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Foto: www.pixelio.de/Klaus Thormann
 
Praxis 2. Februar 2010

Kollegen auf der Schulbank

Ordinationen sind förderungswürdige Unternehmen – ebenso wie deren Mitarbeiter.

Für die Beschäftigung und Weiterbildung von Mitarbeitern in der Ordination gibt es einige Unterstützungsmöglichkeiten – unter anderem durch das AMS und das Bundessozialamt.

 

Nach wie vor wird die Arztordination nur ungenügend auch als Wirtschaftsunternehmen verstanden, das ein Anrecht auf Förderungen in Bereichen wie Qualifizierung und Weiterbildung von Mitarbeitern sowie Beschäftigung von Menschen mit Behinderung hat. „Die geförderten Bereiche sind in allen Bundesländern ähnlich. Bei der Dauer und der Höhe der Förderung gibt es allerdings große Unterschiede. Außerdem ändern sich ständig die Rahmenbedingungen – teilweise jährlich“, analysiert Mag. Maria Ebner. Die Unternehmensberaterin ist in Linz auch als Supervisorin sowie Coach tätig und derzeit unter anderem an einem Projekt beteiligt, das Unternehmen über die Angebote des Bundessozialamtes informiert.

Ebner empfiehlt einen zeitgerechten Kontakt mit der regionalen Geschäftsstelle des Arbeitsmarktservice (AMS) oder der Landesstelle des Bundessozialamtes. „Je konkreter die Situation in der Ordination vorab analysiert wurde, Bedürfnisse formuliert und die detaillierten Arbeitsbereiche beschrieben werden, für die ein Mitarbeiter gesucht wird, umso besser läuft das Zusammentreffen.“ Allerdings, so die Unternehmensberaterin, sind alle Förderungen immer nur Kann-Leistungen, Rechtsanspruch darauf besteht nicht.

Nicht in die Irre führen lassen

So unterstützt das AMS etwa die Einstellung von Personen, die in der Statistik als „langzeitarbeitslos“ oder als „schwer vermittelbar“ geführt werden. Diese Zuschreibungen sagen aber nur wenig bis gar nichts über die tatsächliche Qualifikation einer Person aus, denn teils lassen sich so sehr engagierte Menschen finden, die schon lange auf eine neue Chance im Berufsleben warten. Ebner: „In diese Gruppe fallen beispielsweise oft hochqualifizierte Wiedereinsteiger.“ Für Neueinsteiger in den Arztberuf kann eine andere Förderung des AMS interessant sein: Wenn ein Ein-Personen-Unternehmen erstmals jemanden einstellt, kann es als Förderung bis zu 25 Prozent des Bruttogehalts erhalten.

Altersteilzeit und Bildungskarenz

Ein weiteres AMS-Service ist die Qualifizierungsförderung. Zielgruppe sind hier Menschen ab 45 Jahren, die keine Matura oder vergleichbare Ausbildung haben. „Wer vor dem Beginn von Qualifizierungsmaßnahmen für eine Person dieser Gruppe beim AMS ansucht, kann bis zu drei Viertel der Kurskosten refundiert bekommen, maximal 10.000 Euro pro Jahr und Antrag“, erklärt Ebner. Bevorzugt gefördert werden Bildungsmaßnahmen von Anbietern, die das Erwachsenengütesiegel tragen. Auch für andere Kurse ist eine Förderung möglich, dies sollte jedoch im Vorfeld abgesprochen werden. Ähnliche Kriterien gelten übrigens bei Inanspruchnahme einer Unterstützung durch ein Bildungskonto, das etwa in Wien oder in Oberösterreich angeboten wird.

Ebenfalls vom AMS gefördert wird die Altersteilzeit, bei der sich Arbeitgeber und -nehmer darauf einigen, dass der Mitarbeiter seine Beschäftigung z.B. auf 50 Prozent der Arbeitszeit reduziert. Er erhält während dieser Zeit 75 Prozent des Gehalts, wobei das AMS für den finanziellen Mehraufwand aufkommt. Bis Ende 2010 beträgt das Zugangsalter für Frauen 53 Jahre, für Männer sogar 58 Jahre. Ab 2011 wird diese Altersgrenze jährlich um ein halbes Jahr angehoben.

Das ganze Team umschulen

Zu der Frage, welche Schulungen sich für einen Mitarbeiter eignen, organisiert das AMS bei Bedarf eine Qualifizierungsberatung, hilft bei der Organisation entsprechender Angebote und beim Formulieren von Unterstützungsansuchen. Diese Beratung kann auch für das gesamte Team in Anspruch genommen werden, etwa wenn eine vollständige Umstellung der EDV ansteht und die Mitarbeiter entsprechend umgeschult werden müssen.

Im Rahmen einer Weiterbildung besteht auch die Möglichkeit einer Bildungskarenz: Diese kann zwischen drei und zwölf Monate dauern. Der Mitarbeiter erhält vom AMS einen bestimmten Teil seines Lohnes weiter bezahlt und muss für diese Zeit gewisse Bildungsmaßnahmen vorweisen – „es ist aber auch eine Möglichkeit, jemanden zu unterstützen, der eine Auszeit nehmen möchte“, ergänzt Ebner.

Beschäftigung von Menschen mit Behinderung

„Beim Wort Behinderung denken viele an Menschen, die nur eingeschränkt im Arbeitsleben einsetzbar sind. Aber ‚Behinderung‘ kann sehr unterschiedliche Erscheinungsformen haben, etwa Krankheiten wie Diabetes oder Schwerhörigkeit“, so Ebner. Das Bundessozialamt gewährt für einen Zeitraum zwischen zwei und drei Jahren eine Integrationsbeihilfe, wobei der Betrag gestaffelt ausbezahlt wird.

Weitere Beihilfen gibt es, wenn ein Mitarbeiter während seiner Beschäftigung durch Unfall oder Krankheit eine bleibende Behinderung erleidet und weiter beschäftigt wird. Dabei ist es genauso möglich, Kosten für spezielle Bildungsmaßnahmen für diese Person anteilig refundiert zu erhalten. Um eine Entgeltbeihilfe zu erhalten, ist es nötig, dass sich der Betroffene einen Feststellungsbescheid ausstellen lässt – dieser gilt dann allerdings für den Rest des Erwerbslebens.

Fazit

Die Bandbreite der Möglichkeiten, für die Mitarbeiter der Ordination Unterstützungen und Förderungen von öffentlichen Stellen zu erhalten, ist groß. Der Arzt als Unternehmer sollte diese allerdings auch nutzen.

 

 Webtipps:

http://www.kursfoerderung.at/ – Förderungen für Weiterbildungspläne

 

http://www.bib-atlas.at/ – Ein Überblick zur Vielfalt der Informations-, Beratungs- und Orientierungsangebote für Beruf und Bildung in Österreich

 

www.berufsinfo.at/bildungsfoerderung/default.htm – Informationen über Förderungen zum Thema Aus- und Weiterbildung nach Zielgruppen oder nach Bundesländern

 

www.checklist-weiterbildung.at – unterstützt bei der Auswahl von Bildungsangeboten, die WebSite enthält auch zahlreiche Links

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 5 /2010

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