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Foto: Erste Group
Vladimíra Urbánková Pharmasektor-Analystin der Erste Group
 
Praxis 13. April 2010

Im Osten viel Neues

Veranlagung: Analysten favorisieren CEE-Pharma-Aktien.

Nachdem die Ost-Pharmakonzerne „Gedeon Richter“, „Egis“ und „Krka“ bei den Investoren im Vorjahr in Ungnade gefallen sind, steigt 2010 ihre Attraktivität dank ihres defensiven Charakters und ihres langfristigen Wachstumspotenzials.

2009 waren die CEE (Central & Eastern European)-Märkte dank der wiederkehrenden Risikoneigung der Investoren begünstigt. So konnten Polen, Tschechien, Ungarn & Co wegen der Zuflüsse in Schwellenländer-Aktienfonds und steigender Handelsumsätze ihre Rückgänge wieder aufholen. Defensive Branchen, wie Pharma und Versorger, konnten trotz der rückläufigen Risikoaversion nicht in diesem Ausmaß profitieren: Ihre Kursentwicklung fiel hinter jene der Banken, Immobilienwerten und zyklischen Branchen (Banken, Industrie) zurück und wurde im vierten Quartal 2009 sogar negativ. „Da das wirtschaftliche Umfeld labil bleibt und sich der Wirtschaftsabschwung weiterhin in den Ergebnissen der Zykliker niederschlagen wird, könnten sich die Investoren 2010 wieder den defensiven Titeln zuwenden“, schätzt Vladimíra Urbánková, Pharmasektor-Analystin der Erste Group. „Unserer Einschätzung nach können dann der Bereich Healhtcare – insbesondere die Generika-Produzenten – zum Zug kommen.“

Positives Branchenumfeld

Der Ausblick ist durchaus ermutigend: CEE-Pharmaunternehmen können auf allen großen regionalen Märkten – selbst in der schwer geprüften Ukraine – mit einer Rückkehr auf den Wachstumspfad rechnen. Durch die Aufwertung des Rubels und die Erholung der Ölpreise fasst der russische Markt wieder Tritt. Gemeinsam mit den demographischen Faktoren wie Überalterung der Bevölkerung und der damit steigenden Bedeutung des öffentlichen Gesundheitswesens sollte der stetige Fortschritt bei der Vermarktung innovativer Arzneimittel der Pharmabranche in den kommenden Jahren Dynamik verleihen. Obwohl durch das Wirtschaftswachstum in Zukunft mehr Mittel für den Gesundheitsbereich zur Verfügung stehen werden, bleibt das Kostenbewusstsein der Produzenten ungebrochen. Die öffentliche Hand wird darauf drängen, die Rückerstattung der Medikamentenkosten so günstig wie möglich zu gestalten. Einerseits begünstigt dies die Generika-Produzenten, andererseits wird der Druck, konkurrenzfähige Preise anzubieten, weiter zunehmen. Die Analystin der Erste Group erwartet aufgrund dieser Rahmenbedingungen künftig solide Geschäftsergebnisse der Pharma-Firmen.

Ungarische Exportschlager

Im Gegensatz zum Vorjahr können die stark exportorientierten ungarischen Pharmafirmen heuer nicht mehr mit dem stützenden Effekt eines schwächeren Forint (HUF) rechnen. Die Stabilisierung der ungarischen Währung bedeutet, dass die Finanzergebnisse kurzfristig nicht mehr so stark schwanken dürften. Die allgemeine Verbesserung der makroökonomischen Situation wird den ungarischen Pharmafirmen zugute kommen. Der Fortschritt bei Forschung und Entwicklung verspricht steigende Kurse bei Richter. Egis sollte das zumindest teilweise Schließen der Bewertungslücke positiv beeinflussen. Die Kursziele liegen für Richter bei 48.200 HUF (179 Euro), für Egis bei 21.755 HUF (81 Euro). Dies bedeutet ein Kurssteigerungspotenzial von 17 Prozent (Richter) bzw. 15 Prozent (Egis). Die Erste-Analysten halten somit bei beiden Unternehmen an ihrer Empfehlung zu „akkumulieren“ (gutes Einstiegsniveau für Zukäufe nutzen) fest. Das Kurspotenzial liegt bei 17 Prozent (Richter) bzw. 15,4 Prozent (Egis). Die RCB (Raiffeisen Centro Bank)-Analysten geben für Egis und Gedeon Richter eine „Halten“-Empfehlung ab.

Krka als Kaufempfehlung

Krka, mit der Firmenzentrale im slowenischen Novo Mesto, zählt zu den weltweit führenden Generikaproduzenten. Der Fokus liegt auf verschreibungspflichtigen Medikamenten, die als Eigenmarken vermarktet werden, ergänzt durch OTC-Produkte zur Selbstmedikation, Körperpflegeprodukte und Tiermedikamente. Das Umsatzwachstum verlief im Vorjahr gedämpft, heuer ist mit einem einstelligen Wachstum zu rechnen. Dennoch sollte sich das Unternehmen stabil entwickeln, wobei die Ertragslage durch die hohe Innovationskraft gestärkt wird. „Bis zu einer Kurserholung könnte es noch etwas dauern, doch laden die derzeit niedrigen Kurse zu einem Einstieg ein. Bei einem revidierten Kursziel von 92 Euro/Aktie bestätigen wir unsere ‚Kaufen‘-Empfehlung“, betont Urbánková. Das Wachstumspotenzial beträgt 40 Prozent.

Polnischer Insulinproduzent

Beim Insulinproduzenten Bioton werden für 2009 tiefrote Ergebnisse erwartet, doch falls die Umstrukturierungspläne umgesetzt werden, ist der Ausblick nicht so düster. Unter Berücksichtigung der schlechter als erwartet ausgefallenen Zwischenergebnisse für 2009, der Verzögerungen bei der Veräußerung von Bioton Wostok und der Markteinführung von Insulin in China (40 Mio. Diabetiker) beträgt das neue Zwölf-Monatskursziel 0,21 PLN (0,05 Euro) je Aktie gegenüber zuletzt 0,26 PLN (0.07 Euro). Die Analystin der Erste Group bleibt bei ihrer Einschätzung auf der sicheren Seite und bekräftigt ihre „Halten“-Empfehlung.

Fazit: „Auch 2010 wird die Entwicklung der CEE-Pharmatitel, die Anlegern in turbulenten Zeiten einen sicheren Hafen bieten, von der positiven Anlegerstimmung beeinflusst werden. Da die Branchenführer derzeit weit unter ihren früheren Höchstständen bewertet sind, bleiben sie auch langfristig attraktiv“, so Urbánková.

Unternehmen-Kurzportraits

Egis: Die ungarische Egis, die zu 51 Prozent im Besitz der französischen Servier steht, gehört zu den führenden Pharmafirmen in Zentraleuropa. Der Fokus liegt auf der Entwicklung und Vermarktung von Generika zur Bekämpfung von kardiovaskulären Krankheiten sowie von Krankheiten des Nerven- und Atmungssystems.

Gedeon Richter: Der ungarische Pharmakonzern konzentriert sich auf Forschung und Entwicklung und die Herstellung von „Fertigarzneimitteln“, Wirkstoffen und Zwischenprodukten für die Herstellung von Arzneimitteln. Der Fokus liegt auf Medikamenten für das Zentralnervensystem, Anti-Ulcus-Mitteln und oralen Kontrazeptiva. Die Produktion erfolgt in Ungarn in Budapest und Dorog. Richter hat Niederlassungen in 30 Ländern und vertreibt seine Produkte in mehr als 100 Ländern.

Krka: Der in Slowenien (Novo mesto) beheimatete Generika-Produzent erzielte im Vorjahr einen Umsatz von 951 Mio. Euro, der Nettogewinn stieg auf 170 Mio. Euro (+ 6% geg. 2008). Die wichtigsten Produktgruppen sind verschreibungspflichtige Arzneimittel (83,4%) und OTC-Produkte (9,4%). Die Marktkapitalisierung betrug Ende 2009 rund 2,3 Mrd. Euro, das sind 27 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung der Laibacher Börse.

Kurse von Krka, EGIS und Gedeon Richter
 KrkaEGISGedon Richter
31.03.2009 52,93 11370 25250
30.04.2009 58,88 12165 28590
29.05.2009 70,94 14200 29300
30.06.2009 69,3 17495 34800
31.07.2009 71,13 19075 36950
31.08.2009 72,81 19910 38050
30.09.2009 72,1 19600 38100
30.10.2009 72,4 19800 39100
30.11.2009 68,39 18900 42400
31.12.2009 63,96 18810 42900
29.01.2010 66,07 18200 41460
26.02.2010 64,01 19350 41190
31.03.2010 72,69 21190 42500

Von Michael Strausz, Ärzte Woche 15 /2010

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