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Praxis 23. September 2009

Das eigene Süppchen

Das Ausmaß der Selbstverwirklichung in Ihren Räumen bestimmen Sie selbst.

Kochen und Räume gestalten haben etwas gemeinsam. Kochen ist eine Kunst, dessen Gelingen nicht jedem vergönnt ist. Dennoch befriedigt ein selbst gekochtes Gericht manchmal mehr als ein Gänge-Menü im 5-Sterne-Restaurant. Ein Großteil der Freude am guten Essen verdankt sich dem Wissen, dieses selbst erschaffen und ein Rezept nach eigenen Vorstellungen verfeinert zu haben. Genauso verhält es sich mit der Raumgestaltung. Was folgt, ist ein Appell zu mehr Selbsthilfe in den eigenen vier Wänden.

 

Eine gelungene Raumausstattung muss nicht von der Stange kommen. Natürlich können Sie einen Innenarchitekten beauftragen, um Ihre Lebens- und Arbeitsräumlichkeiten durchplanen zu lassen. Das Ergebnis wird in den meisten Fällen stimmig ausfallen. Doch wenn Sie das eine oder andere Stück im Gesamtkonzept selber beigetragen haben, verleiht das dem Ensemble erst seine individuelle Note. Ob Sie das eine oder andere Lieblingsstück selbst verändert, bemalt, umgebaut oder renoviert haben – Sie werden die Raumgestaltung und ihren Wert besser zu schätzen wissen.

Je nach Grad der gewünschten Selbstverwirklichung können Sie ein Möbelstück aus dem Kaufhaus, vom Flohmarkt oder vom Antiquitätenhändler erstehen und es mit eigenen Ideen und kleinen Veränderungen aufwerten. Schon mit wenigen Handgriffen, die wenig Grundwissen erfordern, können dabei individuelle Kunstwerke entstehen. Ein selbstgebautes Möbelstück wird – im Gegensatz zur Massenware vom Markt – niemals seinen Wert verlieren, weil darin Ihre Persönlichkeit mit eingeflossen ist.

Wählen Sie für den Anfang einfache Projekte. Nehmen Sie einen alten Schreibtisch, versehen Sie ihn mit neuen Standbeinen und lackieren Sie diese in einer auffälligen Farbe, um starke Kontraste zu erzeugen. Besonders mit Textilien lassen sich schnell Effekte erzielen. Warum im Wartebereich einer Praxis nicht eine Theke, wie man sie sonst nur in Bars findet, installieren? Diese kann aus einem einfachen Holzbrett entstehen, das Sie selber beziehen. Etwa mit farbigem Kunstleder, das einfach zu reinigen ist. Dazu ein einige alte Barhocker, die Sie wiederum selber polstern und mit individuellen Stoffen ohne großen Aufwand beziehen. Ähnliches gilt für Lampenschirme, Regale oder kleine Beistelltische. Passend dazu können Sie auch die Rückenlehne und Sitzfläche eines alten Stuhls neu mit Stoffbändern Ihrer Wahl bespannen. Ein- , zwei- oder mehrfärbig, passend zu Ihrer Raumgestaltung.

Von der Tapete bis zur Fliese – die meisten Oberflächen kann man heute bereits beim Hersteller mit selbstentworfenen Motiven bedrucken lassen. Aber auch das kann man selber machen. „Decoupage“ nennt sich dieses Verfahren. Bei dieser jahrhundertealten Technik wird bedrucktes Papier oder dünner Stoff mit Hilfe von speziellen Lacken auf der Oberfläche des Mobiliars dauerhaft angebracht. So kann in die Jahre gekommenes Mobiliar zu neuem Leben erweckt werden, die Technik selbst ist leicht zu erlernen und sehr dekorativ.

Saubere Fingernägel

Für jene, die ihre Hände lieber nicht schmutzig machen wollen: Einige Hersteller bieten auch Möbel an, die man im Internet nach eigenen Vorstellungen zusammenstellen kann. So bietet die Firma Ozori Regalmöbel an, die anhand eines einfachen Rasters online entworfen werden können und dank ihres modularen Systems auch für Möbelanfänger leicht zu knacken sind. Am Ende kann man virtuell seinen Entwurf mit Oberflächentexturen betrachten und bekommt auch gleich einen Preis ausgespuckt.

Wichtig ist, nach Plan vorzugehen. So wie Sie beim Kochen nicht erst mittendrin das Rezept überlegen, sollten Sie auch bei der Raumgestaltung vorher ein Konzept festlegen, das Ihre Persönlichkeit widerspiegelt und Ihren Bedürfnissen und Gewohnheiten gerecht wird. Ob Raumausstattung, Um- oder Neubau – Architektur gibt einer Idee Raum. Nach Möglichkeit sollten das Ihre eigenen Ideen sein.

Bei größeren Projekten kann es auch sinnvoll sein, das raumgestalterische Süppchen mithilfe eines Chefkochs, eines Architekten, zu kochen. Im Gegensatz zur Raumausstattung sind Um- und Neubauten für einen Anfänger schwierig allein zu gestalten. Aber auch hier gilt: Lassen Sie sich nicht unterbuttern!

Wichtig ist, Ihren Standpunkt und Ihre Vorstellung klar zu machen, Ihre eigenen Ideen selbstbewusst einzubringen. Denn nur wenn der Architekt über Ihre Gewohnheiten und Ihre Vorlieben genau Bescheid weiß, kann eine passende Gestaltungslinie realisiert werden. Klären Sie im Vorfeld, was Ihre Räume können sollten, damit aus dem Appell für schönere Räume ein Dialog (anstelle eines Monologs) entstehen kann. Ein guter Architekt versteht sich als „Transformator“ Ihrer ganz individuellen Vorstellungen und setzt diese in bauliche Realität um.

Lassen Sie sich inspirieren!

Wenn Sie schon heute sehen wollen, was die Architekten von morgen planen, können Sie die archdiploma-Ausstellung in der Kunsthalle Wien vom 6. bis 30. Oktober besuchen. Dort werden die besten Abschlussarbeiten aus Architektur und Raumplanung der letzten zwei Jahre der TU Wien präsentiert. Das Motto der diesjährigen Architekturbiennale heißt „material visions“ und behandelt die Symbiose aus Kunst und Technik als Basis guter Architektur. Denn wie die Zutaten für ein gelungenes Gericht, so ist auch eine gute bauliche Hülle Voraussetzung für eine gelungene Innenraumgestaltung.

 

 Links:

www.ozori.de

www.archidploma.at

Von DI. Niel Mazhar, Ärzte Woche 39 /2009

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