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Foto: Tobias Deml
Max Deml, Spezialist für Ökoveranlagung und Herausgeber der Fachzeitschrift „Öko-Invest“
 
Praxis 9. November 2010

Interview

Der Markt für ethisch-ökologisches Investment, nachhaltige Veranlagung und ökologische Geldanlage hat sich von einer Nische zu einem Milliardengeschäft entwickelt.

Welche Chancen der „Grüne Markt“ bietet, erläutert Max Deml, Spezialist für Ökoveranlagung und Herausgeber der Fachzeitschrift „Öko-Invest“.

 

Welche Bedeutung hat der „grüne Markt“?

DEML: Zwar ist der Markt in den letzten 20 Jahren von einer kleinen Nische auf dreistellige Milliardensummen gewachsen, aber über das genaue Volumen kann man leider nur in wenigen Kategorien – bei Investmentfonds liegt der Anteil in den meisten Ländern noch unter zwei Prozent – Schätzungen abgeben. Denn wer kann beispielsweise sagen, welche der x-Millionen Stück Aktien der SolarWorld AG aus ökologischer Motivation gekauft worden sind und welche „nur“ aus Profitinteresse, weil der Aktienkurs zwischenzeitlich um mehr als 14.000 Prozent gestiegen ist. In den USA wird, wenn man Statistiken glauben darf, inzwischen jeder zehnte Dollar nach mindestens einem ethisch-ökologischen Kriterium angelegt, beispielsweise werden Tabak produzierende Unternehmen gemieden.

 

Was macht dieses Segment für Ärzte interessant?

DEML: „Grünes Geld“ ist für jeden Anleger interessant, da es erstens keinen Verzicht auf eine angemessene Rendite bedeutet – im Gegenteil, in vielen wachstumsstarken Bereichen wie z. B. den mit erneuerbarer Energie gab es weit überdurchschnittliche Kursgewinne – und zweitens auch der Erhaltung der Umwelt bzw. Gesundheit dient. Zudem gibt es einige sehr interessante „Medizin“-Aktien, wie die des französischen Homöopathie-Konzerns Boiron.

 

Wie können Privatanleger am besten in diese Branche investieren?

DEML: Das lässt sich nicht in einem Satz beantworten. Im Jahrbuch „Grünes Geld“, das Anfang 2011 wieder erscheint, sind auf über 300 Seiten hunderte Möglichkeiten beschrieben, vom „Umweltsparbuch“ bis zu Investmentzertifikaten oder „grünen“ Private-Equity-Fonds und Pensionskassen. Je nach Risikoneigung, persönlichen Werthaltungen, gewünschter „Hebelwirkung“ usw. gibt es fast zu jedem „konventionellen“ Finanzprodukt eine rentable grüne Variante.

 

Wie sieht es mit Veranlagungshorizont, Ertragsmöglichkeiten und Risiko bei grünem Investment aus?

DEML: Es gibt „grünes Geld“ in allen möglichen Varianten, auch von der Bindungsfrist her gesehen: vom täglich fälligen Girokontoguthaben bis zum Windpark-Kommanditanteil mit 20 Jahren Laufzeit oder der ethisch orientierten Vorsorgekasse, in die der Arbeitgeber die Monatsbeiträge bis zur Pensionierung einzahlt.

 

Das Gespräch führte

Mag. Michael Strausz, Ärzte Woche 45 /2010

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