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Praxis 6. Oktober 2009

Manche mögen‘s heiß!

Wie Sie mit warmen Füßen durch die kalte Jahreszeit kommen.

Es wird kühler. Bald sitzen wir wieder gesellig zusammen, in den wohlig warmen Sitzecken bei heißem Tee, und rücken ein bisschen näher zusammen, um der Kälte zu trotzen. Draußen wird es leise, nur der Teekessel pfeift und die Heizkörper glucksen. Doch halt! Wenn Ihre Heizkörper vor sich hinblubbern, so hat das nichts mit Romantik zu tun. Es bedeutet, dass statt Wasser auch Luft erwärmt wird, was die Heizleistung deutlich vermindert. Worauf Sie beim Heizen der guten Stube achten sollten, verrät Ihnen der Raumdoktor

 

Eines meiner Studienjahre verbrachte ich im Süden Spaniens, im sonnigen Sevilla. Sobald im Winter die Sonne verschwindet, wird es auch in der heißesten Stadt Europas klirrend kalt. Die Sevillaner leugnen dies beharrlich und weigern sich, Häuser mit Heizungen auszustatten. So saßen meine Mitbewohner und ich abends dicht gedrängt um einen kleinen Heizstrahler. Ein Kennzeichen dieser Strahler ist es, dass sie alles im Umkreis eines Meters regelrecht braten, während die Temperatur außerhalb dieses Wirkungsbereiches davon völlig unbeeindruckt bleibt. Verbrennungen an den Beinen und Frostbeulen an den Armen waren in dieser Zeit ein gewohnter Anblick.

Das Elektroheizgerät im schönen Sevilla konnte deswegen nicht zu einem wohlig warmen Ergebnis führen, weil es nur punktuell die Luft aufheizt. Die restlichen Oberflächen des Raumes blieben kalt. Genau das sollte aber vermieden werden.

Maximal zwei Grad Unterschied

Ein angenehmes Temperaturempfinden kann nur dann entstehen, wenn alle Oberflächen des Raumes – ob Wände oder Mobiliar – zusammen mit der Raumluft in etwa die gleiche Temperatur, allerhöchstens aber nur etwa zwei Grad Unterschied aufweisen. Besonders an schlecht gedämmten Außenwänden können Temperaturunterschiede zur Bildung von Kondenswasser und Schimmelpilzen führen. Je schlechter die bauliche Hülle, desto ausgeklügelter sollte das Heizsystem sein. Besonders Heizungen mit Flächenwirkung wie Wandflächen- oder Fußbodenheizungen können auch in ungenügend gedämmten Bauten für behagliche Wärme sorgen.

Nicht alle Menschen empfinden dieselben Temperaturen als angenehm. Das individuelle Temperaturempfinden ist abhängig von Geschlecht, Alter und Gewicht – vor allem aber auch von der Art der Bekleidung. Wer im tiefsten Winter im Unterhemd durch die Gegend läuft, wird die Heizung wiederholt nach oben drehen müssen – und die anderen schwitzen lassen. Für Wohn- und Aufenthaltsräume beträgt die Idealtemperatur in etwa 20 bis 22 Grad Celsius, während in Schlafzimmern und geringer frequentierten Räumen, wie Flur und Vorzimmer, eine Temperatur von 16 bis 18 Grad ausreichend ist. Der Unterschied mag auf den ersten Blick nur gering sein. Bedenken Sie aber, dass jedes Grad weniger bereits sechs Prozent Energieersparnis bedeutet! Damit werden auch Wärmemonotonien in der ganzen Wohnung vermieden, welche die Anpassungsfähigkeit des Menschen an wechselnde Temperaturen vermindern, was zu Erkältungen und Ermüdung führen soll.

Ist Geiz wirklich geil?

Energie sparen bedeutet, die Heizung niemals völlig abzudrehen. Ob zuhause oder in der Praxis – drehen Sie die Temperatur auch bei längerer Abwesenheit nur um ein paar Grad herunter. Wenn Sie die Temperatur von Aufenthaltsräumen nachts auf etwa 16 bis18 Grad reduzieren, können im Vergleich zu einer dauerglühenden Heizung bis zu 30 Prozent Kosten eingespart werden. Am einfachsten geht dies natürlich vollautomatisch über ein Thermostat. Eine gänzlich abgedrehte Heizung ist aber kontraproduktiv, da das Wiederaufheizen ausgekühlter Räume viel kostet.

Das Papier zeigt es vor

An undichten Fenstern, der häufigsten „Energiefalle“, kann rasch und simpel Erste Hilfe geleistet werden. Meist liegt die Ursache an schlechten oder alten Abdichtungen. Das können Sie ganz einfach kontrollieren, indem Sie ein Stück Papier in Tür oder Fenster klemmen. Wenn Sie dieses im verschlossenen Zustand einfach wieder herausziehen können, dann muss Abhilfe geschaffen werden. Dichtungsprofile sollten immer wieder erneuert werden, was wesentlich billiger kommt als der unfreiwillige Luftaustausch durch die Fensterritzen.

Von Heizkörperverbauten kann genauso abgeraten werden wie von zu langen Vorhängen. Diese behindern die Verbreitung der aufgewärmten Luft in den Raum, sie wandert sofort wieder zum Fenster hinaus. Völlig auf Vorhänge oder Jalousien verzichten sollte man aber nicht. Besonders nachts, wenn es abkühlt, entsteht zwischen fensterlangen Vorhängen und Fenstern ein Luftpolster, das isolierend wirkt.

Warten Sie Ihre Heizung regelmäßig! Eine einwandfreie Heizung spart Geld, und so beugen Sie auch einem unerwarteten Ausfall vor, der Sie noch teurer zu stehen kommen kann. Mitten im Winter kann das noch dazu sehr unangenehm werden. Das letzte Mal, da ich in Räumlichkeiten übernachtete, in denen die Heizung ausgefallen war, schaffte ich Abhilfe mit Dutzenden von Teelichtern. Das klingt zwar romantisch, ist aber in etwa so effizient wie ein spanischer Heizstrahler – und lässt jeden Feuerwehrmann frösteln. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen wohlig warmen Herbst. Der nächste Frühling kommt bestimmt!

Von DI. Niel Mazhar, Ärzte Woche 41 /2009

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