zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 21. November 2008

Am Puls des Wissensnetzes

Die besten Webtipps zum Thema Kardiologie.

Eine Auswahl der besten Internet-Links: Wo es Audio-Vorträge von Kardiologie-Kongressen gibt, wie nach Fachzeitschriften recherchiert werden kann und was „Knol“ von Google zu bieten hat.

 

Sind Sie an den Inhalten des Kongresses 2008 der European Society for Cardiology (ESC) interessiert? Es fehlte Ihnen aber an Zeit oder Gelegenheit, diese Tagung persönlich zu besuchen? – Das lässt sich locker via Internet nachholen.

Auf www.escardio.org, der Website der 55.000 Mitglieder starken Fachgesellschaft, sind zahlreiche Vorträge der großen Kardio-Veranstaltung abrufbar, die von 30. August bis 3. September in München stattfand. Über die Links „ESC Congresses and Meetings“, „ESC Congress 2008“ und schließlich „Webcasts 2008“ wird von der Homepage ausgehend eine Subseite erreicht, auf der nicht weniger als 250 Internet-Versionen von Referaten zugänglich sind. Neben Tonaufnahmen sind auch Power-Point-Präsentationen verfügbar.

Das inhaltliche Spektrum der Aufzeichnungen reicht von Arrhythmien und Herzinsuffizienz bis zu nicht-invasiven bildgebenden Verfahren in der Koronardiagnostik. Im Bereich „Acute Coronary Syndroms“ besteht beispielsweise die Möglichkeit, sich ein aktuelles Bild über die Sicherheit von Medikamente abgebenden Stents zu machen. Dazu können Vorträge von drei Kollegen aus den USA, Deutschland und Israel angehört werden.

Einhundert Kardio-Links

Wie sich weitere nationale und internationale kardiologische Fachgesellschaften und Ausbildungsinstitutionen im Internet präsentieren, lässt sich unter anderem über die Website der „Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft“ (ÖKG) geordnet abrufen. Auf www.atcardio.at gibt es unter „Service“ eine Sammlung von rund 100 Kardio-Links aus den Bereichen „Universitäten und Institute“ sowie „Gesellschaften und Organe“. Selbstverständlich enthält die ÖKG-Page auch Hinweise auf eigene Veranstaltungen. Eine Auflistung der Arbeitsgruppen fehlt ebenfalls nicht – von jener für „Prävention und Atherosklerose“ über jene für „Herzchirurgie“ bis zu jener für „Rehabilitation und Sekundärprävention“.

Weiters wird auf das „Journal für Kardiologie“ verwiesen. Nähere Informationen zu dieser österreichischen Zeitschrift für Herz-Kreislauferkrankungen, die vom Präsidenten der ÖKG Prof. Dr. Kurt Huber vom Wiener Wilhelminenspital herausgegeben wird, können unter www.kup.at/kardiologie nachgelesen werden. In einer der aktuellen Ausgaben finden sich beispielsweise ein Update der ÖKG-Guidelines für die ambulante kardiologische Rehabilitation und Prävention sowie ein umfassender Schwerpunkt zum Thema „Gender Kardiologie“.

Zeitschriften im Überblick

Wer sich einen weitergehenden Überblick über online verfügbare wissenschaftliche Journale – und speziell solche aus dem Bereich Kardiologie – verschaffen will, kann dafür die elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) nutzen. Diese ist unter anderem über ub.meduniwien.ac.at zugänglich, die Website der Bibliothek der Medizinischen Universität Wien. Der Link „e-journals“ ist mit der Startseite der EZB-Datenbank verknüpft, die von rund 500 Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen genutzt wird.

Das elektronische Archiv wurde ursprünglich von der Unibibliothek Regensburg in Kooperation mit der Bibliothek der Technischen Universität München entwickelt. Es wird laufend optimiert und der Bestand im Bereich „Medizin“ umfasst aktuell bereits rund 8.000 Journale – fast ein Viertel mehr als noch vor zwei Jahren. Diese Zeitschriften können per Mausklick von A bis Z aufgelistet werden: vom „10/90 Report on Health Research“ bis zu „Zzhong guo yi yao yan jiu“, dem „Chinese Journal of Medicine Study“.

Anhand von „Ampelsymbolen“ ist jeweils auf einen Blick ersichtlich, ob die Volltexte der einzelnen Publikationen für alle Internetbenutzer „lizenzfrei und kostenlos zugänglich“, nur „für die Medizinische Universität Wien freigeschaltet“ oder über diese Ausbildungsinstitution „nicht zugänglich“ sind. Inhaltsverzeichnisse und Abstracts sind auch im zuletzt genannten Fall meist frei abrufbar.

Recherche nach „Cardio“-Journalen

Über das Suchfenster kann in der gesamten Datenbank oder auch nur innerhalb des Fachgebietes Medizin speziell nach solchen Zeitschriften gesucht werden, die Angaben wie „cardio“, „kardio“ oder „herz“ im Titel führen. Für die Suchanfrage „heart“ werden beispielsweise nicht weniger als 41 Journale aufgelistet – vom „American Heart Hospital Journal“ und dem „British Heart Journal“ bis zum „Texas Heart Institute Journal“. Zu „Hypertension“ finden sich 18 Einträge in der Datenbank, unter anderem die Zeitschriften „Hypertension Canada“ oder das „Journal of the American Society of Hypertension“. Weiters ist auch die deutsche Zeitschrift „Nieren und Hochdruckkrankheiten“ in der EZB erfasst.

Weitere Journal-Archive

www.doaj.org ist eine weitere Datenbank, die für Journal-Recherchen jeder Fachrichtung empfehlenswert ist. Das „Directory of Open Access Journals“ (DOAJ) ist ein Web-Angebot der Bibliothek der Universität von Lund in Schweden. Aktuell ist dieses via Internet nutzbare Archiv bereits auf rund 4.000 Journale angewachsen, die online freien Zugang zu ihren kompletten Inhalten ermöglichen. Ein Kriterium für die Aufnahme in das DOAJ-Verzeichnis ist, dass bei den betreffenden Zeitschriften eine redaktionelle Qualitätskontrolle stattfindet. Über die Links „Health Sciences“ und „Medicine“ können hier für den Bereich „Cardiovascular“ 41 Journale aufgelistet werden.

Einen übersichtlichen Zugang zu Fachzeitschriften aus dem Bereich der Medizin und der Biowissenschaften gibt es auch auf www.pubmedcentral.nih.gov. Die Website wird vom National Institute of Health der USA betrieben. Hier ist auf einen Blick ersichtlich, ob die Inhalte der aufgelisteten Journale sofort oder erst nach einer Sperrfrist frei zugänglich sind. Um speziell nach kardiologischen Zeitschriften zu suchen, muss wiederum ein Eingabefenster genutzt werden.

Wer sich speziell für Online-Versionen von wissenschaftlichen Publikationen interessiert, darf an dieser Stelle nicht zuletzt auf www.springerlink.com verwiesen werden, einen umfassenden Service der Springer Verlags GmbH. Nach einer kostenlosen Registrierung kann hier nicht nur in 1.250 Journalen, sondern zudem in über 10.000 Büchern recherchiert werden. Zusammenfassungen sind für alle User einsehbar, Volltexte für Abbonenten oder indem für den einmaligen Abruf bezahlt wird.

knol.google. com: Googles Wissensplattform
Wikipedia zählt zu den letzten noch verbliebenen Konkurrenten des großen Platzhirschen Google, der kaum noch Platz für seine Mitbewerber lässt. Der Marktführer für die Suche im Internet war zwar bestrebt, die Online-Enzyklopädie aufzukaufen oder zu sponsern – doch deren Betreiber blieben standhaft ihren Prinzipien treu und somit auch unabhängig. Kennt man Googles Verlockungen nicht, so weiß man diese Hartnäckigkeit gar nicht hoch genug einzuschätzen. Seit Juli hat Google jedoch eine eigene Wissensplattform zum Mitmachen in einer Test- oder „Beta-Version“ frei geschalten. Seit Ende Oktober ist dieses neue Webangebot nicht nur mit einer englischen, sondern auch mit einer deutschen, französischen, italienischen, portugiesischen und arabischen Oberfläche verfügbar. Wer sich einen ersten Eindruck von knol.google.com machen will, sollte seine Recherchen dennoch vorerst in englischer Sprache durchführen. Die Zahl der deutschsprachigen Einträge ist noch zu gering, um relevante Resultate zu liefern. Zum Thema „cardiology“ werden bei „Knol“ hingegen rund 120 Artikel aufgelistet. Diese befassen sich zum Beispiel mit „Coronary Bypass Surgery“ oder auch mit „Pharmacologic Stress Testing and Imaging“. Zu den Autoren zählen Universitätsprofessoren aus den USA sowie Mitglieder von Fachgesellschaften wie der European Society of Cardiology oder des American College of Cardiology. Dies ist auch einer der wichtigsten Unterschiede zwischen Knol und Wikipedia: die Autoren werden mit Namen genannt und können sich nach Wunsch auch mit einer kurzen Beschreibung und einem Foto präsentieren. Während es bei Wikipedia einen gemeinschaftlichen Artikel pro Thema gibt, darf bei Knol jeder seinen eigenen Artikel schreiben. Dieser kann von anderen Usern bewertet werden – mit bis zu fünf Sternchen. Wikipedia soll freies Wissen sammeln und strebt dabei größtmögliche Objektivität an. Der Google-Konzern will hingegen mit seiner Wissensplattform auch durch Werbung Geld verdienen. Ob sich das neue Konzept zu einer ernsthaften Konkurrenz für Wikipedia entwickeln kann, werden die kommenden Monate zeigen. Das Kurzwort „Knol“ steht übrigens für: „A unit of knowledge“.

Von Mag. Dietmar Schobel, Ärzte Woche

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben