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Foto: wikipedia
 
Praxis 25. August 2009

Es werde – neues – Licht

Was zurückbleibt, wenn die Glühbirne sich verabschiedet.

Das Licht des traditionellen Leuchtkörpers soll – schrittweise – ab 1. September ausgehen. Was das nun für die liebgewonnene Schreibtischleuchte in der Arztpraxis oder die „Nachtkastllampe“ zuhause bedeutet, lesen Sie in dieser Ausgabe des Raumdoktors.

 

Gurken und Birnen haben botanisch betrachtet nicht viel gemeinsam. Gurken und Glühbirnen seit diesem Jahr aber schon! Einst wollte man in Brüssel Gurken verbieten, die auf zehn Zentimeter Länge mehr als zehn Millimeter Krümmung aufweisen. Lange gehalten hat sich dieser Vorschlag zur gesetzlich geregelten Gurkenkrümmung, die Verpackung und Transport platzsparender und damit billiger machen sollte, aber nicht. Für etwas mehr Ordnung im Gemüsefach hätte die Verordnung gesorgt, ansonsten wurde die „Bürokratiegurke“ aber lautstark kritisiert.

B wie Birne oder Bürokratiegurke

Diesmal hat die Europäische Union neue Standards für die Energieeffizienz von Leuchtmitteln gesetzt, wovon vor allem die herkömmliche Glühbirne betroffen ist. Dies nicht ohne Grund. Nur fünf bis zehn Prozent des aufgewendeten Stroms für den Betrieb der Glühbirne entfallen tatsächlich auf die Leuchtkraft, der Rest verpufft als Wärme. Man könnte also meinen, das produzierte Licht ist nicht viel mehr als Abfallprodukt und geschickte Tarnung der kleinen birnenförmigen Heizelemente.

Die Birne leuchtete 45.000 Tage

Die korrekte Bezeichnung für die Glühbirne, die Thomas Alva Edison im 19. Jahrhundert perfektioniert hat, lautet streng genommen übrigens Glühlampe. Aber jetzt müssen Sie sich den richtigen Begriff auch nicht mehr einprägen, denn die Tage der Glühleuchte sind ohnehin gezählt. Etwas über 45.000 Tage hat die Edison-Leuchte bereits auf ihrem runden gläsernen Buckel – und zwar weitgehend unverändert. Dies war es auch, was ihr so viel harsche Kritik einbrachte. In den 130 Jahren ihres Bestehens hat sich Anatomie und Technik der im Übermaß stromfressenden Glühbirne praktisch nicht verändert.

Licht aus für die Hunderterbirne

Ab 1. September 2009 dürfen die veralteten Glühbirnen ab 100 Watt daher nicht mehr auf den Markt gebracht werden. 2010 folgen schließlich 75-Watt-Glühbirnen, ein Jahr darauf jene ab 65 Watt, bis schließlich ab 1. September 2012 auch in den Produktionshallen der 25-Watt-Birnen das Licht ausgehen wird. Dadurch sollen laut Brüssel 15 Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid pro Jahr eingespart werden.

Leuchtmittelhersteller stehen dem Verbot aber gelassen gegenüber und bieten bereits eine breite Palette an Alternativen für Lampe und Luster mit allen herkömmlichen Fassungen an. Als erste Wahl für den Austausch der ausgedienten Glühlampen gelten die bereits überall erhältlichen Energiesparlampen. 80 Prozent geringerer Stromverbrauch und eine etwa sechsfach längere Lebensdauer zeichnen diese Leuchten aus, die eigentlich zu den Leuchtstofflampen zählen. Kritisiert wurde bisher ihre unfreundliche Lichtqualität, die längeren Zündzeiten und dass sie nicht dimmbar sind. Vieles davon Vorurteile, die nicht mehr zu halten sind. An der Beleuchtungsqualität wurde gearbeitet, wünscht man eine wärmere Lichtnote, muss man auf die Kennung „827“ auf der Verpackung achten. „8“ steht dabei für gute Farbwiedergabe, 27 für die Farbtemperatur von 27.000 Kelvin, diese Lampe weist damit eine ähnliche Lichtnote wie die traditionelle Glühbirne auf. Wünscht man neutralweiße Beleuchtung, etwa für ein Arbeitszimmer, wählt man die Kennung 840, oder 865 für tageslichtweiße Lichtfarbe. Spezielle Ausführungen der Energiesparlampe sind bereits dimmbar, die Modelle von heute starten wesentlich schneller als frühere Typen und sind flackerfrei.

Halogenleuchten bleiben

Für spezielle Anforderungen steht aber weiterhin noch eine andere, altbekannte lichtspendende Variante zur Auswahl, die Halogenleuchte. Diese stellt eine Weiterentwicklung der Glühbirne dar, die weniger energieeffizienten Halogenleuchten sind aber ebenfalls von dem EU-Beschluss betroffen. Ab 2016 sind daher nur noch Modelle der Effizienzklassen A und B zugelassen. Halogenlampen eignen sich besonders für Akzentbeleuchtungen in Wohnräumen und an Kronleuchtern, da ihr Licht nicht so weich und kontrastarm wie das der Energiesparlampen ist. Besonders die Kombination von Halogen- und Energiesparlampen kann einem Raum eine angenehme und abwechslungsreiche Lichtstimmung verleihen und ist daher die beste Alternative für eingefleischte Liebhaber der Glühbirne.

LED – helle Zukunftsköpfchen

Licht Emittierende Dioden (oder LEDs) kannte man lange Zeit nur als kleines farbiges Licht, von der Fernbedienung und anderen elektronischen Geräten. Doch mehrere dieser Dioden mit einem herkömmlichen Schraubsockel nach Edisons Vorbild versehen, sind nun zu einer Alternative für die Glühbirne herangereift. Die Lichtausbeute der Dioden ist noch nicht so weit entwickelt, um als Allgemeinbeleuchtung in Räumen eingesetzt zu werden, und findet daher bislang nur als Akzentbeleuchtung Einsatz. Doch diese Dioden stehen erst am Anfang ihrer Entwicklung, und schon in sehr naher Zukunft werden LEDs, die über eine extrem hohe Lebenserwartung verfügen, die Palette der Leuchtmittel wesentlich bereichern. Verabschieden Sie sich also in aller Ruhe von der liebgewonnenen Glühbirne. Danken werden es Natur und Umwelt.

Von DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 35 /2009

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