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Foto: Privat
Dr. Michael Grössinger Betriebsarzt der Firma Fritsch Chiari & Partner Zililtechniker GesmbH
 
Praxis 1. September 2010

Gesundheitsvorsorgeprojekt in einem Ziviltechnikerbüro

Innerhalb eines Jahres wurde ein Projekt der Gesundheitsvorsorge mit zahlreichen Vorträgen und praktischen Modulen erfolgreich umgesetzt.

Österreich hat eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, wie Viele behaupten, der Fokus liegt jedoch auf der „Reparaturmedizin“. Prävention und Vorsorge werden zwar thematisiert, die Umsetzung erfolgt jedoch nur zögerlich und selten.

 

Vorsorgeuntersuchungen der Sozialversicherungsträger sind ein erster Schritt in die richtige Richtung, doch gäbe es noch zahlreiche Ansätze zur Förderung der Gesundheit der Bevölkerung. Ein erfolgreich umgesetztes Projekt in einem Unternehmen mit fast 200 Mitarbeitern, das ausschließlich präventiven Charakter zur Erhaltung der Gesundheit und des Wohlbefindens der Mitarbeiter hatte, wird im Folgenden vorgestellt.

D.I. Veronika Eckerstorfer, Sicherheitsfachkraft der Firma Fritsch Chiari & Partner Zililtechniker GesmbH (kurz FCP) in der Diesterweggasse 3 in 1140 Wien, hatte ein Gesundheitstraining in einer Diabetikergruppe durchgeführt. Diese Erfahrung inspirierte sie, auch für die Mitarbeiter der FCP gesundheitsfördernde Maßnahmen mit messbarem Erfolg anzuregen. Die Ausarbeitung und Einreichung des Projektes erfolgte durch Mag. Christian Lackinger, die Koordination durch Mag. Thomas Lamprecht der Sportunion Österreich. Die Organisation und Koordination für FCP übernahm D.I. Veronika Eckerstorfer.

Erste Schritte waren, die Entwicklung geeigneter Maßnahmen und Erfahrung für zukünftige ähnlich gestaltete Projekte zu sammeln. Als Betriebsarzt begleitete ich das Projekt in Form eines Vortrags über Gesundheit aus ganzheitlicher Sicht. Inhalt dieses Vortrags war gesundes Verhalten mit dem Fokus auf Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung, aber auch Lebenseinstellung, Lebensfreude und persönliche Lebensausrichtung. Ebenso nahm ich an den monatlichen Sitzungen des Gesundheitszirkels teil, um Feedback über die bereits abgelaufenen Aktivitäten zu erhalten und neue Angebote zu besprechen.

Gestartet wurde das Projekt im April 2009 mit einem Fitnesscheck, an dem 105 Personen teilnahmen. Insgesamt wurden den Mitarbeitern 240 Stunden in Form von Vorträgen und praktischen Modulen angeboten und von diesen auch wahrgenommen. Inhalte der Vorträge und Module waren beispielsweise:

Vortragsthemen

  • Stressmanagement:
  • Wie organisiere ich mich?
  • Überfordert mich ständig mein Tagesplan?
  • Wie setze ich mir erreichbare Ziele, die aber auch den Wünschen der Vorgesetzten entsprechen?
  • Zeitmanagement
  • Gesunde Ernährung: Schwerpunkt Einfachzucker
  • Gesunde Ernährung: Schwerpunkt Fette
  • Prinzipien für Ausdauertraining
  • Gesundheit aus ganzheitlicher Sicht

 

Praktische Module

  • Training der WS-Muskulatur
  • ergänzende Übungen (Hals-) Wirbelsäule
  • Training mit dem Thera-Band
  • Nordic Walking
  • Laufen für Anfänger
  • Laufen für Fortgeschrittene
  • Koordinationstraining mit u. ohne Gleichgewichtsplatte
  • Training im Büro

 

Die praktischen Einheiten wurden entweder auf einem Sportplatz oder einem angemieteten Turnlokal zu Bürorandzeiten in Gruppen mit maximal 10 Teilnehmern von einem Trainer durchgeführt.

Zielsetzung und Erfolg

Ziel des Projekts war die Implementierung eines Gesundheitsbewusstseins bei den Mitarbeitern, nicht, „Spitzensportler“ aus ihnen zu machen. So sollte beispielsweise die Durchführung diverser Übungen auch am Arbeitsplatz selbstverständlich werden. Nicht zu vergessen ist auch die soziale Komponente, die eine Kommunikation auch außerhalb der Arbeitszeit fördert. Nach Auslaufen des Projektes ist vorgesehen, dass besonders beliebte Module wie Lauftreff oder Krafttraining auf Kosten der Firma weiter angeboten werden.

Von den etwa 200 Mitarbeitern haben ungefähr 150 an zumindest einem der Angebote teilgenommen, was die Erwartungen der Projektverantwortlichen bei Weitem übertraf.

Zukunftsvision

Zusätzlich zu den angeführten Maßnahmen wurde eine Gesundheitsseite im FCP-Intranet erarbeiten, auf welcher verschiedenste Informationen zu gesundheitsrelevanten Themen zur Verfügung gestellt werden. Auch ein Übungskatalog mit Videos der wichtigsten Trainingsübungen für zu Hause wird präsentiert. Zum Abschluss des Projektes wurde ein weiterer Fitnesscheck zur Überprüfung der Leistungsveränderungen der Probanden durchgeführt.

Finanzierung

Die Gesamtprojektkosten beliefen sich auf 60.900 Euro, wobei etwa die Hälfte auf die Organisation durch die Sportunion entfiel und die andere Hälfte auf die verschiedenen Projektmaßnahmen (inklusive externe Evaluation). Die Finanzierung erfolgte zur einen Hälfte durch den „Fonds Gesundes Österreich“ und zur anderen durch „Fit für Österreich“.

Da die Firma FCP das Projekt in der Arbeitszeit durchgeführt hat und dabei 818 Arbeitsstunden den Mitarbeiter freigestellt hat, investierte diese etwa € 50.000.-. Zusätzlich wurden noch etwa € 15.000.- von FCP für erweiterte Angebote wie Hallenmieten, Schwimm- und Laufmöglichkeiten zur Verfügung gestellt.

Können andere Firmen auch so ein Projekt starten?

Prinzipiell handelte es sich um ein Pilotprojekt, es ist jedoch auch für andere Firmen möglich, ein ähnliches Projekt gefördert zu bekommen. Für Interessierte ist Mag. Thomas Lamprecht von der Sportunion der richtige Ansprechpartner ( ).

Fazit

Ich hoffe sehr, dass derartige Projekte dazu beitragen, das Gesundheitsbewusstsein der Menschen zu fördern und letztendlich die Kosten des Gesundheitssystems zu reduzieren und die Mittel effizienter einzusetzen. Auch ist klar, dass es in Zeiten wie diesen bei den Finanzträgern des Gesundheitssystems nicht gut ankommt, weitere Mittel für Gesundheitsvorsorge zu fordern. Doch je früher wir damit beginnen, umso früher können wir die Früchte der Vorsorge ernten.

Von Dr. Michael Grössinger, Ärzte Woche 35 /2010

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