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Praxis 22. September 2010

Vertrauen Sie dem Internet?

Problematisch ist es, wenn Informationen im Internet unkritisch betrachtet werden.

Internet bietet Information und Kommunikation. Gesundheit ist dabei ein wichtiges Thema. Nutzer dieser „Datenautobahn“ sollten sich jedoch auch kritischen Fragen stellen.

 

Haben Sie sich nicht auch schon gefragt, wie vertrauenswürdig eigentlich die Informationen sind, die wir im World Wide Web finden? Ist es sinnvoll, sich von wildfremden Personen Ratschläge über ein Online-Diskussionsforum zu besorgen? Wie wertvoll sind Tipps aus solchen Quellen und können wir uns auf diese fremden Menschen, mit denen wir da in Verbindung treten, verlassen? Diese Fragen sind ein wichtiger Bestandteil des heutigen Lebens mit der „Datenautobahn“. Im Buch Gesundheit und Neue Medien wird dieses nicht mehr wegzudenkende Thema für Studierende, Professionisten und Laien dargestellt.

Gesundheit – eines der wichtigsten Themen

Ein Großteil der Internetnutzer informiert sich und kommuniziert über das Internet. Die wichtigsten Themen sind dabei die eigene Gesundheit und die Gesundheit nahe stehender Personen. Problematisch ist es, wenn die Informationen im Internet unkritisch betrachtet werden. Einige Personen vertrauen gesundheitsbezogenen Inhalten im World Wide Web mehr als Spezialisten aus dem Gesundheitsbereich. Nicht selten werden professionelle Meinungen (beispielsweise die des Hausarztes) aufgrund von Informationen aus dem Netz in Zweifel gezogen. Viele Menschen sprechen nicht mit Professionisten über die online gefundenen Informationen. Ebenso oft kommt es jedoch vor, dass die Professionisten gar nichts von dieser Information hören wollen und sich damit nicht auseinandersetzen wollen.

Seriosität wird kaum hinterfragt

Die meisten Internetnutzer (71% bis 93%) empfinden Gesundheitsinformationen im Internet als qualitativ hochwertig und auch leicht zu verstehen. Außerdem werden gesundheitsbezogene Infos von vielen Surfern (57% bis 72%) einfach gefunden. Leider werden selten verschiedene Angebote und Informationen miteinander verglichen, Seriosität wird kaum hinterfragt. Häufig verlassen sich Suchende auf ein professionelles Design, vertraute Abbildungen, wissenschaftlich oder geprüft wirkende Webseiten und plausible Ratschlägen. Zwar sind Webseiten mit fundierten Informationen zweifelsohne vorhanden, allerdings in einer eher geringen Anzahl und für Internetnutzer schwer identifizierbar.

Es gibt derart viele Gesundheitsseiten im Internet, dass diese nicht einzeln kontrolliert werden können. Einige Initiativen überlegen den Einsatz automatischer Prüfsysteme und setzen diese auch schon in geringem Umfang ein. Beispielsweise sollen mit Hilfe eines derartigen Systems gesundheitsbezogene Seiten im Internet in Hinblick auf ihre Übereinstimmung mit den ethischen Richtlinien der bekannten HON Foundation (http://www.hon.ch) bewertet werden. Anhand des HONcodes (ersichtlich durch das HON-Logo auf den überprüften Seiten) soll sichergestellt werden, dass grundlegende ethische Standards eingehalten werden. Als Unterstützung für Nutzer kann auf der Webseite eine frei verfügbare HONcode Symbolleiste heruntergeladen werden, die automatisch die besuchten Webseiten überprüft.

Für Informationen im Bereich psychische Gesundheit gibt es bis dato keine vergleichbaren Qualitätssicherungsmaßnahmen. Speziell für Online-Interventionen die psychische Gesundheit betreffend (z.B. Online-Beratung) sind allerdings einige Ansätze und Maßnahmen vorhanden, die für interessierte Leser ebenfalls im Buch Gesundheit und Neue Medien dargestellt werden.

Vorteile und Gefahren

Nicht vergessen sollten wir, dass das Netz trotz kritischer Betrachtung bei der Suche nach gesundheitsbezogenen Informationen viele Vorteile bietet. Durch „Postings“ können viele Personen, beispielsweise in Diskussionsforen, erreicht werden, Texte sind leicht zu speichern und einfach aktuell zu halten, man erhält zudem oft ein persönliches Feedback. Es besteht damit die Möglichkeit, dass Internetnutzer maßgeschneidert nach ihren Bedürfnissen Informationen suchen. Allerding sollte dabei immer auf den Zusammenhang geachtet werden, in dem eine Information zu finden ist. Werden gesundheitsrelevante Details aus einem Kontext gerissen, können sie schädliche oder sogar gefährliche Auswirkungen haben.

 

In der nächsten Ausgabe erwartet Sie ein Beitrag zur Auswirkung der Neuen Medien auf die Beziehung zwischen verschiedenen Gesundheitsberufen und Klienten/Patienten.

Von Dr. Birgit U. Stetina & Prof. Dr. Ilse Kryspin-Exner, Ärzte Woche 38 /2010

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