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Foto: photos.com
Allein das Wort „Renovierung“ treibt einem den Schweiß auf die Stirn. Dabei muss nicht unbedingt von ganz vorne begonnen werden.
 
Praxis 6. Juli 2010

Mach es doch selbst!

Renovieren kann Spaß machen.

In der vergangenen Ausgabe verriet ich, mit welchen Hausmittelchen man sich manch groß angelegte Renovierung ersparen und kleine Schönheitsmakel in Räumen selbst beheben kann. Manchmal muss auch etwas tiefer in die Trick- und Werkzeugkiste gegriffen werden, um alten Wänden zu neuem Glanz zu verhelfen. Welche Arbeiten problemlos selbst bewältigt werden können und dazu auch noch Spaß machen, verrät Ihnen diesmal der Raumdoktor.

 

Meine gute Bekannte Caro erstand vor einiger Zeit eine kleine Eigentumswohnung. Voller Stolz wollte sie nicht alles vom Spezialisten machen lassen, sondern sich auch selbst handwerklich einbringen und dem neuen Eigentum ihren ganz persönlichen Stempel aufdrücken. Eine Arbeit, an die sich selbst der Laie gerne heranwagt, ist das Ausmalen der Wände. Caro, die eine ausgeprägte Vorliebe für sämtliche Nuancen der Farbe Pink besitzt, erkundigte sich daher zuallererst nach den richtigen Methoden und der professionellen Handhabung von Pinsel und Rolle.

Bei Dispersionsfarben, die meist in Innenräumen verwendet werden, sollte darauf geachtet werden, stets überkreuzend zu malen. Das bedeutet, dass mit senkrechten Strichen begonnen, die Farbe schließlich waagrecht verteilt und zuletzt noch einmal senkrecht überstrichen werden sollte, um dadurch ein gleichmäßiges Bild zu garantieren. Gearbeitet werden sollte in etwa 50 cm breiten Bahnen, von oben nach unten beginnend und stets in Richtung Lichteinfall. Dabei sollte immer eine ganze Wand in einem Arbeitsgang ohne Pause gestrichen werden, um so Ansatzstellen zu vermeiden.

Spritzen statt streichen

Wem das Ausmalen mit Pinsel und Rolle zu konventionell ist und wer gerne neuestes Gerät ausprobiert, der wird sich für eine Technik erwärmen, die ein wenig an Graffiti erinnert und großen Spaß machen kann. Spritzen statt streichen lautet dann die Devise und der Hobbyheimwerker erspart sich damit Muskelkater und steifes Genick. Mit Farbspritzsystemen können alle Arten von Farben, von der Dispersion über Lasuren bis zu lösungsmittelhaltigen Lacken, gleichmäßig aufgetragen werden. Vor allem schwer zugängliche Flächen an hohen Wänden oder Decken können mit speziellem Gestänge problemlos und bequem gespritzt werden. Diese Geräte haben zwar ihren Preis, können aber in manchen Baumärkten auch preiswert entliehen werden.

Völlig von der Rolle

Achten sollte man bei der Auswahl des geeigneten Anstriches natürlich auch auf die Qualität. Erkennbar wird diese etwa unter dem geheimnisvollen Kürzel DIN EN 13300. Produkte, die mit dieser europäischen Norm gekennzeichnet sind, sollten eine gute Deckkraft gewährleisten. Preisgünstigen Anstrichen wird oft Kalk und Kreide beigemengt, die in der Produktion billiger sind als echte Farbpigmente. Die Farben erscheinen dadurch allerdings weniger brillant, und diese Anstriche können mit der Zeit nicht nur ausbleichen, sondern auch abfärben. Eine billige Wandfarbe kann letztendlich teuer werden, wenn mehrere Lagen notwendig sind, um den gewünschten Anstrich deckend zu gestalten.

Nicht nur frische Farbe kann der Laie selbst an die Wand zaubern. Üblicherweise bringt der „Tüncher“, so der Fachbegriff für den ausführenden Handwerker, den Innenputz per Spachtel, Kelle, Glätter und Reibebrett oder per Maschine – gespritzt - auf die Wand auf. Spezielle Instant-Produkte ermöglichen dem Laien die einfache Verarbeitung des fertig angerichteten Putz per Rolle an die Wand. Werden dem Material spezielle Pigmente beigemischt, erledigen Sie in wenigen Arbeitsgängen Putz- und Farbauftrag in einem. Mit einer zweiten Rolle wird der noch weichen Oberfläche schließlich die putzartige Struktur verpasst. Dieser neuartige Putz lässt sich auch direkt auf eine alte Tapete aufbringen und bringt so alte Dekorationssünden unter einer abwechslungsreichen Struktur zum Verschwinden.

Übermalen lassen sich übrigens auch unschöne Wandfliesen, die ihre besten Zeiten hinter sich haben und nicht einmal mehr als Retrolook durchgehen können. Mit Fliesenlack kann man Wandfliesen in Bad, Küche und WC dauerhaft übermalen, er ist selbst für stark beanspruchte Flächen geeignet. Altmodische Fliesenmuster verschwinden unter frischer Farbe, ohne dass mit viel Lärm, Schmutz und großem Kostenaufwand alte Keramik abgeklopft und neu angebracht werden muss.

Farbenfrohe Heizkörper

Hat man nun Wände und Fliesen modernisiert, bleibt meist noch ein „Schandfleck“ über. Vergilbte und rostige Heizkörper können die Freude an frisch renovierten Räumlichkeiten deutlich trüben. Dabei können auch diese in eine ansprechende Gestaltung mit einbezogen und sogar farbig gestaltet werden. Spezielle Heizkörperlacke ermöglichen, alte Radiatoren in frische und freundliche Farbe zu tauchen. Der alte Anstrich muss dafür nicht völlig abgelöst werden. Es reicht, rostige Stellen mit Schleifpapier zu entfernen und die gesamte Oberfläche ein wenig aufzurauen. Die abgeschliffenen Stellen sollten schließlich mit einer Rostschutzgrundierung nachbehandelt werden. Nachdem der Heizkörper gründlich von Schmutz und Fett befreit wurde, kann man mit dem Lackauftrag beginnen. Spezielle Heizkörperpinsel und Farbrollen, die in die Heizkörperrillen passen, ermöglichen ein problemloses Arbeiten. Zu beachten ist jedoch, dass die Radiatoren nur in kaltem Zustand neu lackiert werden dürfen.

Meine gute Bekannte Caro hat ihr Wohnzimmer schließlich doch bloß beige gestrichen und sogar selbst frisch verputzt. Ganz ohne Pink ging es dann aber doch nicht. Ihre Heizkörper erstrahlen jetzt passend zu den Vorhängen in einem kräftigen Rosa und sehen beinahe wie aus Marzipan aus. „Nur reinbeißen sollte man nicht“, meinte sie. „die werden ganz schön heiß! Aber die Farbe hält trotzdem.“

Von DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 27 /2010

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