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Illustration: DI Niel Mazhar
Enge Räume können durch metallische Oberflächen vergrößert werden.
 
Praxis 9. März 2010

Glanz im Glück

Nicht alles, was glänzt, mag Gold sein. Doch in der Raumgestaltung zählen die formbaren Werte.

In der letzten Folge pries ich den kühlen, sachlichen Charakter metallischer Baustoffe. Tatsächlich aber kann man von „einem“ Charakter dieses Werkstoffes kaum sprechen. Der Vorteil von Materialien wie Chrom, Stahl oder Aluminium ist, dass sie stets das sind, was wir in ihnen sehen wollen. Blank poliert passen sie sich ihrer Umgebung an und geben sie wieder, matt oder beschichtet halten sie sich dezent im Hintergrund und wirken unaufdringlich. Metall in all seinen Erscheinungsformen ist das Chamäleon unter den Baustoffen.

 

Von meinem letzten Besuch der ungarischen Hauptstadt ist mir vor allem ein Denkmal am Rande des Budapester Stadtwäldchens Városliget in Erinnerung geblieben. Tatsächlich kann ich mich weder an den Künstler erinnern noch an Widmung oder Zweck, sehr gut aber an die Details seiner Oberflächen. Im Grundriss bildet das Denkmal ein Dreieck, das an einer Spitze als Monolithen aus spiegelglattem Metall in der Sonne glänzt. Nach außen hin löst sich der silbern schimmernde Block immer mehr auf, faltet sich die Oberfläche zunehmend und wird rau und rot, bis an den Enden der dreieckigen Basis nur noch einzelne rostfarbene Metallpfeiler übrig bleiben.

Dieses Denkmal mitten in Budapest zeigt die vielfältigen Erscheinungsformen des Baustoffes Metall. Auf wenigen Metern wird man mit Glanz und Niedergang dieses Materials konfrontiert. Kaum ein Baustoff kann mit seinen verschiedenen Daseinszuständen dermaßen makellose Präzision wie auch Verfall und Vergänglichkeit symbolisieren.

In erster Linie zeichnen sich metallische Baustoffe daher durch ihre Anpassungsfähigkeit aus. Ihre – je nach Bearbeitung – mehr oder weniger glänzenden Oberflächen geben die Farbtöne und Lichtstimmung der direkten Umgebung wieder.

Stahl und Aluminium sind dadurch Baustoffe, die jene Rolle annehmen, die ihnen zugewiesen wird. Sie können die Stimmung ihrer Umgebung verstärken und wirken stets repräsentativ, verlässlich und „stark“. Besonders gerne werden Metalle daher als Wandverkleidungen in repräsentativen Einrichtungen eingesetzt. Kleine Räume werden durch den edel glänzenden Werkstoff optisch vergrößert und aufgewertet, sie schaffen eine charakteristische und offene Atmosphäre und verstärken den seriösen Charakter einer Institution.

Ein Ort, für den metallische Werkstoffe dank dieser Eigenschaften als Einsatzgebiet besonders geeignet sind, ist der Eingangsbereich. Wandverkleidungen im maßangefertigten Kleid sind daher dort angeraten. Angefangen von einer massiven, akzentuiert beleuchteten Eingangstür aus schwerem Stahl, die mit dem Emblem und Namen der Praxis versehen werden kann. Auch ein einfaches, großformatiges Schild an der Decke, hinterleuchtet und aus roh bearbeitetem Edelstahl, das wie ein Segel den Besucher empfängt und weiterleitet, kann so einen großartigen Effekt erzeugen.

Magnetische Atmosphäre

Seine Formbarkeit und andere Vorteile dieses Materials gilt es auszunutzen. An Wandpaneelen lässt sich dort alles befestigen – Haken und Leisten für die Garderobe; die Wand selbst kann durch die Blechverkleidung nicht nass oder verunreinigt werden. Haken können in Lochbleche sogar einfach eingehängt und hinterleuchtet werden, was eine magische Atmosphäre schafft. Die magnetische Eigenschaft der meisten Metalle lässt sich etwa an einem „Chatboard“, einem schwarzen Brett mit Informationen für den Patienten, nutzen. Metall kann individuell bearbeitet werden, geprägt, gestanzt, ausgeschnitten, graviert und gestrichen, mit Mustern versehen und noch auf viele andere Arten aufgewertet werden. Auch die Form einer Garderobe, die schließlich zum Mobiliar am Patientenempfang und zum Infopult wird, ist überlegenswert – aus Metallblechen sind attraktive Einzelanfertigungen realisierbar (siehe Bild).

Zusätzlicher Vorteil solcher Paneele aus Aluminium oder Stahlblech ist, dass sie einfach modular gefertigt und in eine Unterkonstruktion eingehängt werden können. Dahinter lassen sich dann elektrische Installationen, Leitungen und selbst praktischer Stauraum verstecken, der dennoch jederzeit zugänglich bleibt.

Es gilt also die Formbarkeit metallischer Baustoffe auszunutzen. Das war nicht immer selbstverständlich. Am Anfang seiner Karriere als Baumaterial imitierte man noch Säulen griechischen Stils, die jedoch bei weitem nicht so viel Materialaufwand erforderten. Das Ergebnis waren glänzende Metallsäulen, die jedoch ein wenig verhungert und abgemagert in ihrem neuen Kleidchen aussahen. Glücklicherweise lernten die Baumeister doch noch mit dem neuen Material umzugehen und erkannten, dass Glanz allein nicht glücklich macht. Nutzen auch Sie daher die vielfältigen Erscheinungsformen der Metalle, ihren mannigfaltigen Eigenschaften entsprechend.

Von DI. Niel Mazhar, Ärzte Woche 10 /2010

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