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Foto: Privat
Der Arzt Dr. Martin Georg Millauer mit seiner Gattin Barbara, die als Arzthelferin auch ein Teil des Praxisteams ist.
 
Praxis 1. Dezember 2009

Gemischtes Doppel

Welche Voraussetzungen sollen Ärzte und Ärztinnen erfüllen, bevor sie mit ihrem Lebenspartner in einer Ordination gemeinsam arbeiten.

Wird aus einem Lebensbündnis auch ein berufliches Miteinander bzw. umgekehrt, so müssen klare Vereinbarungen hinsichtlich Verteilung von Verantwortlichkeiten und konkreten Aufgaben getroffen werden.

 

Die verschiedenen Modelle von Gruppenpraxen sind für Ehe- bzw. Lebenspartner im Bereich der Allgemeinmedizin nur sehr selten eine Option. „Auf einer Kassenstelle können nicht zwei Ärzte gleichzeitig arbeiten“, betont Dr. Martin Georg Millauer, niedergelassener Internist in Stainz sowie Praxisreferent der Ärztekammer Steiermark. Ist der Partner selbst Arzt, könnten entweder beide als Wahlärzte tätig sein oder aber nur ein Partner ist Kassenarzt. „Vorgeschrieben ist dann eigentlich eine klare räumliche Trennung zwischen Kassen- und Wahlpraxis“, erklärt Millauer. Eine wiederholt anzutreffende Variante sei die Übernahme von Aufgaben wie Schularzt oder von Aufgabenfeldern eines Gemeindearztes durch einen Partner. Auch ist möglich, so Millauer, dass ein Partner als Internist, der andere als Allgemeinmediziner tätig ist – beide mit Kassenvertrag und an einer gemeinsamen Adresse. Vertretungsaufgaben könnten in jedem Fall übernommen werden, „aber eben nur in Krankheits-, Urlaubs- oder Fortbildungszeiten“.

Keine Bevorzugung des Partners

Deutlich mehr Frauen als Männer übernehmen in der Arztpraxis Aufgabenfelder aus dem Bereich der Arzthelferin – wobei Barbara Millauer auf den stark steigenden Anteil von Frauen in der Ärzteschaft hinweist und „gespannt ist, wie viele Männer als Arzthelfer tätig werden.“ Egal ob Frau oder Mann: „Der Partner darf im Vergleich zu anderen Angestellten der Ordination nicht übergebührlich mehr verdienen, auch nicht in Form verschiedener Zuschläge. Dies wird vom Finanzamt nicht akzeptiert“, mahnt Martin Millauer zur Vorsicht. Mehr Verdienst könne nur dann gewährt werden, wenn jemand eine deutlich höhere Qualifikation aufgrund der Ausbildung oder Berufserfahrung hat. Ebensowenig dürften dem Lebenspartner freiwillige Versicherungsleistungen zugestanden werden, wenn dies nicht für alle anderen im Ordinationsteam gilt. Im Team sollte es darüber Transparenz geben, um unnötige Neidgefühle zu verhindern. „Ich bin als Arzthelferin einerseits ‚die Chefin‘, gleichzeitig arbeite ich im Team mit – somit ist es oft wichtig, mit viel Fingerspitzengefühl eine Rolle als Vermittlerin zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern zu spielen“, sagt Barbara Millauer.

Mögliche Konfliktfelder zuvor abklären

„Die Zusammenarbeit von Lebenspartnern in einer Ordination birgt ein wahres Minenfeld an möglichen Konflikten“, sagt Martin Millauer und berichtet von Ärzten, die diese Form des Miteinanders schon nach wenigen Monaten wieder beendet haben. „Den eigenen Mann oder die eigene Frau als Vorgesetzten zu haben, ist für manche unerträglich und ein schwelender Herd für Dauerkonflikte, die dann auch in den privaten Bereich hineingetragen werden.“ Millauer empfiehlt daher zusammenarbeitenden Ehepartnern, die Aufgabenfelder in der Ordination möglichst klar zu trennen und die Umsetzung dieser Vereinbarungen regelmäßig gemeinsam zu überprüfen. Trotz aller möglichen Konfliktfelder: Das gegenseitige Vertrauensverhältnis aus dem privaten Bereich bringt auch Vorteile für die Abläufe in der Ordination. So können auch sensiblere Aufgaben wie etwa die Buchhaltung übergeben werden. Gleichzeitig Chance und Gefahr ist die Bereitschaft, füreinander Überstunden zu machen. „Insgesamt besteht die Möglichkeit, die Ordination gemeinsam weiterzuentwickeln“, so Millauer.

Millauer, dessen Ehefrau in seiner Ordination als Arzthelferin tätig ist, empfiehlt für solche Konstellationen „Bereiche, für die dann ein Partner alleine verantwortlich ist – beispielsweise für das gesamte Terminsystem.“ Gibt es einen Gewerbeschein, etwa für den Vertrieb von Nahrungsmittelergänzungsprodukten, sei dies auch ein Feld, das einer alleine übernehmen kann. Ähnliches gelte für den Bereich des Einkaufs oder die vielen Aufgabenfelder einer Hausapotheke.

Entscheidend sei, sich im Vorhinein abzusprechen und sich nicht darauf zu verlassen, dass der andere sich ohnehin automatisch um gewisse Bereiche kümmern wird. Und: Manchmal brauche es auch ein gewisses Loslassen, wenn Aufgaben auf eine andere Art umgesetzt werden, wie man es selbst für richtig hält.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 49 /2009

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