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Praxis 22. Juni 2010

Hard- und Software – Ansprüche in der Praxis

Seit Einzug der E-Card ist bei Ärzten die Anzahl der EDV-Anwender gestiegen.

Die einfache Bedienung ohne langwierige Schulungen sowie Übersichtlichkeit (vor allem ein strukturierter Aufbau), so dass das Softwareprogramm von einem Nicht-IT-Profi problemlos benutzt werden kann, sind Grundvoraussetzungen von IT-Lösungen für Ärzte.

 

Neben der Möglichkeit, Computerprogramme intuitiv zu bedienen, sind der modulare, jederzeit erweiterbare Aufbau des Leistungsumfanges ein Muss für Ärzte-Software. So werden Einzelmodule für Labor, Befundung, Terminplanung, Hausapotheke und ähnliche Bedürftnisse angeboten. „Einfachheit ist großartig, aber jeder Arzt sollte mehrere Erweiterungs-Optionen haben, wenn mehr Komplexität und intelligente Umsetzungen der sich ständig ändernden Anforderungen der Krankenkassen und des Hauptverbandes gefragt sind“, sagt IT-Experte DI Alexander Hecht. Der Umstand, dass Ärzte für Vorsorgeuntersuchungen, die nicht elektronisch übermittelt werden, weniger bezahlt bekommen, zeige bereits, was in Zukunft zu erwarten ist. Dazu gehört auch eine selbständig vom Anwender ausführbare Exportfunktion der Daten nach den Vorgaben der Ärztekammer. Damit haben die Ärzte, wenn sie unzufrieden sind, jederzeit die Möglichkeit, ihre IT-Lösung zu wechseln und trotzdem mit den übernommenen Ordinationsdaten weiterzuarbeiten.

Flexibilität ist gefragt

Auch mehrere Schnittstellen zu anderen Lösungen und die Möglichkeit, bei zusätzlichen Geräten, wie beispielsweise Druckern, unterschiedliche Modelle einzusetzen, statt alles beim selben Anbieter anschaffen zu müssen, kennzeichnen leistungsfähige IT-Lösungen. „Und PC-Software sollte prinzipiell immer auf dem letzten Stand der Windows-Betriebssysteme laufen“, betont der Experte.

Schließlich ist es wichtig, das Augenmerk auf IT-Verträge zu richten, die nicht zu langjährigen Verpflichtungen („Knebelungsverträge“) einem Anbieter gegenüber führen. „Die Qualität hängt primär von der Erfahrung und Kompetenz des Softwareentwicklers ab. Somit ist wohl der empirische Ansatz zur Qualitätsbewertung (Erfüllungsgrad der Anforderungen plus Defekte/Jahr) der einzig praktikable Weg zur Beurteilung der Qualität, mit dem Nachteil, dass diese je Benutzer individuell ist und nur beschränkt auf den Prozessreifegrad des Anbieters Rückschlüsse zulässt“, so Rainer Hörbe, Geschäftsführer der Kismed Health Professional Service GmbH. Gute Softwaresysteme bieten zahlreiche Zusatzfunktionen für die tägliche Arbeit wie Bürofunktionen (etwa Aussendungen und Serienbriefe), Kassenabrechnungen, integrierte Adressverzeichnisse und Terminkalender.

Was die Hardware können muss

„Ich war immer ein Verfechter von Markengeräten mit dem Argument, dass auf diesem hart umkämpften Markt nur die Größten überleben und man bei kleineren No-Name-Anbietern plötzlich ohne Support und Ersatzteile dasteht“, sagt Hecht. Weiters sind Geräte mit Standard-Komponenten und marktüblichen Betriebssystemen gegenüber Exoten oder veralteten Versionen vorzuziehen, die bei Problemen den Wechsel zu einem anderen Anbieter erschweren oder sogar unmöglich machen. Zu beachten ist außerdem, dass Bilddateien sehr viel Speicherplatz benötigen, was beim Kauf der Hardware unbedingt zu berücksichtigen ist. Außerdem: Bilder aus fremden Quellen sollten in möglichst einfacher Art und Weise in das EDV-System eingespielt werden können.

EDV in der Wahlarztpraxis

„Die häufigste IT-Form in Wahlarztordinationen ist das Zweiplatzsystem“, weiß ÄK-NÖ-Präsident Dr. Christoph Reisner. Der Zugriff auf die Karteikarten ist jederzeit möglich, denn die EDV-gestützte Karteiführung ermöglicht die automatische Erstellung aller notwendigen Drucksorten, sobald die Grunddaten erfasst wurden. Stammdaten müssen ein einziges Mal eingegeben werden und können für sämtliche Formulare (Rezepte, Zuweisungen, Verordnungen, Briefe, Honorarnoten etc.) ohne zusätzlichen Zeitaufwand verwendet werden. „Die gesamte Honorarverwaltung läuft im Hintergrund, die Verwaltung von offenen Forderungen oder die Etablierung eines Mahnwesens ist relativ simpel“, erklärt Reisner. Ein weiterer Vorteil: Der Platzbedarf ist durch den Wegfall von Lagerungsschränken langfristig geringer, bei Zunahme der Patientenzahl muss keine Erweiterung vorgenommen werden. Um Datensicherheit zu gewährleisten, sind mehrere unabhängige Konzepte zielführend. Reisner: „Das Sichern sollte möglichst einfach in der Handhabung sein, bei großen Datenmengen und damit verbundenen langen Zeiten empfiehlt sich die Installation einer automatischen Sicherungsroutine während der Nachstunden.“ Bewährt hat sich, mindestens ein mobiles und ein stationäres Konzept zu verwenden. Dafür bieten sich Medien wie mobile CD-Brenner und Zip-Drives sowie der Einsatz eigener Sicherungsmedien – etwa ein zweiter PC – an.

Kosten der Praxis IT
• Software: einmalig 1000 - 10000€ (Einzelplatz bis Großpraxis mit komplexen Geräteeinbindungen)
• Wartung: 50 - 120€ (reine Produktwartung, optional Medikamentenupdates, Homepage, etc.)
• Betriebsumgebung: Notebook 1000€, 3 PCs + Server ca. 6000€ über 5 Jahre (variiert stark);
• ASP-Lösung für 3 Plätze: 300€/Monat
• e-Card: 40/80€, Befundprovider 0 - 35€, Internet 20-40€

Von Mag. Michael Strausz, Ärzte Woche 25 /2010

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