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Praxis 5. Mai 2010

Innere Möbelmonologe

Hungrig sollte man nicht einkaufen gehen. Das gilt auch für den Möbelkauf.

Der Neuerwerb von Möbeln beginnt zuhause in den eigenen vier Wänden. Noch bevor Sie den Möbelkauf antreten, sollten Sie sich darüber klar werden, womit Sie den Heißhunger Ihrer leeren Räumlichkeiten stillen wollen, woran es fehlt und was ihrem persönlichen Stil am besten entspricht.

 

Zuallererst ist es wichtig, sich in einer ruhigen Minute hinzusetzen, um sich mit Stift und Zettel bewaffnet in einen „Möbelmonolog“ zu vertiefen. Entscheidungen müssen getroffen werden – aber erst, nachdem Sie die richtigen Fragen gestellt haben.

Vorab sollten Sie den Bedarf in den einzurichtenden Räumlichkeiten festlegen. Für wen und wie viele Personen wird der Raum eingerichtet? Wie groß muss der Arbeitstisch sein? Vielleicht reicht ein einzelner großer Schreibtisch, oder sollten es besser zwei kleinere sein, um anfallende Arbeiten klarer aufteilen zu können? Wie viele Personen sollen in einem Warteraum einer Praxis Platz nehmen können? Welche Altersgruppe benutzt vorwiegend das Mobiliar? In einer Kinderarztpraxis sollte man etwa auf Möbel achten, die nicht nur verletzungssicher, sondern auch besonders robust und pflegeleicht sind. Ein empfindlicher Bezug einer Sitzgarnitur wird neugierigen Kinderhänden nicht lange Widerstand leisten können.

Lassen Sie sich vom Heißhunger nach neuem Mobiliar nicht verführen! Nehmen Sie vorher Maß! Bevor Sie neues Interieur im Laden unter die Lupe nehmen, sollten Sie genau kontrollieren, wie viel die auszustattenden Räume überhaupt vertragen. Üben Sie sich in Genügsamkeit – ein voller Magen studiert nicht gern, ein vollgestellter Raum blockiert die Bewegungsfreiheit. Nicht nur wo Möbel stehen, sollte definiert werden, sondern auch ganz bewusst, welche Flächen frei bleiben müssen. Vermessen Sie daher die Fläche, damit die Einrichtung funktioniert und Durchgänge unverstellt bleiben. Am besten geschieht dies, indem Sie den Grundriss aufzeichnen, darauf Handlungsbereiche definieren und mit ausgeschnittenen Möbelschablonen die notwendigen Größen und Platzierungen ausprobieren. Übrigens sind nicht nur die Maße des Raumes und der Möbel ausschlaggebend – bei großformatigem Mobiliar, das nicht zerlegt werden kann, sollten Sie unbedingt Lift, Stiegenhaus und Durchgänge abmessen, um sicherzustellen, dass es auch an den dafür vorgesehenen Platz gelangt.

Abhängig von Budget und den individuellen Bedürfnissen gibt es zahlreiche Möglichkeiten: Interieur von der Stange, Tischler-Anfertigungen nach eigenen Vorstellungen oder exklusive Designermöbel, die in begrenzter Stückzahl produziert werden. Maßmöbel nach eigenen Vorstellungen können sich am besten den Dimensionen des Raumes anpassen. Veränderungen im Nachhinein sind aber nur mehr schwer möglich. Besonders sinnvoll sind Spezialanfertigungen freilich für Einbaukästen und Staueinheiten in sonst ungenutzten Nischen (oder Dachschrägen).

Wer Veränderung liebt, wird sich eher für kleinformatiges und flexibles Mobiliar in Form von voneinander unabhängigen Einzelelementen entscheiden, die sich einfach umstellen, unnützen oder austauschen lassen. Auch in einer Arztpraxis können sich Arbeitsumstände und Bedürfnisse mit der Zeit ändern, mit flexiblem Mobiliar sind sie dann vielleicht besser beraten.

Worauf hat der Raum Appetit?

Nachdem die wichtigsten Fakten festgehalten worden sind, sollten Sie sich für einen Stil, eine Wohnphilosophie, bestimmte Farben oder Materialien entscheiden, nach denen Sie Ausschau halten möchten. Betritt man Möbelgeschäfte, ohne sich im Vorhinein Gedanken darüber gemacht zu haben, welche Richtung man verfolgt, kann das schnell dazu führen, dass man sich für Möbel entscheidet, die auf den ersten Blick zwar gefallen, jedoch nicht ins Gesamtbild passen. Daher hilft es, zunächst jene Möbel zu betrachten, die Sie schon besitzen. Möchten Sie diesen Stil fortführen? Entscheiden Sie sich für eine klassische Stilrichtung wie Biedermeier, Moderne oder Landhausstil, oder möchten Sie sich an einen Stilmix heranwagen? In letzten Fall sollte eine Komponente wie Farbe oder Material die Kombination verschiedener Stilrichtungen vereinigen. Gleiches gilt bei der Integration von neuem Mobiliar in ein Ensemble aus bereits vorhandenem Interieur. Die neuen Stücke sollten den alten Liebhaberstücken nicht die Show stehlen.

Neutral beginnen

Können Sie in Ihren Räumlichkeiten ganz von vorn beginnen, beginnen Sie möglichst neutral, das erleichtert eine spätere Erweiterung. Je einfacher austauschbar das Möbel, umso auffälliger darf es sein. Informieren Sie sich über eine Nachkaufgarantie, wenn Sie sich für eine bestimmte Linie eines Möbelhauses entschieden haben. Ähnlich wie bei kostbarem Porzellan, können so fehlende Stücke immer wieder ergänzt werden. Vor allem renommierte Büromöbelhersteller gewährleisten diese auch vertraglich, selbst Jahre später können einzelne Elemente zu einem guten Preis nachgekauft werden.

Um ihren individuellen Stil zu entdecken und gezielt einkaufen gehen zu können, sollten Sie im Vorfeld für ausreichend Material zur Inspiration sorgen. Dies können Zeitschriften, Bücher, aber auch alte Kinofilme sein, wenn Sie einen Retrolook bevorzugen. Selbst Postkarten, Fotos oder ein Lieblingsgemälde, das bereits in Ihren Räumlichkeiten hängt, gibt Aufschluss darüber, welche Farbe, welches Material, welche Epoche oder Stimmung Sie bevorzugen. Sie sollen sich mit ihren neuen Möbeln wohl fühlen. Dies gelingt am besten, wenn Sie durch das Interieur eine Atmosphäre schaffen, mit der Sie vertraut sind. Lassen Sie sich Zeit – auch wenn der Magen knurrt und der Durst nach neuem Mobiliar groß ist, denn übereilt zusammengewürfeltes Mobiliar ist im Nachhinein oft nur schwer zu verdauen.

Von DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 18 /2010

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