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Handelsraum der Wiener Börse.
 
Praxis 7. Dezember 2010

Sonniger Ausblick

Nach einem durchschnittlichen Börsenjahr 2010 rechnen Analysten für 2011 mit Kurssteigerungen von 15 Prozent.

Nach vorläufigen Schätzungen wird der Wiener Leitindex (ATX) mit plus 10 Prozent ein durchschnittliches Ergebnis einfahren, wobei die Wiener Börse dem moderaten internationalen Trend folgt. „Sollte die jährliche Jahresendrally, die zumeist in den ersten zwei Dezemberwochen stattfindet, auch heuer einsetzen, könnten noch zusätzlich drei bis fünf Prozent drinnen sein“, sagte Fritz Mostböck, Leiter des Erste Group Research, anlässlich eines Pressegesprächs.

 

Infolge der vergleichsweise geringen Verschuldungsraten in Österreich sowie in Zentral- und Osteuropa ist die Performance gegenüber den PIIGS-Staaten (Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien) klar positiv, allerdings verharrt das Handelsvolumen auf Vorjahresniveau. Irritationen für Finanz- und Währungsmärkte werden sich auch 2011 aus der Problematik von hohen Defiziten und Staatsverschuldungen ergeben. Dennoch werden die Märkte Zentral- und Osteuropas gegenüber großen etablierten Märkten meist profitieren. Der ATX besitzt 2010 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 11,8 (2011e: 9,3) im historischen und im relativen Vergleich zu anderen Märkten ein attraktives Bewertungsniveau mit deutlich zweistelligen Gewinnwachstumsraten (2010e: 49,5, 2011e: 27,7%). Die Aktienrenditen an der Wiener Börse sind um 650 Basispunkte attraktiver als 10-jährige Österreichische Staatsanleihen. Insgesamt erwartet das Erste Group Research trotz möglicher phasenweise auftretender Turbulenzen eine moderat positive Kursperformance im Ausmaß von 15 Prozent für den ATX für 2011.

Volatilität bleibt durch Staatsverschuldung hoch

Da die hohen Defizite wie Gesamtverschuldungen – in einer noch dazu flauen Konjunktursituation – nicht von heute auf morgen einzudämmen sind, wird das internationale Investmentklima verletzlich bleiben. Die durchschnittlichen Handelsvolumina deuten nicht auf ein unmittelbares Drehen dieses Sentiments hin. Es wird weiterhin stark zwischen Ländern differenziert werden, wodurch der Länderansatz gegenüber dem Regional- und Sektoransatz wieder an Bedeutung gewinnt. „Die Krise ist zuletzt in stark ausgeweiteten Staatsverschuldungen angekommen, deren Abbau nur zäh und langfristig vorangehen wird. Der Zusammenhang zwischen Verschuldungen und Kurs-Performances lokaler Aktienmärkte ist offensichtlich. Die wesentlichen CEE-Staaten weisen aber deutlich geringere Verschuldungsraten als der EU/Euro-Durchschnitt auf, weshalb die Belastung für die Wiener Börse auch im Jahr 2011 geringer ausfallen wird“, sagte Mostböck.

Empfehlung: Stock picking

Als Investmentstrategie in diesem unsicheren Umfeld bleibe „Stock picking“ – der Kauf von einzelnen ausgewählten Aktien – weiter Trumpf. „Wir bevorzugen Unternehmen mit hoher Profitabilität, moderater Bewertung und einer soliden Dividendenrendite wie beispielsweise OMV, Semperit oder die voestalpine“, meint Günther Artner, Co-Head of CEE Equity Research. Weiters setzt die Erste Group auf Unternehmen, die vom langfristigen Aufholprozess der Emerging Markets profitieren (z.B. Raiffeisen Bank Int., Vienna Insurance Group). Außerdem seien spezielle Situationen wie bei Kapsch TrafficCom zu berücksichtigen, wo zuletzt vermehrt Dynamik in die Branche der Mautsysteme gekommen ist und Kapsch mittlerweile zu einem der Weltmarktführer aufgestiegen ist. Zuletzt wurde mit Polen ein Auftrag über 1,24 Mrd. Euro unter Dach und Fach gebracht. Anfang nächsten Jahres fällt die Entscheidung für einen mehr als doppelt so hohen Auftrag mit Frankreich. Die Empfehlungsliste umfasst derzeit:

  • Die Blue Chips: OMV, RHI, Vienna Insurance Group und voestalpine
  • Die Wachstumswerte: austriamicrosystems, AT&S, BWT, Kapsch TrafficCom und Semperit
  • Die Immotitel: Immofinanz und Sparkassen Immo

„Im Hinblick auf eine mögliche Einführung der Wertpapier-KESt empfehlen wir, im heurigen Jahr noch Vorziehkäufe von Unternehmen mit einer langfristig hohen Profitabilität in Verbindung mit einer aktuell niedrigen Bewertung sowie einem stabilen und nachhaltigen Geschäftsmodell und einer attraktiven Dividendenrendite zu tätigen“, so Artner weiter. Als Top-Werte für solche Vorziehkäufe auf Sicht von 10-15 Jahren böten sich an: RHI, Kapsch TrafficCom, Raiffeisen Bank Int., OMV, voestalpine. Die ATX-Prognosen lauten für das 1. Quartal 2011: 2.950, für das 1. Halbjahr 2011: 2.600 und für das Jahresende: 3.100 Punkte.

Die Prognosen in Kurzform
• CEE-Konjunktur schlägt sich besser als die Eurozone: (2011e: 2,9 versus 1,3%) und (2012: 3,8%: 1,5%).
• Die Staatsverschuldungen werden auch 2011 die Börsen belasten, die Verschuldungsraten sind in Österreich wie in den CEE-Staaten vergleichsweise gering.
• Die Stimmung an den Börsen wird sich verbessern, die Volatilitäten bleiben unverändert hoch.
• Für die Wiener Börse sprechen ein deutlich zweistelliges Gewinnwachstum sowohl heuer als auch 2011, eine vergleichsweise und historisch attraktive Bewertung, eine deutlich höhere Aktienrendite gegenüber den Anleihen, was eine Performancesteigerung von rund 15 Prozent erwarten lässt.

Von Mag. Michael Strausz, Ärzte Woche 49 /2010

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