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Foto: Buenos Dias/photos.com
 
Praxis 30. September 2009

Stilvoll an die Spitze stürmen

Wie Sie mit Ihrer Traumtreppe bis in den siebenten Himmel steigen können.

Treppen haben einen repräsentativen und symbolhaften Charakter. Trotz der Erfindung des Aufzugs sind sie nie ganz verschwunden und funktionieren auch dann noch, wenn der Lift wieder einmal auf Erfrischungskur in der Werkstatt ist. Früher wurden Stiegen schamhaft im Flur versteckt, heute werden sie dank offener Bauweisen immer öfter als Designelement ins Rampenlicht und damit in die Raummitte gesetzt.

 

Im Alten Ägypten wurden Stufen zu überdimensionalen Grabmälern in Form von Pyramiden aufgetürmt, die Babylonier machten es ihnen nach und gelangten mit dem stufenartigen Turmbau zu Babel bis ins Alte Testament. In Rom wurde die „Spanische Treppe“ vor der Kirche, deren Name kaum jemand kennt, zum maßgeblichen Element. Hollywoodstars posieren für Fotos auf Prachtstiegen, und kaum eine Seifenoper kommt ohne den Sturz über eine Treppe aus.

Stiegen sollten vor allem nützlich sein und ein komfortables Steigungsverhältnis aufweisen. Um ein angenehmes Auf- und Absteigen zu gewährleisten, gilt die einfache Faustformel: zweimal Stufenhöhe plus einmal Auftrittsbreite macht 63 Zentimeter. Das entspricht der Schrittlänge eines durchschnittlichen Erwachsenen. Etwas schwieriger gestaltet sich die Wahl des Designs, der Konstruktion und des Materials.

Treppe ist nicht gleich Treppe. Es gibt Spindel- und Wendeltreppen, Scherentreppen, Freitreppen, freitragende Treppen oder Wangentreppen aus Stahl, Holz, Beton, Glas und sogar Kunststoff. Bei der Wahl des Materials entscheiden sich viele Bauherren jedoch für den einfachen Stahlbeton. Diese einfache Variante ist aber keineswegs immer günstig. Besonders Stahltreppen zeichnen sich nicht nur durch ihre Leichtigkeit, sondern auch durch die Möglichkeit einer schnellen Montage aus. Holztreppen wiederum verbreiten eine besonders warme Atmosphäre und sind preiswert. Aber auch auf einer Betonstiege können Trittflächen aus Holz für eine heimelige Note sorgen. Sind die einzelnen Oberflächen dann womöglich aus verschiedenen Holzarten ausgeführt, wirkt das besonders originell.

Sehr beliebte formale Lösungen sind Wendel- und Spindeltreppen, wenn diese mitten im Raum stehen und auf eine Galerie führen. Ein Vorteil dieser Stiegenarten ist nicht nur ihre Ästhetik, sondern auch, dass sie besonders platzsparend sind.

Unter freitragenden Treppen versteht man unter anderem jene, die nur an zwei Punkten, nämlich oben und unten, verankert sind. Der Vorteil dieser Konstruktion ist ihre leichte Erscheinung und der Wegfall eines aufwändigen Unterbaus. Das schafft auch unter der Treppe mehr Platz für Stauraum oder Sitznischen. Ist Ihnen eine solche Konstruktion zu gewagt, können aber auch die Staueinheiten selbst den Unterbau und die Konstruktion für die Treppe bilden. Statt eines dunklen Ecks unter der Treppe wird der Raum so sinnvoll genutzt. Es entsteht eine Ruhezone oder ein elegantes Regalsystem, das wiederum stilvoll mit Licht in Szene gesetzt werden kann.

In besonders hohen Räumen lohnt sich der Einbau eines Halbstockes in einer Raumpartie. So wird viel zusätzliche Raumfläche gewonnen, die in eine geschützte Arbeits- oder Ruhezone verwandelt werden kann. Als einer der Höhepunkte eines solchen Ausbaus gilt dann auch die Stiege, welche die neu gewonnene Ebene mit der unteren verbindet. Hier kann auf außergewöhnliche Lösungen wie eine Raumspartreppe zurückgegriffen werden. Eine raffinierte Variante stellt etwa der Einbau einer „Wiener Treppe“ dar. Diese besteht aus kleineren, versetzt angeordneten Halbstufen. Diese Treppen erlauben nur kleine, sorgsam gesetzte Schritte, sparen aber Platz und sind besonders in der Ausführung aus Holz ein außergewöhnlicher gestalterischer Glanzpunkt.

Auch die Stufen selbst können als Stauraum genutzt werden. Denken Sie ausnahmsweise in Schubladen! So könnten sich unter den einzelnen Stufen auch Schubkästen verstecken. Diese sollten mit einem ausgeklügelten Verschlusssystem ausgestattet sein, damit diese nicht einfach aufgehen können und zur Stolperfalle geraten.

Mit einzelnen Treppen und ausgeklügelten Systemen lässt sich auch gut raumhohes Mobiliar bedienen. Regale, die bis zur Decke reichen, sind ein elegantes Gestaltungselement. Es muss nicht immer nur eine Leiter sein, die dann Zugang zu den Büchern ganz oben gewährt. Sind die untersten Regalkästen oder „Scheinschubladen“ auch ausfahrbar, können diese gleich als Aufgang benutzt werden.

Hängende Gärten

Die Geländer, die den Treppenlauf einrahmen, müssen nicht allein der Sicherheit, sondern können auch dem Design dienen. Extravagant wäre etwa die Kombination einer modernen Stahltreppe mit einem ornamental verspielten Gusseisengeländer aus alten Zeiten. Ganz aus Glas wiederum lässt es die gesamte Stiege leicht und entmaterialisiert erscheinen. Stahlseile und Netze sind beliebte und zeitgemäße Varianten, die dezent im Hintergrund bleiben und der Stiege Leichtigkeit verleihen.

Das Geländer kann auch als Beleuchtungsobjekt dienen. Dabei ist der Handlauf das Gehäuse für LED-Lampen, die nach unten hin den Treppenlauf in angenehmes, auf Wunsch farbiges Licht tauchen und ganz nebenbei auch älteren oder sehbeeinträchtigten Menschen zu mehr Sicherheit am Treppenabsatz verhelfen. Besonders mit Pflanzen lassen sich schöne Effekte erzeugen. Pflanzenkisten können sowohl an der Balkonbrüstung als auch am Stiegengeländer angebracht werden. Wie ein grüner Vorhang könnten von dort Hängegewächse ihre Blätter in die Tiefe baumeln lassen – und fertig ist die Grünoase in Ihren eigenen vier Wänden.

Sogar im Schlaf verfolgen mich bereits die Treppen. Kurz bevor ich eindöse, träume ich immer wieder, dass ich eine Stiege herunterfalle. Was auch immer Freud und die Psychoanalyse dazu sagen würden: Ob im Traum, in antiken Grabstätten, im hauseigenen Flur, oder vor der Eingangstür – Treppen sind allgegenwärtig.

Wenn auch Sie dann in Ihren Träumen mal eine Treppe herunterfallen, sollte dies dann wenigstens eine wirklich schöne sein. Ein Traum von Treppe sozusagen.

Von DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 40 /2009

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