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Illustration: DI Niel Mazhar
In Südafrika ist jedes Werbe- und Verkehrsschild potenzielles Baumaterial.
 
Praxis 8. Juni 2010

Auf Raumsafari in Südafrika

Der Raumdoktor auf Entdeckungsreise in der Regenbogennation – Teil 1.

In wenigen Tagen wird zum ersten Mal der Fußball-Weltmeister auf afrikanischem Boden ermittelt. Es drohen somit rund um den Globus zahlreiche Streitigkeiten um das Fernsehprogramm, auch wenn der Fußballsport heute immer mehr zum geschlechterübergreifenden Phänomen wird. Um dieses Event nicht nur geschlechter-, sondern auch themenübergreifend zu gestalten, begibt sich der Raumdoktor bei der Suche nach neuen Inspirationen auf Designsafari in das Austragungsland der Fußball WM 2010.

 

Bei der Bewerbung Südafrikas als Austragungort für das Sportevent hatte der Weltfußballverband (FIFA) anfangs Zweifel, ob das Land aufgrund großer sozialer Probleme dafür geeignet wäre. Ich selbst hatte vor einigen Jahren Gelegenheit, Südafrika zu besuchen, um in dem Township Orangefarm nahe Johannesburg an einem Bauprojekt teilzunehmen, und war fasziniert vor Begeisterung wie auch Betroffenheit. Dem Besucher des Landes wird schnell klar: Südafrika besticht durch seine landschaftliche und abwechslungsreiche Schönheit und Multikultur ebenso wie durch erschreckende Armut und hohe Kriminalität.

Mitten in dieser Armut und Unsicherheit gibt es aber immer wieder Wunderbares zu entdecken. Die Menschen verstehen es, trotz des Elends in den Townships nicht den Mut und ihre Lebensfreude zu verlieren, und machen aus der Not eine Tugend. Viele Menschen müssen in notdürftig zusammengebauten Wellblechhütten hausen. Doch selbst dort beweisen sie Kreativität und schöpferischen Lebensgeist. Die Außenwände der Hütten werden zum Teil mit bunten Werbe- und Straßenschildern verschönert und erinnern dabei an moderne Kunstwerke. Auch im Inneren der Hütten wird der Phantasie freier Lauf gelassen, statt Tapeten wird Verpackungsmaterial aus Karton an die Wand geklebt. Die wiederholte Aneinanderreihung der immer gleichen Verpackung wird so zu einem farbenfrohen Ornament mit einzigartiger Wirkung. Die Südafrikaner fürchten sich auch nicht vor großflächigem Einsatz satter Farbtöne, um ihrem – eigentlich tristen – Alltag ein kunterbuntes Freudenfeuer zu verleihen.

Farbe versüßt das Leben

Wer ein wenig von dem sogenannten „Ethnostil“ in heimische Räumlichkeiten einfließen lassen möchte, kann in Südafrika viel dazulernen. Ob modern-urbaner oder traditionell-vorkolonialer Ethnostil – das Geheimnis südafrikanischer Gestaltungskraft und seiner magischen Wirkung liegt im richtigen und mutigen Einsatz von Farbe, Material und Muster, die auf unterschiedlichste Art und Weise interpretiert und abgewandelt werden können.

Wer sich etwa eher traditionell von klassisch afrikanisch-vorkolonialer Ästhetik inspirieren lassen möchte, muss sich keineswegs ein Zebrafell an die Wand hängen. Er muss auch nicht einen ganzen Raum vollständig nach diesem Thema einrichten, im Gegenteil, das kann schwer und drückend wirken, erst recht, wenn es sich um repräsentative Räumlichkeiten handelt. Es reichen oft schon wenige Details am Rande, um typische Akzente zu setzen. Beispielsweise durch eine verzierte Tür, die in einem satten Rotbraun gestrichen ist.

Mit den Farben Afrikas

Manchmal reicht es schon, jene Farben, die wir mit Afrika assoziieren, in den Raum zu bringen, etwa eine ockerfarbene Wand hinter dunklem Holzmobiliar. Konzentrieren Sie sich auf den Einsatz warmer, erdiger Kolorierungen und Materialien. Dazu reichen manchmal bereits ein paar wenige Accessoires, etwa eine Ansammlung von roh wirkenden, eventuell bemalten Töpfereien. In Kombination mit dunklem und modernem Mobiliar sehen solche klassisch afrikanischen Schmuckgegenstände lässig und edel aus. Man kann sich auch einen Teppich aus Naturfaser an die Wand hängen, etwa dort, wo Gefahr von Verunreinigungen droht. Prinzipiell kann man vielerlei Mobiliar, Materialien und Accessoires kombinieren, die einen schwarzbraunen bis beigen Farbton mit rötlichem Einschlag besitzen. Besonders wuchtig wirkendes massives Holzmobiliar aus dunklem Holz, breite Lehnsessel und niedrige Beistelltische lassen sich hier gut integrieren. Vor allem auf einem auffallend gemaserten Parkettboden kommt dieser Stil schön zur Geltung.

Schöne Resultate kann man auch mit aufwendig gemusterten Textilien aus Südafrika erzeugen. Diese sind auch im Sortiment einiger spezialisierter Einrichtungs- und Dritte Weltläden zu finden. Mit diesen bunten, zum Teil schrillen Textilien und auffälligen Mustern, die auf den aufwendigen Sonntagkleidern der Südafrikanerinnen zu finden sind, kann man Möbel und Wandpartien verkleiden, Pölster und Vorhänge schneidern und so aufregende Effekte erzielen.

Vor allem Streifen und einfache grafische Muster in Schwarzweiß sind für diesen Look geeignet. Diese Textilien lassen sich ohne großen Aufwand von einem Urlaubstrip in Südafrika mitnehmen.

Wer glaubt, dass solch ein Südafrika-Flair nach Souvenirkitsch aussehen muss, der irrt. Prinzipiell sind nicht einmal afrikanische Masken oder Strohkörbe tabu, wenn man weiß, sie originell einzusetzen. So habe ich schon eine Wand gesehen, an die dicht an dicht typische afrikanische Strohschalen gehängt worden waren. Diese mit einfachen geometrischen Mustern versehenen Schalen verschiedener Größen wirkten durch Wiederholung und Rhythmus der Anordnung wie ein spannendes räumliches Ornament.

Südafrika ist ein widersprüchliches Land, wunderschön wie gefährlich. Wer den Besuch scheut, verpasst die Gelegenheit, Farben und Lebensgeister der vielen Völker der „Regenbogennation“ zu erleben. Weitere Tipps von der Raumsafari in Südafrika lesen Sie in der nächsten Ausgabe des Raumdoktors.

 Tei 2 lesen Sie hier.

Von DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 23 /2010

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