zur Navigation zum Inhalt
Foto: Privat
 
Praxis 7. April 2010

Aufklärung – auch bei Impfungen ein Muss

Die Patienteninformation stellt gerade bei einer Vakzination hohe Ansprüche an den Arzt.

Die ärztliche Aufklärung über Diagnose, Therapie und Behandlungsrisiko bildet den Grundstein eines vertrauensvollen Arzt-Patienten-Verhältnisses. Hierbei wird zwischen Selbstbestimmungsaufklärung und Sicherungsaufklärung unterschieden. Während Letztere erst im Stadium der fortgeschrittenen Behandlung an Relevanz gewinnt, nämlich dann, wenn der Arzt den Patienten über die Folgen von Fehlentwicklungen im Heilungsprozess informiert, bezieht sich Erstere, wie der Name erkennen lässt, auf die Selbstbestimmung des Patienten.

Nach ständiger Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs ist eine ordnungsgemäße Aufklärung zwingend notwendig, um den Patienten die selbstbestimmte Einwilligung in die Behandlung zu ermöglichen. Wird dieser Pflicht, die sich aus dem Behandlungsvertrag ergibt, nicht entsprochen, stellt die durchgeführte Behandlung einen rechtswidrigen Eingriff in die körperliche Integrität des Patienten dar und kann zivil- und strafrechtliche Folgen nach sich ziehen.

Vor allem in der jüngeren Rechtsprechung ist die Aufklärung von großer Bedeutung. Arzthaftung ist nun nicht mehr nur von negativen Behandlungsfolgen abhängig. Ist ein Behandlungsfehler nicht nachweisbar, kann der behandelnde Arzt dennoch zur Haftung herangezogen werden, wenn er eine ordnungsgemäße Aufklärung nicht nachweisen kann. Aufklärungsbögen können dabei zur Unterstützung eingesetzt werden, sie können aber niemals das persönliche Gespräch ersetzen. Der beste Beweis für die korrekt erfolgte Aufklärung ist nach wie vor die ausführliche Dokumentation ebendieses Gesprächs.

Obwohl die Aufklärung bei operativen Eingriffen juristisch wohl die größte Relevanz hat, fallen unter den Begriff Behandlung ebenso kleinere Eingriffe wie Impfungen.

Typische Risiken aufgreifen

Grundsätzlich muss über alle typischen Risiken der Behandlung aufgeklärt werden, keineswegs aber über alle nur erdenklichen. Wenn Schäden nur in sehr seltenen Fällen auftreten und davon ausgegangen werden kann, dass diese bei einem verständigen Patient für seinen Entschluss, in die Behandlung einzuwilligen, nicht ernsthaft ins Gewicht fallen, ist über diese nicht aufzuklären. Würde über alle nur erdenklichen, noch so schlimmen und seltenen Risiken aufgeklärt werden, würden wohl viele Patienten vor einer an sich sinnvollen Behandlung zurückschrecken.

Wie bei jeder anderen Behandlung muss auch bei Impfungen nicht über jedem Durchschnittspatienten bekannte und objektiv unbedeutende Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Blutergüsse, aufgeklärt werden. Ist für den behandelnden Arzt allerdings erkennbar, dass eigentlich objektiv unbedeutende Nebenwirkungen für den konkreten Patienten aus besonderen Gründen wichtig sind, hat er ihn über diese gewissenhaft aufzuklären.

Da der Patient lediglich glaubhaft zu machen hat, dass er, wäre er korrekter aufgeklärt worden, seine Einwilligung in die Behandlung nicht erteilt hätte, trifft den Arzt die Last für den Beweis des Gegenteils.

Auch bei Impfungen gilt der Grundsatz: Je weniger dringlich der Eingriff, desto höher die Anforderungen an den Aufklärungsumfang. Ist die angestrebte Impfung für den Patienten nämlich keineswegs notwendig, wird er, wenn ein gewisses Risiko besteht, wohl genauer darüber nachdenken, ob er die Impfung wirklich will. Dies vor allem dann, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass eine der Nebenwirkungen auftritt, größer ist, als die Wahrscheinlichkeit, an der durch die Impfung vorgebeugten Krankheit zu erkranken. In diesem Fall werden besonders hohe Ansprüche an den aufklärenden Arzt gestellt.

Zur Person
Dr. Mathias Preuschl

Der Autor des Beitrages ist als Rechtsanwalt bei der Wiener Kanzlei Prochaska Heine Havranek Rechtsanwälte GmbH (PHH) hauptsächlich im Strafrecht, streitigem Zivilrecht sowie Vertragsrecht tätig. Die Mitautorin, Sonja Schirmer, ist juristische Mitarbeiterin bei PHH.

PHH Rechtsanwälte GmbH Julius-Raab-Platz 4 / Eingang Franz-Josefs-Kai 1 1010 Wien Tel.: +43 1 714 24 40 Email: office@phh.at Web: www.phh.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben