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Foto: DI Niel Mazhar
Wandverkleidungen und Bodenbeläge aus Stein verhindern Beschädigungen.
 
Praxis 23. März 2010

Weise ist, wer auf Stein baut

Gestein schafft einen interessanten Kontrast zur akkuraten Praxisgestaltung.

Von der Spätantike bis ins 19. Jahrhundert hinein glaubten Alchemisten an die Existenz einer Materie, die universale Kräfte in sich vereinigt. Dieser „Stein der Weisen“ sollte unedle Metalle in Gold verwandeln können und, als Medizin eingenommen, verjüngen. Der Lapis philosophorum mag eine Illusion der Alchemisten gewesen sein, doch wer klug ist, setzt auch heute noch auf die Weisheit der Steine.

 

Bis heute werden dem Stein heilende Wirkungen zugeschrieben. Manche schwören auf den therapeutischen Effekt von Heilsteinen, und vulkanisches Gestein wird in der Hot-Stone-Massage verwendet. Unumstritten ist jedenfalls die ästhetische Wirkung der schier unendlichen Vielfalt an Natur- und Kunststeinen.

Ideenklau im Garten

Stein hat in der Architektur seine tragende Funktion verloren. Massive Hauswände werden kaum mehr aus Stein gebaut. Diese Aufgabe hat der Beton übernommen. Ein Einsatzgebiet, in dem sich das Gestein dennoch gehalten hat, ist die Gartengestaltung mittels Einfassungen, Stufen, Steinbänken und Bruchsteinmauern, die heute genauso gemauert werden wie vor Tausenden von Jahren. Gehen Sie an die frische Luft und sammeln Sie Ideen aus dem Garten, die sich auch auf Innenräume anwenden lassen!

Wie beim „Stein der Weisen“ kommt es auch in der Innenraumgestaltung auf die richtige Mischung an. Stein kann bestens mit Materialien wie Glas, Holz und Metall kombiniert werden. Er wirkt unaufdringlich und kann als Basis einer gelungenen Innenraumgestaltung eingesetzt werden. Wer sich für Stein als Bodenbelag entscheidet, kann damit ausgewählte Raumzonen veredeln und in einem lebhaften Wechselspiel der Materialien mit anderen Belägen kombinieren.

Die besonderen Eigenschaften der meisten Steinsorten, wie ihre Belastbarkeit und Abriebfestigkeit, machen sie besonders für den stark beanspruchten Eingangsbereich interessant, etwa in Form eines Podestes, das sich vor dem Eingang erhebt und so einen Übergang schafft. Nässe kann einem Steinfußboden nicht viel anhaben. Werden die allgemein zugänglichen Bereiche einer Arztpraxis in Stein ausgeführt, schafft das auch Klarheit und erleichtert dem Patienten die Orientierung. Ähnlich einem Gartenweg, könnte der spezifische Belag ihn ins Wartezimmer führen, wo eine halbhohe Steinmauer den Wartebereich zum Eingangsbereich abgrenzt und gleichzeitig eine Sitzgelegenheit bietet. Auch halbhohe Wandverkleidungen aus Stein in Warte- und Durchgangsbereichen können sinnvoll sein, weil resistent gegen Beschädigungen (siehe Bild).

Steinmauern im Innenraum müssen keineswegs massiv ausgebildet sein. Moderne Natursteinleichtbauplatten wiegen nur wenige Kilogramm. Sie können auch auf nicht tragende Wände montiert werden und wirken dennoch wie aus einem Block gehauen. Der Handel bietet sogar millimeterdünne Furnierplatten aus Schiefer oder Sandstein an, die biegsam sind und wie eine Tapete aufgebracht werden können.

Seriöse Natürlichkeit

Medizinische Institutionen zeichnen sich durch ihre absolute Perfektion und Präzision aus. Stein kann diese ein wenig kontrastieren, ohne die seriöse Wirkung zu stören. Gebrochene, raue Oberflächen können eine natürliche Wirkung und Tiefe entfalten, während geschliffenes und poliertes Gestein durch seine Struktur und farbige Brillanz hervorsticht. Je nach Verlegungsmuster an Wand und Boden kann der eine oder andere Charakter des Materials hervorgehoben werden. Werden Steinplatten etwa im Polygonmuster verlegt, also verschiedene Größen und Formen zusammengefügt, können die Kanten gebrochen aussehen, was ihnen Natürlichkeit verleiht; werden sie dagegen zu geraden Polygonen geschnitten, wirken sie modern. In beiden Fällen entsteht eine lebendige, mosaikähnliche Struktur, die in schönem Kontrast zu einer sonst akkuraten Praxisgestaltung steht.

Nicht nur im Sinne der Nachhaltigkeit empfiehlt es sich, Steinsorten aus der Umgebung zu verwenden. Abbau und Verarbeitung des Natursteins verursachen kaum Umweltbelastungen, und kurze Transportwege verbessern die Ökobilanz. Überdies fügen sich lokale Steinsorten harmonischer an Fassaden und Innenräumen ein, da sie einen direkten Bezug zur Umgebung herstellen. Eine kleine Dosis vom „Stein der Weisen“ kann Ihre Arztpraxis in einen Ort verwandeln, der vielleicht nicht aus Gold, sehr wohl aber für die Ewigkeit gebaut zu sein scheint.

Von DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 12 /2010

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