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Dr. Wolfram Littich Präsident des österreichischen Versicherungsverbandes

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Gabi Kreindl VKI-Versicherungsexpertin

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Ing. Franz Floss VKI-Geschäftsführer

 
Praxis 6. Oktober 2010

Magere Rendite

Nur 18 Prozent der Bevölkerung glauben, dass ihre Pensionen bei Pensionsantritt sicher sein werden.

Lebensversicherungen sind Vorsorge- und Versicherungsinstrumente gleichzeitig. Sie gelten als risikoarmes und konservatives Investment, derzeit wirft es aber nur bescheidene Erträge ab.

 

Für die rund 10,4 Millionen Lebensversicherungsverträge legen die Österreicher durchschnittlich jeden siebenten Spar-Euro auf die hohe Kante. Das bedeutet, dass 65 Milliarden Euro oder 15 Prozent des Gesamtvermögens privater Haushalte in Lebensversicherungen veranlagt werden. Die große Beliebtheit ergibt sich aus einem radikalen Umdenkens bei der Altersvorsorge.

Das Vertrauen in die staatliche Vorsorge nimmt kontinuierlich ab, gleichzeitig steigt die Bedeutung der betrieblichen und privaten Altersvorsorge mit Lebensversicherungen, die vom Staat mit einer Prämie gefördert wird. „Nur 18 Prozent der Bevölkerung glauben, dass ihre Pensionen bei Pensionsantritt sicher sein werden“, bestätigt Meinungsforscher Dr. Rudolf Bretschneider in einer aktuellen GfK-Studie. Daher betrachten die Österreicher heute ein durchschnittliches Alter von 27 Jahren als idealen Einstiegszeitpunkt für ihre Pensionsvorsorge, vor 25 Jahren lag dieser Wert bei 31 bis 40 Jahren.

Die monatlichen Ausgaben für die private Altersvorsorge haben sich im selben Zeitraum von 124 auf 250 Euro verdoppelt. Aus Sicht der Befragten gilt eine Lebensversicherung als stabiles, risikoarmes, konservatives sowie simples Veranlagungsprodukt, das allerdings weniger Ertrag als Aktien, Anleihen und Co einbringt. Andererseits kommen Lebensversicherungen dem starken Sicherheitsbewusstsein der Bevölkerung entgegen und werden häufig als Versicherungsprodukte angesehen. Die Rolle der Lebensversicherung als Risikoträger für Schicksalsschläge ist stark zu beachten. Neben den Risiken wie Berufsunfähigkeit, Invalidität und Pflegebedürftigkeit wird das Ablebensrisiko fälschlicherweise unterschätzt: „Jeder sechste 40-Jährige erlebt seinen 65. Geburtstag nicht. Vor diesem Hintergrund frage ich mich, wie man davon abraten kann, das Ablebensrisiko in den Versicherungsschutz zu inkludieren“, erklärt Dr. Wolfram Littich, Präsident des österreichischen Versicherungsverbandes. Durch den Abschluss eines Versicherungsvertrages werde jährlich die Existenz von über 40.000 Familien gesichert, die in geringerem Ausmaß auf staatliche Auffangnetze zurückgreifen müssen, so Littich.

Kosten fressen Erträge

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat im Sommer die Angebote für kombinierte Er- und Ablebensversicherungen der sieben größten heimischen Assekuranzen anhand eines konkreten Beispiels analysiert: Eine 40-jährige Frau bzw. ein 40-jähriger Mann zahlen 20 Jahre lang monatlich 100 Euro, in Summe 24.000 Euro, ein (Grafik). Das Ergebnis war ernüchternd: Für den Mann errechnete sich eine prognostizierte Ablaufleistung von 27.000–30.500 Euro, was einer bescheidenen Netto-Rendite zwischen 1,15 (s Versicherung) bis 2,33 Prozent (Generali) entspricht. „Angesichts der langen Laufzeiten ist das eine bestürzend magere Bilanz, die alle, nur nicht die Kunden profitieren lässt“, kritisiert VKI-Versicherungsexpertin Gabi Kreindl. „Grund dafür sind – neben dem generell niedrigen Zinsniveau – die exorbitant hohen Kosten. Diese führen dazu, dass nur rund 80 Prozent der eingezahlten Summe tatsächlich veranlagt werden. Dazu kommt, dass für Konsumenten nicht ersichtlich ist, welche Kosten im Detail anfallen. „Intransparent, unflexibel und teuer – damit sind kombinierte Er- und Ablebensversicherungen derzeit schlicht und einfach nicht zu empfehlen, obwohl sie durchaus Potenzial haben“, so das Urteil des VKI-Geschäftsführers Ing. Franz Floss. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre die Verteilung der Abschlusskosten auf die gesamte Laufzeit und nicht wie derzeit auf die ersten fünf Jahre. Bei einem vorzeitigen Ausstieg ersparten sich die Versicherungsnehmer finanzielle Nachteile, denn derzeit werden mehr als 50 Prozent der Verträge innerhalb der ersten sieben Jahre gekündigt. „Aufgrund der intransparenten, komplizierten und wenig konsumentenfreundlichen Gestaltung raten wir von kombinierten Er- und Ablebensversicherungen als Pensionsvorsorge ab“, so Kreindl.

Die Suche nach Alternativen gestaltet sich aber äußerst schwierig: Reine Erlebensversicherungen schneiden kaum besser ab, fondsgebundene Lebensversicherungen sind mit noch höheren Kosten belastet und bei Produkten mit Kapitalgarantie wirkt sich die Garantie ebenfalls negativ auf den Ertrag aus, so auch bei der prämiengeförderten Zukunftsvorsorge. Wer Angehörige für den Todesfall absichern will, wählt besser eine eigene Risikoversicherung, da der Ablebensschutz bei kombinierter Er- und Ablebensversicherung nicht ausreicht. „Es scheint, dass die Zeiten hoher Erträge fürs Erste vorbei sind. Umso wichtiger ist es daher, dass die Anbieter und der Gesetzgeber einfache und kostengünstige Produkte zur Vorsorge entwickeln, die Kunde und Berater gleichermaßen verstehen“, fordert Floss.

 

Die gängigsten Lebensversicherungs-Produkte
• Die Er- und Ablebensversicherung gilt wegen der Kombination von Versicherungsschutz und Kapitalaufbau als wichtigste Form der Lebensversicherung. Die Auszahlung der Versicherungssumme an die Hinterbliebenen erfolgt bei Ablauf der vereinbarten Vertragsdauer oder bei Tod des Versicherten innerhalb der vereinbarten Frist.
• Risikoversicherungen werden zur Besicherung von Krediten oder Absicherung der Begünstigten abgeschlossen. Einziger Versicherungsfall ist das Ableben des Versicherten. Mit Ablauf der vereinbarten Vertragsdauer erlischt die Versicherung vollständig.
• Die Rentenversicherung ist ein Pensionsvorsorgeprodukt. Bei Fälligkeit des Vertrages erhält der Versicherte monatlich eine Rente ausbezahlt. Die Dauer der Rentenzahlung wird individuell vereinbart.
• Fondsgebundene Lebensversicherungen bieten Versicherungsleistungen im Er- und Ablebensfall. Die Veranlagung erfolgt in einem Anlagestock, der in Wertpapieren angelegt und in Anteileinheiten aufgeteilt wird.
• Bei der indexgebundenen Lebensversicherung ist die Versicherungsleistung an die Wertentwicklung eines Index gebunden. Es kann vereinbart werden, dass der Versicherungsnehmer das Risiko von Verlusten tragen muss.
• Bei Termfix-Versicherungen wird die Versicherungssumme zu einem vereinbarten Termin ausbezahlt. Dies ist auch dann der Fall, wenn der Versicherte vorher stirbt. Bis zur Fälligkeit müssen dann keine Prämien mehr bezahlt werden. Dieses Produkt dient vor allem der Finanzierung eines Studiums oder einer Hochzeit.

Von Mag. Michael Strausz, Ärzte Woche 40 /2010

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