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Foto: Privat
Dagmar Triller Geschäftsführerin und Finanzierungsexpertin des Basler Ärztedienstes
 
Praxis 22. September 2010

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Bei der Gründung einer neue Ordination fragen sich Ärzte oft: „Wohin soll ich mich wenden?“ Eine Antwort liefert die Standortanalyse des Basler Ärztedienstes.

Ärzte müssen zunehmend erkennen, dass Ordinationen Unternehmen sind, deren Führung ein gewisses Wirtschafts- und Finanzwissen voraussetzt. Für den wirtschaftlichen Erfolg einer Praxis sind richtige Standortentscheidungen zu treffen, wie sie bei anderen Klein- und Mittelbetrieben als Basis erfolgreichen Wirtschaftens längst praktiziert werden.

 

„Die Anzahl der Wahlärzte steigt kontinuierlich und in einigen Bundesländern wie Niederösterreich und Steiermark ist ihre Zahl höher als die der Kassenärzte“, weiß Dagmar Triller, Geschäftsführerin und Finanzierungsexpertin des Basler Ärztedienstes. Dies erfordere eine fundierte und effiziente Standortplanung nach dem Motto: Lasse dich dort nieder, wo deine Patienten sind.

Vier Hauptkriterien

Die wichtigsten Kriterien für die richtige Standortwahl sind die wirtschaftliche und demographische Bevölkerungsstruktur, allgemeine wirtschaftliche Entwicklung und die medizinische Struktur (Fachrichtungen, Anzahl der Wahl- oder Kassenärzte sowie Krankenhäuser und Ambulatorien). Sogar die Luftqualität laut Gesundheitsatlas sollte in die Beurteilung mit einfließen. „Für einen Lungenfacharzt ist es von Relevanz, ob im Umkreis der geplanten Ordination viele Asthmatiker leben, wie beispielsweise in Klagenfurt.“ Im besser von Winden durchlüfteten Wien gibt es hingegen weniger Asthmaerkrankungen.

In das vom Basler Ärztedienst entwickelte Standortanalyse-Computerprogramm fließen mehr als 20.000 Datensätze und 156 Parameter von 121 Bezirken ein. Ein Bezirk entspricht einem Autokennzeichen mit Ausnahme von Wien. Dort wird zwischen der Nord-, Ost-, Süd- und Ostregion unterschieden. Manche Daten wie die Anzahl und der Ort der bestehenden Ordinationen müssen monatlich aktualisiert werden, andere wie die Daten der Statistik Austria, von Fessl GfK, Umweltinstitut und Wirtschaftskammer, Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur oder Volkszählungsergebnisse in längeren Abständen. Mit der Standortanalyse lässt sich das Potenzial eines bestimmten Bezirkes feststellen und für jede Fachrichtung ein Ranking erstellen. Für jeden Hauptparameter wird ein Zielerreichungsgrad ermittelt. Durch deren Addition ergibt sich eine Gesamtnote oder ein Nutzwert, mit dem sich eine genaue Aussage treffen lässt (Scoring-Methode). Jeder Kunde erhält ein sieben- bis achtseitiges Analyseergebnis und ein Ranking der untersuchten Bezirke. „Bei 99 Prozent der Analysen lagen wir richtig“, betont Triller.

Fachrichtungen mit Potenzial

Eines lasse sich aufgrund der bisher erfolgten mehr als 500 Analysen feststellen: Einen Ärztemangel gibt es nicht mehr, weiße Flecken auf der Karte sind immer schwieriger zu finden. „Fachrichtungen, für die noch Bedarf besteht, sind die Dermatologie mit Schwerpunkt Kosmetik, HNO, Augen und Orthopädie“, betont Triller. Zukunftsträchtige Disziplinen seien auch Geriatrie und (Kinder-) Psychiatrie. Im Gegensatz dazu seien die goldenen Zeiten der Zahnärzte vorbei, allein in Graz gebe es 190 Zahnärzte, dazu kämen die hohen Investitionskosten. „Aus regionaler Sicht würde ich vom ersten Bezirk in Wien abraten, zwar ist die Kaufkraft dort enorm, allerdings sind die Standortkosten dementsprechend hoch und nach Arbeitsschluss ist dort nichts mehr los“, empfiehlt Triller. Hoffnungsgebiete seien hingegen die neuen Stadtentwicklungsgebiete Wiens und die Bezirke Währing und Döbling. „Allgemein gilt, dass eine gewisse räumliche Flexibilität gegeben sein muss. Je konkreter ein Arzt aufgrund seines Wohnortes auf einen bestimmten Ort fokussiert ist, umso schwieriger wird eine Empfehlung.“

Fakten der Standortanalyse

Die Daten, die in die Analyse des Basler Ärztedienstes einfließen, wurden in 1,5 Jahren von 25 Studenten zusammengetragen. Seit 2006 wurden mehr als 500 Analysen durchgeführt. Die Kosten der Analyse richten sich nach der Größe des Einzugsgebiets (wird ein Bezirk untersucht oder ein ganzes Bundesland?) und betragen zwischen 300 und 2.000 Euro. Neben Fachärzten und Gründern nehmen viele Banken die Standortanalyse in Anspruch – als Grundlage für die Bewertung allfälliger Kreditrisiken und der damit verbundenen Finanzierungskosten. Laut Basler Ärztedienst beträgt die Erfolgsquote 99 Prozent. Wer plant, eine Standortanalyse durchführen zu lassen, sollte dies ein halbes bis ein dreiviertel Jahr vor der geplanten Ordinationseröffnung tun.

Checkliste Standortfaktoren
• Anzahl der potenziellen Kunden im Einzugsgebiet der Praxis
• Kaufkraft
• Verkehrsanbindung
• Parkplätze
• Ausbildungsstand
• Geschäftsstruktur (Einkaufsmöglichkeiten, Klein- und Mittelbetriebe, Firmenstandorte)
• Barrierefreiheit
• Konkurrenzsituation
• Apothekennähe
• Geburtenrate, Altersstruktur
• Arbeitslosenrate
• Tourismusbetriebe
• Bevölkerungsstruktur (Arbeiter, Selbständige, Angestellte)
• Mietkosten
• Grundstückspreise
• Auftretende Krankheiten
• Ausbildungsangebot

Von Mag. Michael Strausz , Ärzte Woche 38 /2010

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