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Praxis 30. Juni 2010

Alte Hausmittel für Räume

Eine zeitgemäße Renovierung kann die Sanierung ersparen.

Mit kleinen Ausbesserungsarbeiten verhält es sich so wie mit selbst gekochtem Essen. Vielleicht kann man es sich leisten, öfter mal auswärts zu essen. Dennoch erfreut eine selbst zubereitete Mahlzeit mehr und die Tomate aus eigenem Gemüsebeet schmeckt besser als die aus dem Supermarkt.

 

Die kleinen Dinge im Leben selber und ohne fremde Hilfe erledigen zu können, macht glücklich. Das Gefühl, die Situation im Griff zu haben, ist ein gutes! Dazu müssen Sie nicht neue Decken einziehen können – das beginnt bereits bei den Kleinigkeiten, mit denen Sie die „Wehwehchen“ Ihrer Räume im Griff haben.

Abnutzungserscheinungen an Wänden, Böden und Mobiliar sind unvermeidbar. Doch wer möchte schon hilflos bei jeder Bagatelle gleich einen Handwerker oder Spezialisten hinzuziehen müssen? Auch wer es sich problemlos leisten kann – das Bewusstsein, an der Instandhaltung der eigenen Räumlichkeiten beteiligt zu sein, ist unbezahlbar.

Grundsätzlich ist die Sanierung von der Renovierung zu unterscheiden. Von einer Renovierung spricht man bei der Beseitigung von Abnutzungserscheinungen an der Bausubstanz, die durch den Gebrauch entstanden sind. Werden Räumlichkeiten oder ganze Gebäude umgebaut und umfassenden neuen Anforderungen angepasst, etwa eine neue Dämmung unter dem Bodenbelag eingebaut, spricht man von einer Sanierung. Solch größere Arbeiten sollten Sie den Spezialisten überlassen.

An kleinere Reparaturarbeiten sollten Sie sich aber bewusst heranwagen. Denn dank einiger Tricks und Hausmittel kann man sich so manch groß angelegte Renovierung ersparen.

Erste Hilfe an der Wand

Ein Wandbelag, der in vielen heimischen Räumlichkeiten anzutreffen ist, ist die Raufasertapete. Dieser grobkörnige und robuste Wandbelag kann mehrmals überstrichen werden, selbst danach ist die raue Struktur noch erkennbar. Problematisch ist aber die Beseitigung alter Bohrlöcher. Wo einst ein Bild oder Regal hing, bleibt nachher eine Unebenheit zurück, die zwar zugespachtelt und übermalt werden kann, jedoch nicht mehr über die charakteristische Struktur verfügt. Übrig bleibt eine weithin sichtbare, glatte Spachtelfläche. Oft wird dann mühselig eine neue Schicht der Raufasertapete angebracht, um diese zu kaschieren.

Doch mit einem einfachen Hausmittel kann man sich das sparen – durch den Einsatz von Watte. Diese wird in das Loch gestopft und mit einem kleinen Pinsel und etwas frischer Farbe überstrichen. Die Struktur der übermalten Watte ähnelt der Tapete und wird unsichtbar. Ein kompletter Austausch der Raufasertapete kann dadurch vermieden werden.

Falsch gebohrte Löcher, abgehängte Bilder, Regale oder Lampen – hinter unseren Wand- und Deckenoberflächen verstecken sich wahre Trümmerfelder. Oft bleiben in der Wand Dübel zurück, die zwar überspachtelt oder übermalt werden können, sich aber deutlich an der Oberfläche abzeichnen. Alte Dübel, die in der Wand geblieben sind, lassen sich mit einem Korkenzieher aber wieder entfernen. Einfach ein wenig in den Dübel hineindrehen und dann wie einen Korken hinausziehen. Am besten funktioniert das mit einem Hebelkorkenzieher. Wichtig ist, nicht zu weit in den Dübel hineinzubohren, da er sich sonst im Mauerinneren entfaltet und sich noch mehr darin verankert.

Bohrkrater statt Bohrloch

In altem Mauerwerk halten Dübel und vor allem Nägel oft nur schlecht. Mir selbst ist es schon passiert, dass ich eine Jacke auf einer bereits schwer beladenen Wandgarderobe aufhängen wollte – und schließlich die ganze Garderobe mit lautem Tosen zu meinen Füßen sauste, den Kleiderhaken hielt ich aber noch immer in der Hand. Zurück blieb ein großer Krater in der Wand.

Vor allem in Altbauten ist das Mauerwerk häufig so schwach, dass beim Einschlagen eines Nagels alter poröser Putz wie aus einer überdimensionalen Sanduhr herausrieselt. Auch in diesem Fall hilft ein altes Hausmittel: Der Trick ist es auch hier, ein Stück Watte in frischen Gips zu tauchen und dann um den Nagel zu wickeln. Dieser wird dann in das zu große Loch hineingedreht und nach Austrocknen hat sich der Nagel mit Gips und Mauerwerk verbunden und kann wieder mehr belastet werden.

Große herausgebrochene Löcher in der Wand lassen sich gut mit handelsüblicher Spachtelmasse verschließen. Davor sollte man jedoch unbedingt mit einem Gummihammer die losen Teile wegklopfen. Sie sollten allerdings so wenig Spachtelmasse wie möglich verwenden und achten Sie darauf, dass das Loch bis in die tiefsten Stellen ausgefüllt ist. Führen Sie immer nur kleine Portionen ein und ziehen Sie die Oberfläche gleichmäßig ab. Kontrollieren Sie nach der Trocknung, ob die Fläche eben geblieben ist. Die Oberfläche kann in manchen Fällen ein wenig einsinken und muss nachgespachtelt werden. Nach dem Aushärten kann sie geschliffen, grundiert und neu gestrichen werden.

Wollen Sie Ihren Räumen gleich ein richtiges Facelifting verpassen, hilft dann nur noch, ganz neu auszumalen. Besonders beliebt ist neuerdings spritzen statt pinseln. Was man dabei zu beachten hat, lesen Sie in der nächsten Ausgabe des Raumdoktors.

Von DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 26 /2010

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