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Foto: DI Niel Mazhar
Hinter dem Farbkonzept steckt mehr als ein rein ästhetischer Gedanke.
 
Praxis 16. November 2010

Diagnosezentrum im Farbenrausch

Mit ein wenig Farbe auf die richtige Spur gebracht.

Etliche Warteräumlichkeiten österreichischer Arztpraxen leiden an liebloser Gestaltung und mangelndem Einfallsreichtum in der Innenraumgestaltung. Vor allem zeichnet sich das typische „Wartezimmer in Not“ durch konsequente Farblosigkeit aus. Doch die Blässe dieser medizinischen Einrichtungen wirkt keineswegs nobel, sondern vor allem phantasielos und unterkühlt. Dass es auch anders geht, zeigt das Diagnosezentrum Urania.

 

Schon bei Betreten des Diagnosezentrums am Laurenzerberg im Herzen Wiens erkennt man, dass hier ganz bewusst großer Wert auf ein freundliches Erscheinungsbild gelegt wurde. In der Erdgeschoßzone erhält der Besucher nach der Anmeldung eine Mappe in den Farben Blau, Orange oder Grün, die dem Patienten das Zurechtfinden im Diagnosezentrum erleichtern soll. Mit dem Lift gelangt man dann zu den Untersuchungsbereichen.

Hier wiederholen sich die Farben der zuvor ausgehändigten Mappen. Hinterleuchtete Leitwände erstrahlen in Blau, Orange und Grün, verleihen den Räumen eine attraktive Note und gliedern das Diagnosezentrum übersichtlich in drei Bereiche. Denn hinter diesem Farbkonzept steckt mehr als ein rein ästhetischer Gedanke: Blau steht hier für Magnetresonanz und Computertomographie, Orange für Mammographie und Ultraschall, Grün für Röntgen. Die Farbe der Mappe weist daher darauf hin, in welchem Wartebereich man sich aufhalten soll. So fließen anregende Farbgestaltung und praktisches Leitsystem ineinander.

Chromophilie statt Chromophobie

Durch diese farbenfrohe Gestaltung verlieren die Räumlichkeiten aber keineswegs an Seriosität. Im Gegenteil, sie unterstreicht die sozialen Kompetenzen des medizinischen Personals. Die Farbe Orange steht gemeinhin für Lebensfreude und Gemütlichkeit, Blau versprüht Frische und Klarheit, während grüne Kolorierungen, besonders beliebt in der Kreativbranche, beruhigend wirken. Diese Farbkombination ermöglicht es dem Patienten, sich hier, trotz möglicher Wartezeiten, wohl zu fühlen und Vertrauen aufzubauen.

Doch nicht nur in der Farbgestaltung hat man sich hier etwas einfallen lassen. Auch die Sitzmöglichkeiten sind abwechslungsreich gestaltet. So gruppieren sich die drei Untersuchungsbereiche des 2.500 m² großen Diagnosezentrums um ein Atrium, wodurch der Blick immer wieder durch aufgelöste Wände und darin liegende Sitzinseln in den Innenhof wandert. Ob man hier in einer der geschützten Sitzecken in einer Fensternische Platz nimmt oder in den Holzstühlen, die die Farbwahl gut ergänzen, bleibt dem Patienten überlassen. Man hat hier stets die Wahl zwischen kommunikativen und abgesonderten Bereichen.

Auch werden hier Wände zu Möbeln und Möbel zu Wänden, die Garderobe fungiert als Raumteiler und die farbigen Leitwände stellen in logischer Konsequenz sogar den Übergang zwischen Wartebereich und Untersuchungsraum dar, denn Türen in den Farbwänden führen über Umkleidekabinen als Zwischenzone in die Behandlungsräume.

In diesem Diagnosezentrum findet man somit viele originelle Ideen umgesetzt, die den Aufenthalt in einer medizinischen Einrichtung kurzweiliger gestalten – für den Patienten genauso wie für das Personal.

Von DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 46 /2010

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