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In wirtschaftlichen Krisenzeiten greifen viele Anleger auf die krisensichere Anlage in Gold zurück. Da Gold nicht wertlos werden kann, besteht für das Edelmetall auch kein Bonitätsrisiko.
Fotos (2): Erste Bank

Ronald-Peter Stöferle Goldexperte der Erste Bank

 
Praxis 25. August 2010

Eine Wertanlage, die sicher und stabil bleibt

Gold war die beste Vermögensklasse der vergangenen zehn Jahre. Sein Wert hat sich seit 2001 knapp verfünffacht und konnte auf Euro-Basis rund 13,5 Prozent pro Jahr zulegen.

Wenn andere Werte wie Aktien, Rohstoffe, Währungen oder Immobilien in Krisen gerieten, erwies sich Gold immer als eine sichere Anlage. Als liquider Sachwert bietet Metall sicheren Schutz gegen Inflation und kann zudem weltweit in Geld oder andere Güter eingetauscht werden.

 

Die Nachhaltigkeit des Goldpreisanstiegs wird nach wie vor nicht wahrgenommen. Aufgrund von Goldkäufen seitens der indischen, saudi-arabischen und chinesischen Notenbank waren die Zentralbanken erstmals seit 20 Jahren Nettokäufer. Der Vertrauensverlust in Papiergeldwährungen schreitet voran, die über Jahrhunderte geprüfte Wertbeständigkeit des Goldes manifestiert sich.

Bester Beweis dafür, dass man beim aktuellen Preisniveau von einer Goldblase weit entfernt ist, ist der Vergleich zwischen Staatsverschuldung und Goldbeständen. Würde man die US-Staatsverschuldung mit zehn Prozent Gold decken, so müsste der Goldpreis auf 4.500 US-Dollar steigen. Die Experten der Erste Group prognostizieren mittelfristig einen Goldpreis von zirka 2.300 US-Dollar, auf Jahressicht werden 1.600 US-Dollar je Unze vorhergesagt.

Perfekte Depotversicherung

Die Nachfrage nach Gold seitens der Investoren ist weiterhin im Aufwind. Im Jahr 2009 stieg sie auf 1.270 Tonnen. Besonders ETF’s (Exchange Traded Fonds) – börsennotierte Fonds, die permanent gehandelt werden und in reales Gold investieren – konnten mit 594 Tonnen deutlich zulegen. Langsam dürfte Gold in die Asset Allocation (Streuung des angelegten Kapitals) stärker einfließen, außerdem entdecken Hedgefonds vermehrt ihr Faible für Gold.

Gold wird oft als Investment für Untergangspropheten, Pessimisten und Schwarzmaler, die sich den Untergang des Finanzsystems wünschen, bezeichnet. „Der Aspekt, dass Gold eine exzellente Depot-Versicherung mit jahrtausendelanger Geschichte ist, wird aber oft außer Acht gelassen“, so Ronald-Peter Stöferle, Goldexperte der Erste Bank. Zudem besinnt man sich darauf, dass der Goldbesitz an kein Versprechen einer Regierung, Institution oder Person geknüpft ist.

Harte Währung, weiches Metall

Gold ist das Geld, für das sich der freie Markt im Laufe der letzten Jahrtausende entschieden hat. Gold war schon immer ein Seismograph für den Gesundheitszustand des Finanzsystems, des Geldwesens und der Inflation. Zwar steht die Eurozone derzeit im Blickpunkt der Diskussion, die Turbulenzen sollten jedoch nicht von der weitaus größeren Misere in den USA bzw. Großbritannien ablenken.

Gold ist ein exzellenter Gradmesser für die Qualität von Papiergeld. Es hat kein Liquiditätsrisiko, es wird rund um die Uhr weltweit akzeptiert und gehandelt. Ein Bonitätsrisiko ist bei Gold ebenfalls nicht gegeben, weil Gold nicht wertlos werden kann. „Praktisch alle Papiergeldwährungen zeigen einen klaren langfristigen Abwärtstrend gegenüber Gold. Wir denken nicht, dass die Probleme, vor denen wir stehen, von heute auf morgen gelöst werden können“, begründet Stöferle seine positive Einschätzung des Goldpreises.

Abkopplung vom Dollar

In diesem Jahr hat sich der Goldpreis von der Entwicklung des Dollars abgekoppelt. Die jüngste Beobachtung zeigt, dass ein stärkerer Dollar nicht zwangsläufig einen schwächeren Goldpreis bedeutet. Trotz Dollar-Rallye hielt sich der Goldpreis auf hohem Niveau und markierte ein neues Allzeithoch. Dies ist aufgrund der schwachen Saisonalität bemerkenswert und könnte ebenfalls für eine neue Phase im Bullenmarkt sprechen. Für Bullenmärkte bei Gold sind zwei extrem starke menschliche Emotionen charakteristisch: Furcht und Gier. Die Kombination dieser beiden Faktoren dürfte in der letzten Phase des Trends einen parabolischen Anstieg auslösen. Im Zuge dessen erwarten die Experten, dass das langfristige Kursziel von 2.300 US-Dollar am Ende des Zyklus erreicht wird.

Keine Goldblase in Sicht

Die Unterscheidung zwischen einem Bullenmarkt mit steigenden Kursen und einer Blase fällt vielen Marktteilnehmern schwer. Einige historische Beispiele belegen, dass Gold definitiv keine Blase ist. Derzeit beträgt der Wert der US-Goldbestände knapp 1,85 Prozent des US-BIP. 1940 lag der Wert bei über 20, 1980 bei knapp sieben Prozent. Wenn man Gold mit der historischen Geldmenge vergleicht, so erscheint das aktuelle Preisniveau ebenfalls günstig. Das Chance-Risikoverhältnis für Goldinvestments ist weiterhin exzellent. Nach der technischen Grundannahme „Widerstand wird zur Unterstützung“ dürfte die Marke von 1.000 US-Dollar eine feste Unterstützung sein. Die Experten glauben nicht, dass diese Marke im Laufe des nächsten Jahres unterschritten wird.

„Die Frage, ob der Goldpreis weiter steigt, höre ich seit Jahren. Ich gebe immer die idente Antwort: Der Aufwärtstrend bleibt“, sagt Alfred Grusch, der bei Pioneer Austria den Fonds „Gold Stock“ managt. Seine Anlageempfehlung: „Münzen sind besser als Barren, weil sie liquider und praktikabler sind.“ Österreichische Philharmoniker und kanadische Maple Leaf sollten bevorzugt werden, weil sie den höchsten Reinheitsgrad (Goldgehalt) aufweisen. Goldkäufe sind – wegen der Spesen – erst ab einer Einheit von einer halben Unze sinnvoll. Für ein ausgewogenes Portfolio empfehlen Anlage-Profis fünf bis zehn Prozent des veranlagten Geldes in Gold zu investieren, einerseits in Münzen oder Barren, andererseits in Gold-Wertpapiere.

Was spricht für steigende Goldpreise?
  • Gold bzw. Edelmetalle sind die einzige Vermögensklasse, die sich sowohl in einem inflationären als auch deflationären Szenario nachhaltig behaupten kann.
  • Ein rascher Ausbau der Produktionskapazitäten scheint äußerst unwahrscheinlich. Die stark gestiegenen Abbau-, Energie- und Lohnkosten haben die Preissteigerungen teilweise überkompensiert. Weiters sind die leicht abzubauenden Reserven bereits größtenteils erschöpft, sodass immer tiefer gelegene und somit teurer zu erschließende Vorkommen abgebaut werden müssen. Das „Peak-Gold“-Szenario scheint somit weiterhin intakt.
  • Auch die Tatsache, dass institutionelle Investoren, Staatsfonds und rohölproduzierende Nationen derzeit unterproportional in Rohstoffe und insbesondere in Gold investiert sind, spricht für eine weiterhin steigende Investmentnachfrage.
  • Die Kreditkrise ist noch nicht vorbei, die US-Makrodaten zeigen ein zwiespältiges Bild der US-Wirtschaft und die Probleme am amerikanischen Gewerbeimmobilienmarkt nehmen zu. Die viel zitierte „douple dip“-Rezession (neuerlicher Rückfall in die Rezession) kann nicht ausgeschlossen werden.

Von Mag. Michael Strausz, Ärzte Woche 34 /2010

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