger sieht auch Heinisch keinerlei Widerspruch zwischen Qualität und Kostenbewusstsein. Qualität lasse sich gut mit Effizienz verbinden – vorausgesetzt, die Mittel würden richtig eingesetzt. Als Beispiele nannte Heinisch Kooperationen zwischen kleinen, spezialisierten und großen Krankenhäusern, wie etwa die Zusammenarbeit des Herz-Jesu-Krankenhauses mit dem AKH Wien bei der Refluxchirurgie, des St. Josef Krankenhauses mit dem KH Hietzing im Bereich Strahlentherapie und Nuklearmedizin oder des KH Göttlicher Heiland mit dem Wilhelminenspital sowie die Bildung von medizinischen Zentren. Heinisch: „Wenn wir uns auf wenige Dinge spezialisieren und abteilungsübergreifend am Krankheitsbild eines Patienten arbeiten, können wir die Fallzahlen erhöhen und qualitätvoll und effizient arbeiten.“ Als funktionierende Modelle für solche Zentren führte Heinisch das Brustgesundheitszentrum St. Josef, das Darmgesundheitszentrum Gumpendorf und das Rheumazentrum Herz-Jesu an.

Wenige vergleichbare Daten

Weitgehende Einigkeit herrschte in der Frage des Wettbewerbs, dem man vorsichtig positiv gegenübersteht. Es solle der Wettbewerb um die bessere Qualität fokussiert werden, meinte etwa Gleitsmann. Er bedauert, dass es in Österreich derzeit noch wenig vergleichbare Daten gebe: „Es ist den Menschen im 21. Jahrhundert zuzugestehen, dass sie aufgrund von Informationen mitentscheiden.“

Motivforscherin Karmasin warnte vor freier Marktwirtschaft im Gesundheitswesen: „Beim Wettbewerb muss man aufpassen. Gesundheit ist ein Allgemeingut. Man sollte daher Prozesse der Marktwirtschaft übernehmen, wie etwa Prozesse des Qualitätsmanagements, nicht aber die ideologischen Denkansätze.“

 

Quelle:

Presseaussendung der Vinzenz Gruppe Krankenhausbeteiligungs- und Management GmbH, Ärzte Woche 2 /2011

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