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Praxis 10. November 2009

Lehrgängliches Sicherheits-Plus

Richtiger Umgang mit Risiken und Fehlern, Stress und Konflikten wird in vier Semestern vermittelt.

Ab dem Sommersemester 2010 wird an der Universität Wien ein Postgraduate-Unilehrgang für Patientensicherheit und Qualität im Gesundheitssystem angeboten werden. Die Organisatoren sind überzeugt, dass der Bedarf gegeben ist.

 

Die Veranstalter des berufsbegleitenden Lehrgangs „Patientensicherheit und Qualität im Gesundheitssystem“, die interdisziplinäre Forschungsplattform für Ethik und Recht in der Medizin von der Hauptuni und der MedUni Wien, glauben, dass Patientensicherheit von der aktiven Mitwirkung der Patienten abhängig ist.

Patienten-Aufklärung in verständlicher Sprache spielt demnach eine wichtige Rolle. Postuliert wird eine neue Kommunikations- und Teamkultur – speziell im Krankenhausbereich – mit klaren Strukturen und entsprechenden Feedbackschleifen, die mögliche Risiken im Vorhinein ansprechen, um auch mit Fehlern und Zwischenfällen umgehen können.

Unter den wesentlichen Zielen des Lehrgangs, der mit einem Master of Science in Quality and Safety in Healthcare abschließt, wird die ganzheitliche Wissensvermittlung im Feld von Patientensicherheit und Fehlermanagement, der Umgang mit Stress und Konflikten sowie die Entwicklung einer reflektierten Haltung in der Auseinandersetzung mit Risiken und Fehlern genannt. Interdisziplinarität sowohl in der Wissensvermittlung des Lehrgangs als auch als Weg zur Sicherstellung von Patientensicherheit im Alltag des Gesundheitswesens ist ein wesentlicher Faktor – neben der Tatsache, dass „der Patient der wichtigste Koproduzent seiner eigenen Gesundheit ist“, wie Prof. Dr. Robert Fischer, Vorstandsmitglied der Plattform Patientensicherheit, bemerkt.

Apropos Interprofessionalität: Hier fordert Fischer ein Miteinander, es müsse „ein Ende haben mit der Polarisierung der verschiedenen Berufsgruppen. Wir müssen uns selber und auch leitende Ärzte bei der Nase nehmen, um auf die Bedürfnisse der Patienten und auch der Mitarbeiter einzugehen“. Als weiteren Sicherheitsfaktor nennt Fischer eine konsequente Fortbildung. Allerdings sei die Investitionsbereitschaft mancher Krankenanstalten-Rechtsträger in diesem Bereich „überschaubar“.

Ursula Frohner, Präsidentin des ÖGKV (Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband) weist darauf hin, dass es bezüglich Qualitäts- und Patientensicherheit im extramuralen Bereich, konkret bei mobilen Pflegediensten, Nachholbedarf gebe. Frohner definiert den Patienten als einen „wichtigen Partner, der helfen soll, Dinge, die wir übersehen, vermehrt zu hinterfragen“. Wie schwierig oder zumindest langwierig dieser Weg aktiver Patientenmitbeteiligung sein kann, verdeutlicht folgendes Beispiel: Der Patient fragt bei der Visite, ob der visitierende Primarius sich auch die Hände desinfiziert habe, bevor er nun ihn untersucht.

Patientenmitwirkung erwünscht

Die Frage, ob Patientensicherheit auch ohne Mitwirkung der Patienten vorstellbar sei, beantwortet der niederösterreichische Patientenanwalt Dr. Gerald Bachinger prinzipiell mit „Ja“, da sinngemäß die Gesundheitsdienste-Anbieter über entsprechende fachliche Kompetenzen verfügten. Leichter geht es allerdings mit Beteiligung der Betroffenen: Eine direkte Beteiligung kann durch Patientenfeedback in Form von Befragungen und/oder durch Einbeziehung in den Behandlungsprozess erreicht werden. Als indirekter Weg ist etwa die Teilnahme von Patientenanwaltschaft und Selbsthilfegruppen an Arbeitsgemeinschaften mit patientensicherheitsrelevanten Themen möglich. Sinnvoll ist auch eine Aufnahme der Erfahrungen der Patientenanwaltschaft aus dem Beschwerdemanagement.

Als Orientierung kann eine deutsche Umfrage dienen, die erhob, welche Aspekte Patienten als wirklich wichtig bewerten: Ärztliche Versorgung (92 von 100 Punkten) rangiert ganz oben, gefolgt von Sicherheit (84), pflegerischer Versorgung (77), Hygiene (77) und Schmerzmanagement (75). Die sogenannten Hotelfaktoren Essen (57), Krankenzimmer (64) und Cafeteria/Kiosk (32) spielen hingegen eine untergeordnete Rolle.

 

Quelle: Pressekonferenz „Ist Patientensicherheit lernbar?“ – Patientensicherheit und Qualität im Gesundheitssystem, Oktober 2009, Wien

Kasten:
Lehrgang „Patientensicherheit und Qualität im Gesundheitssystem“
• richtet sich an alle im Gesundheitswesen tätigen Professionen
• ReferentInnen: nationale und internationale ExpertInnen und PraktikerInnen, enge Zusammenarbeit mit der österreichischen Plattform für Patientensicherheit
• Beginn Sommersemester 2010, Dauer vier Semester berufsbegleitend
• Kosten: 11.500.- Euro
• Anmeldungen ab sofort
• Voraussetzungen für Teilnahme: abgeschlossenes Studium oder einschlägige, mindestens fünfjährige Erfahrung in leitender Position
• Kontakt: Lehrgangsbüro Tel.:+43 (1) 4277-22201

Von Mag. Peter Bernthaler, Ärzte Woche 46 /2009

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