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Praxis 6. Oktober 2009

Selbst ist der Energiebezieher

Seit 2001 ist bei uns der Strommarkt frei, seit 2002 auch der Gasmarkt.

Der Strom kommt aus der Steckdose. Heißt es, und das ist auch nicht ganz falsch. Doch welcher Strom das ist, ob naturnah oder in Kernkraftwerken hergestellt, das können Sie selber bestimmen. Seit 2001 ist der Strommarkt bei uns frei, seit 2002 auch der Gasmarkt. Den Energielieferanten für Ihre Ordination oder Ihr privates Heim können Sie selbst wählen.

Im Zuge der europaweit ausgerufenen Liberalisierung wurde bei uns der Energiemarkt geöffnet, 2001 erst der Strommarkt, ein Jahr später auch der Gasmarkt. Seither können wir unseren Strom- und Gaslieferanten selbst wählen. „Niedrigere Preise, eine größere Versorgungssicherheit und eine höhere Wettbewerbsfähigkeit“ sollte der Wettbewerb bringen, das versprach die Kommission der Europäischen Gemeinschaften. Und auch die Umwelt sollte profitieren, da die Unternehmen mit der Stilllegung nicht energieeffizienter Kraftwerke auf den Wettbewerb reagieren würden. Sind die Verbesserungen tatsächlich eingetroffen? Eher nicht.

Von harten Preisschlachten der einzelnen Unternehmen zum Wohle der Haushalte keine Spur. Und auch der Kunde zeigt Zurückhaltung: Bis Herbst 2008 hatten in Österreich gerade einmal 7,5 Prozent ihren Stromlieferanten gewechselt, und 3, 7 Prozent ihren Gaslieferanten. Da ballt sich keine Macht zusammen. Warum tut sich nichts auf diesem Sektor? Weil die Energieunternehmen viel zu wenig in Werbung und Marketing investieren? Weil der Kunde zu bequem ist? Weil der Wettbewerbsgedanke, das Laissez-faire-Prinzip, in diesem Bereich nichts bringt?

Alle diese Gründe spielen sicherlich mit hinein. In jedem Fall liegt es nicht daran, dass es wahnsinnig schwer und kompliziert wäre, den Lieferanten zu wechseln. Das ist im Gegenteil ein Kinderspiel. Wenn man weiß, wie es geht. Was spricht überhaupt dafür, den Lieferanten zu wechseln? Das kann einmal das liebe Geld sein – die Anbieter haben unterschiedliche Tarife für dasselbe Produkt. Das können auch politische Beweggründe sein – mit dem Wechsel zu einem Unternehmen, das den Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen und bezieht, können Sie ein Zeichen für den Umweltschutz setzen.

Welche Lieferanten gibt es überhaupt auf dem Markt? Und wer bietet was an? Die Antwort auf diese Frage finden Sie mit einem einfachen Mausklick auf der Internetseite von der Aufsichtsbehörde, der Energie-Control, kurz E-Control genannt (www.e-control.at, oder über die Energie-Hotline von E-Control Tel. 0810102554). Diese Seite zeigt, aus welchen Quellen sich der Strom der einzelnen Lieferanten zusammensetzt und wie die aktuellen Preise sind.

Zur Erläuterung: Wir sprechen die ganze Zeit vom „Lieferanten“, und das mit gutem Grund. Zu unterscheiden ist er vom sogenannten Netzbetreiber. Den Lieferanten können Sie wechseln, den Netzbetreiber nicht. Das Versorgungsnetz bleibt das alte. Wer sich für umweltgerecht erzeugten Strom entscheidet, kann auch nicht sicher sein, dass genau der bei ihm aus der Steckdose kommt. Denn Strom ist physikalisch gesehen immer die gleiche Energieform, ob sie nun im Kernkraftwerk oder mittels Windkraft erzeugt wird. Und doch hat die Entscheidung für „Öko-Strom“ direkte Auswirkungen: Damit wird der Anteil „sauberen Stroms“ im Gesamtnetz erhöht und der aus dem Ausland, vielleicht zudem in Kernkraftwerken produzierte gesenkt.

Der Preis setzt sich aus diesen drei Größen zusammen: Energiepreis, Netztarif und Steuern. Variabel ist allein der Energiepreis – und das ist auch der, der von den Lieferanten individuell festgelegt wird. Die beiden anderen Größen bleiben fix.

Nehmen wir an, Sie wollen Ihren Lieferanten wechseln: In diesem Fall sollten Sie, wie der Verein für Konsumenteninformation empfiehlt, folgendermaßen vorgehen: Sie nehmen Kontakt mit Ihrem künftigen Unternehmen auf. Wichtig sind einige Daten wie Name, Adresse, Kundennummer und Zählpunktbezeichnung – alles zu finden auf Ihrer letzten Jahresabrechnung. Der „Neue“ übernimmt sodann alle weiteren Formalitäten – auch die Kündigung des alten Vertrags. Ein Wechsel ist immer zum Monatsersten möglich. Eine eventuelle Kündigungsfrist ist zu beachten. Nach spätestens zwei Monaten sollte alles über die Bühne gegangen sein. Der Umstieg kostet nichts, auch werden bei Ihnen nicht etwa neue Leitungen oder Rohre verlegt.

Es bleibt gewissermaßen alles beim Alten, nur Ihr Lieferant ist nun ein anderer. Der Wechsel findet in erster Linie auf dem Papier statt. Damit Ihnen auch nicht zwischendurch das Gas oder der Strom abgedreht wird, darüber wacht schon E-Control. Was machen, wenn Ihr neuer Lieferant den eben noch so günstigen Preis erhöht? Die Antwort des Vereins für Konsumenteninformation: Darüber müssen Sie schriftlich informiert werden. Sind Sie mit der Preiserhöhung nicht einverstanden, so können Sie schriftlich widersprechen. Ihr Lieferant ist in diesem Fall verpflichtet, Sie weitere drei Monate zu bisherigen Konditionen zu beliefern.

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 41 /2009

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