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Praxis 24. November 2009

Mit Holzpillen heizen

Mit gutem Umweltgewissen Wärme erzeugen.

Pfizer geht mit gutem Beispiel voran. Der Pharmariese hat in Freiburg, Deutschland, die größte Holzpelletanlage Europas in Betrieb genommen. Einen Beitrag zum klimafreundlichen Heizen kann aber nicht nur ein Unternehmen leisten, sondern auch jeder Einzelne.

 

Die Pelletheizung ist noch relativ jung. Sie kam erst vor etwas mehr als zehn Jahren auf, konnte sich allerdings sehr schnell am Markt behaupten. Man kann in ihr so etwas wie die domestizierte Form des urtümlichen Lagerfeuers sehen. Alle Variablen und Störgrößen ausschalten und aus einem mehr oder weniger unwägbaren Brennvorgang einen geregelten und klar vorhersagbaren machen, das ist ihr Prinzip. Das beginnt schon damit, dass nicht irgendein, sondern normiertes Brennholz verwendet wird, nämlich zylindrische Presslinge mit einem Durchmesser von 6 mm und einer Länge von 5-25mm, die aus trockenem, naturbelassenem Restholz hergestellt wurden. Das Brennmaterial besitzt somit genau definierte Eigenschaften – und gerade das ist wichtig für einen kontrollierten Brennvorgang.

Nichts dem Zufall überlassen! Dieses Leitmotiv wird auch bei der Luftzufuhr beherzigt. Bei dem Vorgänger der Pelletheizung, dem sogenannten Allesbrenner, regelte sie der Benutzer noch selbst, indem er die Klappe unten am Ofen unterschiedlich weit öffnete, nun macht das die Technik, über Lambdasonde, Sekundärluftzufuhr, Zirkulationszone und wie die technischen Finessen sonst noch heißen. Das Holz mit angezündetem Zeitungspapier zum Brennen bringen? Auch das war einmal! Bei den modernen Anlagen macht das der Zündstab oder das Heißluftgebläse.

Pelletkessel sind High-tech-Geräte, mit Grafikdisplay und Menüführung. Der Benutzer muss höchstens zwei- bis dreimal in einer Heizsaison die Aschenlade leeren. Alles andere funktioniert weitgehend automatisch, so auch die Pelletzuleitung aus dem Lagerraum, sei es über Schneckenbeförderung oder Ansaugung. Wie sieht es mit der Leistungsfähigkeit der Pelletheizungen aus, ihrer Energieeffizienz? Wie viel der im Brennstoff enthaltenen Energie vermögen sie in Wärmeenergie umzuwandeln?

Kombination mit Puffer

Der Jahresnutzungsgrad – also die Energieausbeute über das ganze Jahr, verschiedene Laststufen einberechnet – liegt laut einer Untersuchung des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) zwischen 83 und 91 Prozent. Zum Vergleich: Moderne Öl- und Gasgeräte erreichen einen Wirkungsgrad von 95 Prozent. In diesem Punkt hinken die Pelletanlagen also etwas hinterher. Auch im Teillastbetrieb tun sie sich schwer, dann, wenn sie nicht volle Leistung fahren. Wir kennen das vom Lagerfeuer: Wie leicht ist es doch, ein loderndes Feuer zu entfachen, und wie schwer, ein Feuer auf kleiner Flamme zu halten. Nun ist im Unterschied zu früher kaum mehr die große Heizleistung gefragt, denn die neu errichteten Wohnungen sind gut wärmegedämmt. Heute reicht eine kleine Heizleistung meist vollkommen aus. Am besten fährt man mit einer modulierenden Betriebsweise, die die Heizwärme dem jeweiligen Bedarf anpasst. Moderne Gasheizungen sind in diesem Punkt besonders stark: Sie können ihre Leistungskraft bis auf 13 Prozent ihrer Maximalleistung herunterschrauben. Diesen Wert schaffen Pelletkessel nicht, aber es gibt für das Problem eine Lösung, und die lautet: die Heizung mit einem Pufferspeicher kombinieren. So kann die Anlage mit konstant hoher Leistung betrieben werden und das Zuviel an produziertem Warmwasser wandert erst einmal in den Speicher, von wo es, je nach Bedarf, an das Heizsystem abgegeben wird.

Gute Verbrennung bedeutet gute Energieausbeute – und auch geringen Schadstoffausstoß. Bei der Holzverbrennung entsteht zwar auch das klimaschädliche Kohlendioxid, allerdings nur in jener Menge, die der Baum vorher zum Wachstum der Atmosphäre entzogen hat. Deshalb spricht man auch von „klimaneutraler“ Verbrennung. Und das ist das große Plus dieser Heizform gegenüber Öl- und Gasheizungen. Es kommt hinzu, dass die fossilen Brennstoffe über tausende Kilometer importiert werden müssen und ihre Vorräte irgendwann unweigerlich zur Neige gehen. Holz ist dagegen ein vor Ort nachwachsender Rohstoff. Deshalb gehört dieser Heizform wohl die Zukunft.

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 48 /2009

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