zur Navigation zum Inhalt
Wurde der Vorgänger „Vista“ von den Kritikern noch zerrissen, so scheint Microsoft sich mit „7“ mehr Mühe gegeben zu haben.
 
Praxis 17. November 2009

In jeder Hinsicht besser

Windows 7: Was das neue Betriebssystem taugt, welche Versionen es gibt, und wer umsteigen sollte.

Nummer Sieben ist da! Der unter dem Codenamen Windows Vienna entwickelte Vista-Nachfolger ist seit 22. Oktober am Markt. Noch vor dem Launch erntete Windows 7 viel Lob: Schneller soll es sein, weniger nerven und richtig rund laufen. Kritiker weisen aber darauf hin, dass „Number Seven“ eigentlich nur ein großes Service-Pack von Vista sei und kaum Neues mit sich bringe.

 

Schon alleine die Entwicklungsgeschichte des neuen Windows-Betriebssystems spricht gegen seine Kritiker. Denn Microsoft hat nicht nur Experten aus den eignen Labors ans Werk gehen, sondern gleich über acht Millionen Beta-Tester an der Entstehung von Windows 7 mitwirken lassen. Mehr als eine Milliarde Hinweise von Testern, Kunden und Geräteherstellern wurden dabei berücksichtigt. Setzt man sich an einen Windows 7-Rechner, wird schnell auf anschauliche Weise vermittelt, dass die Kritiker wahrscheinlich im Unrecht sind.

Citius, altius, fortius

Fast an jedem Windows-Feature wurde gefeilt und poliert – so, als ob die Entwickler das olympische Motto „schneller, höher, stärker“ vor Augen hatten. Auffällig ist die neue, intuitiv zu bedienende Oberfläche. Die Taskleiste enthält jetzt Elemente der Schnellstartleiste, hat größere Symbole, die individuell angeordnet werden können, und bietet einen schnellen Zugriff auf häufig genützte Anwendungen. Effizienteres Arbeiten wird nicht nur durch eine individuell anpassbare Oberfläche ermöglicht – auch unter der Haube gibt es Veränderungen. So bootet das System viel schneller als der Vorgänger und hat auch bessere Reaktionszeiten. Fenster gehen rascher auf, Eingaben werden zügiger verarbeitet. Eine höhere Performance bietet auch die überarbeitete Suchfunktion. Inhalte werden automatisch indiziert und sind somit viel rascher über die Desktop-Suche auffindbar.

Stärker als sein Vorgänger zeigt sich das neue Windows auch in punkto Wartung. Alle systemrelevanten Informationen sind in einem zentralen Wartungscenter vereint. Die Benutzerkontensteuerung nervt nicht mehr wie bei Vista, sondern verfügt jetzt über vier individuell einstellbare Schutzniveaus. Viele Probleme können mit einem Klick vom System selbst behoben werden. Ist das dennoch nicht möglich, verfügt „7“ über ein neues Hilfsmittel: den Problemrecorder. Die Anwendung erstellt ein Protokoll mit Bildschirmfotos zum Fehlverhalten. Die Aufzeichnung kann dann an einen Helfer per E-Mail verschickt werden.

„Fingerfertiges“ Betriebssystem

Weitere Verbesserungen bietet die vereinfachte Einrichtung von Netzwerken inklusive Streaming (Übertragen von Musik, Fotos, Videos) im Heimnetz oder via Internet. Als Krönung der Innovationen in Windows 7 könnte die Multi-Touch-Funktion bezeichnet werden. In Verbindung mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm kann der Rechner mit den Fingern, direkt am Monitor, bedient werden.

Gestrenge Europäer

Was mit Windows 7 nicht auf Anhieb funktioniert, ist das Versenden von E-Mails. Denn im neuen Betriebssystem wird auf einen Standardclient verzichtet. Ebenso, wie auf die aus Vista bekannten Applikationen Fotogalerie, MovieMaker oder Sidebar. Neu dagegen ist, dass beim ersten Start des Internet Explorer ein Auswahlmenü eingeblendet wird, das Vorschläge zur Installation anderer Browser enthält. Dieses Feature ist eine Auflage der Europäischen Wettbewerbsbehörde.

Windows 7 gibt es grundsätzlich in vier Versionen: Starter, Home Premium, Professional und Ultimate. Allerdings sind nur drei der Editionen interessant, denn Windows 7 Starter wird nur auf Billig-Netbooks vorinstalliert ausgeliefert und ist in der Funktionalität sehr eingeschränkt. Endanwender sind mit Home Premium bestens bedient. Die Box-Version kostet knapp 120 Euro und ist auch als „Family Pack“ (Lizenz für drei PCs) in einer limitierten Auflage um rund 150 Euro zu haben. Für Windows 7 Professional mit Dateiverschlüsselung und XP-Modus, und Windows 7 Ultimate hat zusätzlich umschaltbare Desktopsprachen und Laufwerkverschlüsselung , ist die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers 285 Euro bzw. 299 Euro.

Umsteigen oder noch zuwarten

Rein technisch gesehen lässt sich Windows 7 sowohl auf XP-Rechnern als auch auf Vista-PC nachinstallieren. In der Praxis sieht es etwas anders aus. Upgrades sind nur von Vista-Rechnern möglich. Bei Computern, die noch mit Windows XP betrieben werden, ist eine Neuinstallation erforderlich. Also alle Daten von der Festpatte extern sichern, Datenträger formatieren und erst dann „Seven“ installieren. Beim Umstieg von Vista dagegen lässt sich sogar ein sogenanntes „Inplace Upgrade“ durchführen. Bei dieser Methode wird Windows 7 über das vorhandene Vista aufgespielt. Alle Einstellungen und Programme bleiben dabei erhalten. Allerdings kann der Vorgang auch mehrere Stunden dauern. Eine „saubere“ Installation auf einem formatierten Datenträger hingegen dauert weniger als eine halbe Stunde. Ob ein bestehendes System für das neue Windows geeignet ist, lässt sich mit dem Windows 7 Upgrade Advisor ganz leicht herausfinden. Das Gratis-Tool führt einen detaillierten Systemcheck aus und meldet, ob und was geändert werden soll. Download unter: http://tinyurl.com/yfsx4zm.

Windows 7 hat sich von Anfang an als stabiles Betriebssystem gezeigt. Daher ist es für einen Umstieg nicht erforderlich, auf Service Packs zu warten, wie das etwa bei der Einführung von Vista der Fall war. Dennoch: Bei XP-Systemen, die drei, vier Jahre alt sind, ist eine PC-Neuanschaffung empfehlenswerter als das Upgrade. Es gibt keine Gewährleistung, dass „Sieben“ mit der betagten Hardware klaglos läuft. Bei jüngeren Vista-Rechnern ist ein Umstieg durchaus sinnvoll. Denn Windows 7 ist in jeder Hinsicht besser als sein Vorgänger.

Von Leopold Klein, Ärzte Woche 47 /2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben