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Praxis 16. Februar 2010

Mit eisernem Willen

Der „Ironman“ unter den Baustoffen vermittelt den Fortschritt.

Vor einigen Wochen erläuterte ich die Vorteile des natürlichen Baustoffs Holz. Wem dieser Rohstoff zu rustikal ist, dem stehen jene Elemente des Periodensystems zur Verfügung, die spätestens seit der industriellen Revolution das Holz schrittweise aus den Hausmauern zu verdrängen versuchten: die Metalle. Wie kaum ein anderes Material vermitteln sie in verschiedensten Legierungen Fortschritt und Wissenschaft und eignen sich daher gut für den Einsatz in einer Arztpraxis.

 

Ganze Epochen der Geschichte wurden nach Metallarten und Legierungen benannt. Von der Kupfer- über die Bronze- bis zur Eisenzeit, in der sich die Menschheit früh dem glänzenden Material mit Leib und Seele verschrieb. War dieser Werkstoff nicht mehr so unhandlich wie der gute alte Feuerstein der Steinzeit und dennoch nicht ganz so leicht wie das Holz, so war er doch ein starkes und widerstandsfähiges Material, das zu großen Veränderungen in der Gesellschaft führte und als Zahlungsmittel die ersten Kassen klingeln ließ. Bis es als Baumaterial seinen Siegeszug antrat, mussten jedoch noch einige Jahrtausende vergehen.

Mit Schirm, Charme und Metall

Metalle haben im Vergleich zu anderen Baustoffen den Vorteil, dass sie hohen Lasten standhalten können und Präzision in der Fertigung erlauben. Metallische Baustoffe versprühen einen kühlen, technischen Charme, vermitteln Sauberkeit und werden daher besonders gerne in technischen und wissenschaftlichen Anstalten in der Innenraumgestaltung eingesetzt.

Als metallische Baustoffe werden im Innenraum vor allem Stähle und Aluminium verwendet und kommen dort meist als Unterkonstruktionen für Sessel, Tische und Kästen wie auch als repräsentative Wandverkleidungen zum Einsatz. Voll-Edelstahlmöbel kennt man etwa aus der Gastronomie, wo man stets guten Geschmack beweist und die Möbel besonders widerstandsfähig sein müssen.

Stahlrohrmöbel fanden seit den 1920er Jahren ihren Eingang in die Innenräume. Zuerst wurden sie aufgrund ihres technoiden Designs für Krankenhäuser und Gefängnisse entworfen, vielleicht weil diese beiden Anstalten damals in ihrer ästhetischen Erscheinung allzu leicht miteinander zu verwechseln waren. Ein Designklassiker aus dieser Zeit, der dem neuen Material Stahl mit seiner bahnbrechenden Form gerecht wurde, war der Freischwinger, der sich noch heute großer Beliebtheit erfreut. Dieser Stuhl ohne Hinterbeine, der beim Sitzen leicht nach hinten schwingt, trieb mir als etwas kräftigerer Teenager stets den Angstschweiß ins gerötete Gesicht. Tatsächlich ist es mir einmal passiert, dass sich ein solcher Freischwinger von der Vorsilbe „frei“ löste und sich dank meines Gewichts vollständig zu Boden „schwang“. Dennoch ist Stahlrohr ein guter Werkstoff, auf den man sich verlassen kann. Das Traditionsunternehmen Thonet produziert noch heute zeitgemäße, zum Teil gepolsterte Interpretationen dieses Designklassikers, denen man selbst bei größerem Eigengewicht vertrauen kann.

Wer das Metallmöbel aus einem Guss und auf vier Beinen bevorzugt, sollte sich bei den Gartenmöbeln umsehen. Dieses sehr robuste Mobiliar eignet sich auch für den Innenraum, sofern der Boden kratzfest ist. Es kann sogar originell wirken, eine Gartenbank in einem Wartezimmer aufzustellen und durch zusätzliche Begrünung das Thema Garten aufzugreifen. Es entsteht ein schöner Kontrast aus hochwertigen Metallmöbeln mit klaren Linien oder verspielten Gartengarnituren mit dem Flair einer grünen Innenraumoase.

Trägt auch die dicksten Akten

Der sachliche Charakter des Materials passt auch besonders gut zu Regal und Staueinheiten in Räumen, in denen technisches und wissenschaftliches Gerät dominiert. Akten- und Garderobenschränke, Rollwagen und Bücherregale aus Stahl- oder Aluminiumblechen eignen sich für eine Arztpraxis. Einige Büromöbelhersteller bieten Regale an, die so zart dimensioniert sind, dass sie kaum mehr sichtbar sind und das Utensil darauf zu schweben scheint. Dies ist der hohen Festigkeit veredelter Metalle zu verdanken, die selbst bei geringem Materialaufwand sehr belastbar bleiben.

Selbst der ein oder andere recycelte alte Büroaktenschrank vom Antiquitätenhändler oder Flohmarkt kann in einem Wartezimmer seinen Platz finden. Doch hier ist Vorsicht geboten. Der Charme alter Blechobjekte kommt nur dann richtig zur Geltung, wenn er so in Szene gesetzt wird, dass er bewusst als Pointe in einem sonst modern eingerichteten Umfeld verstanden werden kann. Was im Wartezimmer als Zeitschriftenaufbewahrung originell wirkt, kann in einem Behandlungszimmer fehl am Platz sein. Oder würden Sie einem Arzt vertrauen, der seine Medikamente und medizinisches Gerät aus einem alten rostigen Rollwagen hervorholt?

Futuristisches Design

Da Metallmöbel neutral wirken, können sie mit vielen anderen Materialien kombiniert werden, vor allem mit den Werkstoffen Glas und Kunststoff. Besonders Ersteres ergänzt die bläulich schimmernden Oberflächen metallischer Baustoffe gut. Die Kombination von Stahl und Aluminium mit Glas und raffiniert gesetzten Lichtquellen schafft eine seriöse Stimmung. Erweitern kann man diesen futuristischen Look noch mit Spiegeln, die zusätzliche Tiefe und Glanz verleihen.

Bei all der Liebe zu sachlich kühlem Metall-Design sollten Sie jedoch auch nicht darauf vergessen dem Raum ein wenig Farbe zu verleihen. Dies gelingt besonders gut mit auffälligen Kunstobjekten, etwa einem Gemälde in warmen Farbtönen in großem Format, Fotografien oder Skulpturen, die die sachlich, neutrale Wirkung metallisch schimmernder Oberflächen kontrastieren und auflockern.

 

Lesen Sie mehr über den Baustoff Stahl in der nächsten Ausgabe des Raumdoktors.

Von DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 7 /2010

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