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Foto: Buenos Dias/photos.com
Bäder werden meist durch körperangepasste, fließende Konturen bestimmt. Natürlich gibt es auch verschnörkelte Ausnahmen.
 
Praxis 29. Jänner 2009

Sind Sanitär(t)räume nur Schäume?

Über viele Raumdetails macht man sich Gedanken. Die Nasszelle führt demgegenüber ein Schattendasein. Zu Unrecht, denn häufig wird man an ihr gemessen.

Wenn ich heute in das Regal schaue, in dem ich meine alten Kinderbücher aufbewahre, dann finde ich dort einige unförmig aufgequollene Bände. Zu den liebsten Dingen in meiner Kindheit gehörte es, mich mit einem Abenteuerbuch im Bad einzusperren. Aufgrund unruhiger Lesegewohnheiten und gewagter Tauchgänge, vor allem aber wegen fehlender Ablageflächen rund um die Badewanne landeten die Bücher zumeist im unruhigen Gewässer. Bad- und WC-Anlagen gehören zu den intimsten Räumlichkeiten; sie sind bequeme Rückzugsorte, welche die volle gestalterische Aufmerksamkeit verdienen. Diese Ausgabe des Raumdoktors soll zeigen, worauf es in der Gestaltung der Nassräume ankommt, damit sie zu angenehmen Aufenthaltsräumen avancieren, in denen alles, was muss, auch wirklich im Trockenen bleibt.

 

Es ist kein Zufall, dass Urlaub-Heimkehrer gleichermaßen begeistert von den Sehenswürdigkeiten des Ferienziels erzählen wie vom luxuriösen Hotelzimmerbad mit seiner angenehmen Beleuchtung, den Marmoroberflächen und exquisiten Armaturen. Allein unter der Dusche trauen wir uns laut (und vor allem ungeniert falsch) unsere Lieblingslieder zu trällern. Blättert man Interieur-Zeitschriften durch, so fallen dort in Zusammenhang mit freistehenden Badewannen und Waschtischen meist die Worte „Altar der Sauberkeit“. Tatsächlich haben Bäder und Sanitäranlagen etwas Sakrales an sich, die Assoziation mit dem glatt und weiß leuchtenden griechischen Tempel hinkt ganz und gar nicht. Auch wenn griechische Tempel im Altertum in knallbunten Farben bemalt waren und die Tieropfer alles andere als der Sauberkeit und Hygiene förderlich waren, strahlen doch beide das Gefühl der Reinigung und Befreiung von allem Irdischen aus.

Das WC von nebenan ist eine Visitenkarte

Die gestalterischen Lösungen in modernen Waschräumen reichen von sehr avantgardistisch anmutenden Entwürfen, diese Orte lustvoll zu inszenieren, bis hin zu betont sachlich und nüchtern formulierten Ansätzen. Auch in einer Arztpraxis und ähnlichen medizinischen Einrichtungen sollten Sanitärräume nicht bloß als „feuchte Nebenräume“ abgetan werden, selbst wenn es sich „nur“ um das WC neben dem Eingang handelt. Gerade sie sind ein Indikator für den Umgang mit der Hygiene, Gesundheitspflege und Sauberkeit an einem Ort. Bäder und sanitäres Gerät werden meist durch klare Geometrien und körperangepasste, fließende Konturen bestimmt, die der Natur, ähnlich einem von Sand und Meer abgerundeten Kieselstein, nachempfunden sind. Allzu komplexe und extravagante Formen werden bei der Gestaltung des Sanitärgeräts meist vermieden, und dies hat seine guten Gründe: Sie würden die Reinigung und Pflege des Geräts nur unnötig erschweren.

Warme Hygiene

Bei der Wahl des Materials und der Farben eigenen sich vor allem helle und glatte Oberflächen, da diese automatisch mit Reinheit und Hygiene assoziiert werden. Die gewählten Baustoffe und Materialien müssen sich außerdem durch hohe Stoßfestigkeit und Beanspruchbarkeit gegenüber Chemikalien und Wasser auszeichnen. Der Austausch beschädigter Fliesen oder sanitären Geräts ist schließlich umständlich und teuer. Es lohnt sich daher, in hochwertige Produkte und Materialien zu investieren. Stein, Marmor und Keramik eigenen sich besonders gut für die Ausstattung sanitärer Räumlichkeiten. Keramikinventar und Fliesen sind in jeder Form, Farbe und Preisklasse erhältlich. Produkte aus Marmor beispielsweise sind kostspielig, eignen sich aber für Nassräume, da sich das Material zwar nur langsam erwärmt, die Wärme aber lange speichern kann.

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass sich Holz nicht für den Einbau in Nassräumen eignet. Bestimmte Holzarten sind dafür prädestiniert und bringen sogar eine natürliche Wärme in den Raum. Zedernholz etwa verbreitet einen angenehm exotischen Geruch, während Teakholz, das seit jeher in der Schifffahrt verwendet wird, aufgrund seines hohen Gehalts an Öl und Kautschuk besonders widerstandsfähig gegen Feuchte ist. Auch ohne künstliche Oberflächenbehandlung behält diese Holzsorte viele Jahre lang seine natürliche Schönheit und eignet sich somit für Wand- und Bodenbeläge sowie für elegante Waschtische, in die das Waschbecken eingelassen werden kann.

Abseits von Fliesen und Neonlicht

Bei der Wandgestaltung wiederum müssen es nicht immer nur Fliesen sein. Die Wände sollten aber auf jeden Fall mindestens bis zur Türstockoberkante mit einer wasserdichten Oberfläche ausgestattet sein. Dabei kann man aber auch mit wasserdichten Anstrichen, wie etwa Silikatfarbe, schöne und ungewöhnliche Akzente setzen. Dieser Anstrich verbindet sich problemlos mit dem Putz, bildet eine wasserfeste, aber atmungsaktive Oberfläche und erhöht den Wohnlichkeitseffekt in Nassräumen.

Auch das Thema Licht darf in Waschräumen nicht vernachlässigt werden. Egal zu welcher Tageszeit, der Gang zum Waschbecken führt uns meist auch zum darüber montierten Spiegel. Dies mag auch ein Grund sein, diese Räumlichkeiten niemals mit allzu grellen oder schwachen Lichtakzenten auszustatten. Besonders empfehlenswert sind daher Leuchten mit warmen Lichttönen oder auch Fenster und Vorhänge, die das Licht streuen und indirekt lenken. Kanten und Ecken (aber auch müde Gesichter) wirken dadurch weniger tief und abgerundet. Angenehm warmes, nicht blendendes Licht betont die Sanftheit der weichen Formen eines Waschraumes und fördert eine ausgeglichene Stimmung. Dadurch wird die oft unterkühlt wirkende Atmosphäre in Sanitärräumen aufgelockert.

Der Klodeckel als kreatives Betätigungsfeld

Natürlich hat ebenso die hohe Welt der Kunst die Bad- und WC-Oberflächen für sich entdeckt. So können nicht nur Oberflächen an Waschtischen mit ansprechenden Motiven versehen werden, auch der Klodeckel wurde bereits zum Kunstobjekt erhoben. Dabei entstehen allerlei spannende Kreationen aus verschiedensten Materialien wie Holz, Glas, Aluminium oder altbewährter Keramik.

Die Gestaltung eines Sanitärraumes sollte zwar bewusst einfach gehalten werden, doch bleibt genügend Spielraum, um sich im Detail auszutoben. Bei der Auswahl formschöner Armaturen und Betätigungsflächen an WC-Anlagen darf man Sorgfalt walten lassen. Sie sind in vielen eleganten bis extravaganten Formen erhältlich und verstehen es auf raffinierte Weise, die Mechanik im Inneren zu verstecken.

Durch die Beachtung nur weniger Regeln kann in der Bad- und WC-Gestaltung einiges erreicht werden. Egal ob Schaumbad, schnelle Dusche oder manisches Händewaschen – in geschmackvollen Sanitäranlagen wird so vielleicht sogar das kleine Geschäft zum großen Erlebnis!

Foto: Buenos Dias/photos.com

Bäder werden meist durch körperangepasste, fließende Konturen bestimmt. Natürlich gibt es auch verschnörkelte Ausnahmen.

Von DI. Niel Mazhar, Ärzte Woche

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