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Champagner, Wein & Co. Flüssige Werte als Kapitalanlage Brückner, Michael 250 Seiten, € 34,90 FinanzBuch Verlag, 2009 ISBN 9783898794572

 
Praxis 30. Juni 2010

Edle Tropfen kosten und von den Kosten profitieren

Wein ist eine Wertanlage mit beträchtlichen Steigerungen.

Wer glaubt, Top-Weine seien nur zum Trinken und Genießen da, der irrt. Als Lager- und Anlageobjekte eignen sich „Cheval Blanc“, „Mouton Rothschild“, „Pétrus“, Haut-Brion und einige andere durchaus zur Geldvermehrung.

Wer einen 12-er Karton eines Château Lafite Jahrgang 1982 sein Eigen nennt, kann sich freuen: Als der Wein auf den Markt kam, war die Kiste um 325 britische Pfund zu haben, im Vorjahr waren die zwölf Flaschen 25.000 Pfund wert. Damit hat sich der Preis innerhalb von 27 Jahren um etwa 7.600 Prozent erhöht.

Der Grund für solche Entwicklungen liegt vor allem an der größenmäßig begrenzten Anbaufläche der 20 bis 30 weltweit anerkannten Kultweine, die nicht beliebig erweiterbar ist bzw. an ihre Grenzen gestoßen ist. Die Nachfrage, besonders aus Russland und Asien, nimmt jedoch laufend zu und führte in der Folge zu steigenden Preisen. Längst kaufen nicht mehr nur passionierte Weintrinker und finanzstarke Gesellschaftskreise die edlen Tropfen. Immer mehr institutionelle Investoren interessieren sich für Wein als Anlageobjekt. Die Top-Weine der Spitzenhäuser werden dabei als „Blue-Chip-Weine“ bezeichnet. „Blue-Chip-Weine erzielen in relativ kurzer Zeit hohe Wertsteigerungen. Ich zähle dazu Latour 1961, Mouton-Rothschild 1982, Haut-Brion 1989 und den 1990-er Pétrus“, erklärt Simon Klocker, Chefsommelier des Palais Coburg. Die Käufer unterscheiden dabei zwischen „Consumption Grade“- und „Investment Grade“-Weinen. Rund 90 Prozent der Weine zählen zur ersten Kategorie und werden innerhalb von drei Jahren nachdem sie „auf die Flasche gekommen“ sind, konsumiert. Für Investoren sind diese Tropfen daher völlig uninteressant. Investment-Grade-Weine hingegen sind in den vergangenen 25 Jahren zu einem milliardenschweren (Investment)-Markt herangereift. In diesem Segment werden Weine schlicht als Kapitalanlage betrachtet und können sehr alt werden, weil sie für die weitere Wertsteigerung gebunkert werden.

Vor allem die Spitzengewächse aus Bordeaux bestimmen die Entwicklung des wichtigsten Weinindex der Londoner Internet-Weinbörse (Liv-ex 100). Dieser weltweit anerkannte Indikator für die Entwicklung der internationalen Weinpreise umfasst 100 Spitzengewächse. Der Bordeaux-Anteil beträgt mehr als 90 Prozent, gefolgt von Burgund mit rund fünf Prozent. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre konnte der Index um etwa 150 Prozent zulegen und erreichte im April dieses Jahres sein All-time-High mit einem Index-Wert von 281,21. Damit stieg er allein in diesem Jahr um 18,6 Prozent. Als am stärksten den Kurs beeinflussend gilt die Bewertung durch den ungekrönten US-amerikanischen Weinkritikerpapst Robert Parker (Autor von „The Wine Advocate“), der 100 Punkte für den perfekten Wein vergibt. Die Schwergewichte im Index, Weine der Chateau „Lafite Rothschild“ (aktuelle Jahrgänge: 1986, 1996, 1998-2000 sowie 2003-2006) und „Latour“ (1990, 1995, 1996 sowie 2000-2005), erreichen (fast) jedes Jahr 90 und mehr Punkte und gelten daher als bevorzugte Investment-Grade-Weine. Für die richtige Geldanlage bedeutet dies, dass Investment-Weine nicht unter 96 Punkte liegen sollten.

Wein boomt

Im Ideal kommt man zum ausgewählten Investment-Wein über eine Subskription, bei der die Weine bezahlt werden müssen, bevor sie am Markt erhältlich sind. Wem dies nicht gelungen ist, der kann dies bei vielen Auktionen von Christie´s und Sotheby´s in London und New York oder bei der weltweit größten Online-Plattform eBay nachholen. Allerdings sind die Preissteigerungen enorm. So wurde im April 2007 bei Christie´s in New York eine Kiste Lafite Rothschild um 13.082 Euro verkauft, drei Jahre später erzielte die Kiste beim selben Auktionshaus einen Preis von 33.476 Euro. Alleine im ersten Quartal dieses Jahres erzielten Lafite Rothschild, Masseto & Co eine Preissteigerung von mehr als 160 Prozent. War eine Flasche Lafite Rothschild im März 2009 auf eBay um 138 Euro zu haben, kostete derselbe Wein im März 2010 bereits 360 Euro, eine satte Preissteigerung von 161,87 Euro (Quelle: WPI von WineCollect).

Pro und Contra Wein-Investment
Pro Contra
•  Weine sind knappe Sachwerte, nicht beliebig vermehrbar.
•  Top-Weine und Weinraritäten liegen stark im Trend, unabhängig von Konjunkturschwankungen.
•  Ausgesuchte Spitzenweine sind Globalisierungsgewinner, die von einer steigenden Nachfrage aus den Schwellenstaaten profitieren. Vorübergehende Preisrückgänge infolge starker konjunktureller Schwankungen sind aber nicht auszuschließen und bieten gute Einstiegsmöglichkeiten.
•  Sammlerstolz und Freude am „Kulturgut Wein“ können sich als Zusatzrenditen erweisen.
•  Wer im Wein eine Art diskrete Anlage sieht, sollte stets auf Barzahlung und persönliche Abholung der Ware achten und über seine Schätze im Keller eisern schweigen.
•  Die Wertentwicklung der jüngeren Weine und solcher, die noch vor der Abfüllung auf Flaschen verkauft werden (Subskription oder „en primeur“) lässt sich schwer abschätzen.
•  Einem einzigen Weinkritiker (Parker) kommt gewaltiger Einfluss auf die Preisentwicklung zu.
•  Zum Teil intransparenter Markt, kompetente Beratung ist gerade für Einsteiger unverzichtbar.
•  Keine laufenden Renditen.





Von Mag. Michael Strausz, Ärzte Woche 26 /2010

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