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Foto: PhotoDisc
Wer es günstig warm haben will, sollte neben rustikalen Lösungen auch den Energieausweis nützen.
 
Praxis 16. September 2009

Das Pickerl fürs Heim

Der Energieausweis informiert über den Heizbedarf eines Gebäudes.

Sie suchen eine neue Wohnung oder ein Haus. Lage, Ausstattung, Verkehrsanbindung – alle diese Kriterien spielen eine Rolle. Neu dazugekommen ist nun der Energieausweis. Er informiert über den energetischen Status des Gebäudes. Seit Anfang dieses Jahres ist dieses Label bei Kauf oder Vermietung eines Heims vorzulegen.

Der Kühlschrank und andere Elektrogeräte haben es schon seit längerem, das Energielabel, das auf einen Blick anzeigt, wie es um die Energieeffizienz des Geräts bestellt ist. Vor wenigen Jahren wurde aufgrund einer europäischen Verordnung, der EU-Gebäuderichtlinie, ein Energieausweis auch für Häuser und Wohnungen eingeführt. Zuletzt gab es einige Übergangsbestimmungen, doch seit 1. Jänner 2009 ist er verpflichtend beim Verkauf oder der Vermietung von Häusern und Wohnungen, egal welchen Baujahres, vorzulegen.

Aufgeklärte Benutzer

Der Sinn dieses Energieausweises liegt auf der Hand: Der Miet- oder Kaufinteressierte soll sich ein Bild über die thermische Qualität des Gebäudes machen können, darüber, mit welchen Heizkosten er wohl zu rechnen hat. Zugleich soll der Ausweis Anreiz für den Eigentümer sein, in energiesparende Maßnahmen zu investieren – und damit zugleich einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Denn je geringer der Heizbedarf, desto geringer auch die Schadstoffemissionen.

Ist das Gebäude ein Energiesparer oder ein Energiefresser? Darüber gibt der Energieausweis Auskunft. Diese Art Typenschein kann von Bundesland zu Bundesland kleine Variationen aufweisen, doch im Kern, das heißt bei den zentralen Kennzahlen, ist er gleich.

So wie bei den Pickerln auf Kühlschränken, Waschmaschinen, Heizungspumpen u.Ä. wird auch auf dem Gebäudeausweis durch eine farbige Skala in Kombination mit einem Buchstaben die Einteilung von A – manchmal unterteilt in A++, A+,A – für niedrigen Bedarf bis G für hohen Bedarf prägnant dargestellt.

Sind Geschoß- und Kellerdecke wärmegedämmt? Ist das Gebäude nach Süden ausgerichtet und können somit solare Gewinne erzielt werden? Wie gut isolieren die Fenster, das heißt, wie hoch ist ihr U-Wert? Besitzt das Haus eine Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung? Das sind alles Punkte, die bei der Berechnung des Heizwärmebedarfs mit berücksichtigt werden. Der Wert ergibt sich aus der Differenz von Energiegewinn und Energieverlust.

Nicht nur die Energie fürs Heizen, sondern auch für Kühlung, Warmwasser, Beleuchtung usw. wird berechnet, alles zusammen ergibt den sogenannten Endenergiebedarf.

Zu vergleichen ist der Energieausweis mit dem Auto-Typenschein, der Auskunft darüber gibt, wie viel Sprit das Auto auf 100 km verbraucht.

Wer darf eigentlich einen Energieausweis erstellen und was kostet diese Dienstleistung? Das ist noch nicht abschließend geregelt, sagt der Verein für Konsumenteninformation (VKI). Zu den Berechtigten gehören aber auf jeden Fall Architekten, technische Büros, akkreditierte Prüfanstalten und gewerberechtlich befugte Baumeister, Gas- und Sanitärinstallateure, Heizungs-, Klima- und Lüftungstechniker, Zimmermeister und Elektrotechniker.

„Die Kosten des Energieausweises für ein Ein- und Zweifamilienhaus betragen schätzungsweise 300 bis 600 Euro. Für große Häuser mit mehreren Wohnungen – ab rund 1.000 Quadratmeter Nutzfläche – gehen Experten von rund 1 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche aus. Immer vorausgesetzt, dass der Eigentümer dem Prüfer die notwendigen Unterlagen übergeben kann“, sagen die VKI-Experten.

Der TÜV (Technischer Überwachungsverein) verrechnet für die Erstellung eines Energieausweises für ein Eigenheim derzeit (2009) 540 Euro inklusive Umsatzsteuer. Der Auftraggeber muss jedoch bereits bei der Auftragserteilung folgende Unterlagen übergeben:

  • Gebäudepläne (Grundrisse, Ansichten, Schnitte) M 1:100
  • Baubeschreibung inkl. Angaben über Bauteilaufbauten sämtlicher Bauteile und U-Werte (Wärmedurchgangswert) der Fenster
  • Angaben über das Heizsystem inkl. Leitungsverlegung

Keine Strafen geplant

Liegen diese Unterlagen nicht vor, so müssen die notwendigen Daten vom TÜV vor Ort erhoben werden. Dafür wird ein gesonderter Stundensatz vereinbart.

Was passiert, wenn ein Verkäufer oder Vermieter sich nicht um die neuen Bestimmungen kümmert? Wird kein Energieausweis vorgelegt oder ist der Ausweis älter als zehn Jahre, sagt der VKI, gilt nach den gesetzlichen Bestimmungen zumindest eine dem Alter und der Art des Gebäudes entsprechende Gesamtenergieeffizienz als vereinbart. „Eine Verwaltungsstrafe ist bislang nicht vorgesehen. In der Praxis wird in den nächsten Jahren ohne Energieausweis aber gar nichts mehr gehen. Ist diese Neuregelung erst einmal besser bekannt, werden Käufer und Mieter auf einem Energieausweis bestehen. Wird trotzdem keiner beigebracht, liegt der Verdacht nahe, dass hier negative Eigenschaften einer Immobilie mit allen Mitteln verschwiegen werden sollen“, so der VKI.

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 38 /2009

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